Freitag, 30. Dezember 2011

Ein typischer Aupair-Tag

Von schreienden Kindern um viertel nach sechs geweckt werden. Versuchen, noch ein bisschen zu schlafen, da die Kinder jeden Morgen noch eine halbe Stunde zu den Eltern ins Bett kriechen. Um kurz nach halb sieben aufstehen. Die Zimmertuer vorsichtig oeffnen und ins Badezimmer schleichen. Die Badezimmertuer oeffnen und von zwei kleinen Zwergen mit einem „Doodelah Doodelah“ begruesst werden. Matilda und Nick knuddeln. Matilda fragen, was sie heute anziehen moechte. Matilda erklaeren, dass sie ihr schoenstes Partydress nicht anziehen kann, wenn sie draussen spielen moechte. Matilda erklaeren, dass es morgens noch zu kalt fuer den bunten Minirock und das Puenktchen-Top (oder zu heiss fuer den Pullover und die Winterstiefel) ist. Matilda erklaren, warum sie eine Leggings unter ihrem Rock tragen sollte, wenn sie zum 10. Mal „WHY?“ fragt. Kleidung fuer Nick raussuchen. Versuchen, Nick einzufangen. Den quengelnden Nick beruhigen und ihm erklaeren, dass er heute nicht nackt draussen spielen kann :-)
Versuchen, die gefuehlt einhundert „NO NO NOOs“ zu ignorieren. Windeln wechseln, Nick anziehen und ihn dabei davon abhalten, das Rollo zu zerstoeren, weil er daran zieht. Nick knuddeln, ihn zum Lachen bringen und mich freuen, wenn er mich verschmitzt angrinst und immer wieder "Doodelah!" sagt.
In die Kueche gehen „It is Beckbist Bime“. „Yes, Nicky, it is breakfast time!“. Matilda Muesli geben und fuer Nick Porridge kochen. Dabei durch ein 5-minuetiges „Po-idge Po-idge Po-idge“ von Nick unterhalten werden und ihm erklaren, dass es noch etwas dauert :-) Matildas Fragen beantworten („Dschulia, can I have some...chocolate/honey/milk/bread...?“). Solange auf ein „WHY?“ antworten, bis meine letzte Antwort ein „just because“ ist. Nick davon abhalten, mit seinem Loeffel den Tisch zu zerkratzten/gegen den Schrank zu treten/sein Fruehsueck auf dem Tisch zu verteilen. Matilda davon abhalten, mit den Schublaeden zu spielen/Nicks Loeffel zu klauen/mit ihren Haenden in der Schuessel rumzuspielen. Mir selbst Fruehstueck machen und mich durch ein „Habomm“ von Nick und ein „Dschulia, can I have some of your breakfast?“ von Matilda vom Essen abhalten und mich letztendlich durch ein „Dschuuuulia, daddy told us we need to share everything“ ueberreden lassen, etwas von meinem Fruehstueck abzugeben. Weitere „Habomm habomm habomms“ und „Hamoo hamoo hamoos“ von Nick verneinen („Nicky. Please eat your own breakfast“ :-) ). Das Fruehstueck beenden. Matilda die Haare kaemmen. Matilda erklaren, warum sie ihre Haare kaemmen sollte. Die kleinen Zwerge mit gruener Sonnencreme eincremen (die spaeter weiss wird) und ihnen erklaren, dass sie jetzt KEINE Schokolade haben koennen, weil es gerade Fruehstueck gab. Mit Nick und Matilda ein bisschen spielen, ihnen Schuhe anziehen und sie dann ins Auto setzen und anschnallen.

„Byebye...have fun at daycare!“.

Den Tisch abwischen, Geschirr in den Geschirrspueler einraeumen. Das halbe Fruehstueck von Matilda vom Boden aufsammeln und fegen. Nicks Porridge vom Stuhl abwischen. Gefuehlt einhundert Spielsachen vom Boden aufsammeln und wegraeumen. Betten machen. Buecher aufsammeln und einordnen. Zwanzig Paar Kinderschuhe zuerueck in den Korb legen, den Matilda ausgekippt hat, um ihre Schmetterlings-Sandalen zu finden, die eigentlich ganz oben lagen. Waesche waschen (alles „Rapid wash, cold water“, denn die Australier waschen ALLES kalt und wundern sich, wenn alle T-Shirts Flecken haben).

9 Uhr
Freizeit: Durch den Park in der Sonne 20 Minuten zum Bahnhof laufen. Mit dem Zug in die Stadt fahren und ins Fitnessstudio gehen, danach andere Aupairs auf einen Kaffee oder Spaziergang durch die Stadt treffen. Zurueckfahren, durch den Park nach Hause laufen und mich darueber freuen, was fuer ein gutes Leben ich zur Zeit leben darf.

17 Uhr
Essen kochen, den Geschirrspueler ausraeumen, Waesche falten und wegraeumen. Um halb 6 mit einem „Doodelah“ begruesst werden, wenn Lisa mit den Kids nach Hause kommt. Knuddeln :-) Eventuell fuer einen kurzen Spaziergang in den Park oder zum Spielplatz gehen. Gemeinsam essen. Mir erneut etwas von meinem Teller klauen lassen („Dschulia, we need to share it...we need to share eveything“). Time for a bath. Nick einfangen und ihn in die Badewanne setzen. Mit Schaum spielen, die Kinder mit blauer Seife anmalen („hamoo hamoo“), mit Matilda einen Kuchen aus Wasser, Schaum und blauer Seife backen, mir einen „Schaumbart“ von Nick machen lassen und die Kinder zum Lachen bringen. Nick und Matilda in Handtuecher einwickeln („I wanna be Harvey, the sausage, Dschulia“). Nick anziehen. Mit den Kindern spielen. Zaehne putzen und grinsen, wenn Nick „Ahhh Ihhh Ahhh Ihhh“ macht, damit ich seine Zaehne putzen kann. Eine Geschichte vorlesen und auf Matildas Frage „Dschulia, can you please give me a backrub?“ mit „Yes!“ antworten und Matilda den Ruecken kraulen. Warten bis die Kinder schlafen (oder zumindest so tun). Die Kueche aufraeumen, erneut die gefuehlt einhundert Spielsachen vom Boden aufheben und wegraeumen. Matilda sagen, dass es Zeit ist, zu schlafen, wenn sie zum dritten Mal mit einer Ausrede in die Kueche kommt, um wach zu bleiben („Dschulia, I have an important question/I am thirsty/I am hungry/I forgot to...“). Ihr noch einmal den Ruecken kraulen, wenn sie mich mit ihren Rehaugen anstarrt („Dschulia, you do the best backrubs. Can you do it again, pleaaaase?“).

19Uhr
Freizeit: Andere Aupairs treffen, mit meiner Gastfamilie den Abend geniessen oder nach Deutschland skypen. Was fuer ein einfaches, unbeschwertes Leben. Ich geniesse jeden Tag, den ich hier sein darf. 

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