Freitag, 3. November 2017

Komodo Island Trip

4 Tage auf einem Boot von Lombok nach Flores und nun in Bali. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, die letzten 4 Tage in Worte zu fassen. Ich glaube, ich gebe euch deswegen einfach ein kleines unsortiertes „Best of Komodo Trip“.

Wahrscheinlich werdet ihr denken: „Das klingt ja wieder ganz furchtbar, Julia…warum tust du dir diesen Scheiß an?“, aber ich muss sagen, dass ich in den letzten Tagen extrem viel gelacht habe auch wenn ich diese Bootstour wirklich niemandem empfehlen würde. Manchmal wird etwas nämlich so absurd, dass es direkt wieder lustig ist und da ich nicht Miss TripAdvisor bin oder euch mit so einem „Heute war ich hier und morgen da“-Kram zutexten möchte (dafür gibt es 3000 andere Blogs), lass ich euch mal wieder an meinem kleinen Chaos teilhaben:

“Dieser Trip war einfach der Horror. 19 von 21 Personen seekrank…blabla“, lese ich im Internet nachdem mir Marcos einen Flyer über einen 4Tage, 3 Nächte Lombok to Flores Island Trip in die Hand gedrückt habe. „Na zum Glück werde ich nicht seekrank“, denke ich und da ich noch ein bisschen mehr als Lombok sehen möchte und nach der anstrengenden Rinjani-Tour Lust auf Schnorcheln, Strände und Relaxen habe, scheint dieser Trip abseits der grausamen Online-Bewertung gar nicht so eine schlechte Option zu sein. Die Strände auf dem Flyer sehen immerhin ganz schön aus und Anton, bei dem ich auch meinen Rinjani-Trip gebucht habe, hat Marcos ebenfalls diese Tour verkauft. Kann also gar nicht so dramatisch sein, wenn der Flyer hält, was er verspricht und die Seekranke vielleicht einfach nur ihre Reisetabletten vergessen hat.

Gedacht, gesagt, gebucht.

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Montag, 10 Uhr. Ich sitze in einem völlig überfüllten Bus auf dem Weg zum Hafen. Der Reiseveranstalter ist seltsamerweise ein anderer als der meines Flyers und wir sind 21 statt maximal 10. Kann vorkommen in Indonesien. Indonesier sind nämlich nicht so genau mit ihren Infos und 21 – also gerade einmal doppelt so viel- ist nach indonesischen Gesetzen ganz knapp daneben, aber immer noch im Rahmen.

15 Uhr. Wir betreten am Hafen ein ziemlich cooles großes Holzboot und ich freue mich.

Ja, ich freue mich zu früh. Denn das große Holzboot ist nur eine Brücke zu unserem kleinen weißen Boot, das ganz unscheinbar dahinter liegt und nun für 21 Leute + Crew 4 Tage unser Zuhause sein soll. Yay. Das kann ja abenteuerlich werden. Dieses weiße Boot sieht so aus, als würde es für maximal 10 Leute reichen.

15:10Uhr: Ich schaue mich ein wenig um. Mein Rucksack ist inzwischen zusammen mit dem Gepäck der 20 anderen Leute in einer kleinen Luke verstaut. Meine Roomtour ist ziemlich schnell beendet: 2 Bänke im vorderen Teil des Bootes, ein Deck mit lederüberzogenen dünnen Matratzen, das unser Schlafplatz sein soll, 2 Toiletten ohne Klopapier. Eine „Küche“ (nennen wir es Ablagefläche mit 2 Gaskochern) und eine private Schlafkabine im hinteren Teil des Bootes. Das war’s. Nein, die Dusche gibt es tatsächlich nicht. Das ist kein Julia-Dokumentationsfehler. Waschbecken übrigens auch nicht. Spiegel auch nicht.

Sehen wir es mal positiv: Ich kann 3 Tage nicht duschen, aber da es keinen Spiegel gibt, muss ich mir das Desaster wenigstens auch nicht ansehen.

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16:00 Uhr. Das Boot neigt sich extrem von einer Seite auf die andere nachdem wir den Hafen verlassen und auf den Bänken sitzend lossegeln. Ist jetzt nur noch eine Frage, bis der erste seekrank wird und ich schmeiße vorsichtshalber eine Packung Reisetabletten in die Runde, die ich mir gestern noch in einer Apotheke zu meiner eigenen Sicherheit organsiert habe. Nicht für mich, sondern nur indirekt damit die Online-Negativbewertung erst gar keine Chance hat, sich in Realität zu verwandeln.

17 Uhr. Krasse Sache. Das Meer hat sich wieder beruhigt und die Tabletten haben ihren Zweck erfüllt. Niemand ist seekrank. 0 von 21! Das schreit nach einer guten Tablettenbewertung – egal wie der Trip wird.YES!

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17:10 Uhr. Unser indonesischer Tourguide in grünem Shirt mit den fehlenden Zähnen und dem grottigen Englisch nimmt sein „unsichtbares Mikro“ in die Hand, hält es sich vor den Mund und beginnt eine äußerst seriöse Rede: „Good trip promise you MA FRIEND. Will do the best for you MA FRIEND. No Blabla MA FRIEND. Amazing tour. 4 days. 3 nights. Everybody happy. Enjoy trip everybody MA FRIEND. Dinner is ready now. You got any questions MA FRIEND? Just ask. Will do my best MA FRIEND. Thank you for your attention.”

Ich lache. Besser keine komplizierten Fragen stellen. Einfach mal genießen MA FRIEND.No Blabla.

Na gut. Eine Frage habe ich: „What’s your name?“,frage ich und nutze dafür ebenfalls ein unsichtbares Mikro damit der Guide mich trotz Motorlärm versteht.

“My name Mr.WADI.“

Cool. Fast so ein guter Name wie der von Mr.Müll. Aber nur fast.

17:20Uhr. Wir knien auf dem Boden auf einer bunten Matte und essen Reis mit Fisch von bunten Plastiktellern.

18:30 Uhr. Die Sonne ist untergegangen und Mr. Wadi sagt: „Everybody go to bed now MA FRIEND.“ Ja. Und dann liege ich plötzlich mit 20 anderen Leuten nur 30 Minuten später auf dem Deck auf meiner Plastikmatte und habe die Pyjamaparty, die ich als Kind immer wollte und zu der ich mindestens 10 dieser Leute niemals eingeladen hätte, weil sie viel zu alt sind.

Neben mir eine Französin namens Audrey , die sich nachmittags noch den Körper mit viel zu heller Makeup-Sonnencreme eingeschmiert hat und daneben der Holländer Marijn, der wirklich ziemlich lustig ist und den Pyjamaparty-Vergleich gezogen hat.

Schlafen, wenn andere von der Arbeit nach Hause kommen oder das beste Fernsehprogramm erst anfängt. Gerade einmal 20 Uhr und ich liege hier und habe keine Ahnung, wann ich schreiend wegrennen darf. Was für ein cooler erster Tag bestehend aus Nichtstun, Essen und Nichtstun. Genau das Richtige für mich.

Nicht.

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