Samstag, 4. November 2017

Titanic Tag 2

Ich muss wieder einmal feststellen, dass die Indonesier solche Organisationstrottel sind. Da schicken sie uns um halb sieben ins Bett und schmeißen um 2 Uhr nachts den Motor an und segeln weiter. Als ob alle in einen solch tiefen Schlafrausch verfallen, dass sie selbst neben einem waschmaschinenähnlichen Sound (ungefähr letzte Minute Schleudergang vor dem Finish) nicht aus ihren besten Träumen von einer heißen Nacht mit Mr.Wadi (No blabla MA FRIEND) aufwachen. Ich liege hier, starre an die Decke und grinse so vor mich hin. Das ist so lustig hier in Indonesien und es zieht sich wie ein roter Faden durch, dass es einfach keine Struktur gibt.
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5:00 Uhr. Mr. Wadi hat schon erfolgreich eine seiner täglich 20 Zigaretten geraucht (eine Packung kostet 1,14€) und ist nun bereit, alle zu wecken. „WAAAAAAKE UP MA FRIENDS.“ 5 Uhr. Der Typ hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Äh…Zähne im Mund. Na gut. Dann stehe ich jetzt auf. Vor mir wartet schließlich ein ganzer Tag Nichtstun und man kann gar nicht früh genug damit anfangen. Also starte ich mit meiner Morgenroutine: Geduscht: Nein. Gewaschen: Nein. In den Spiegel geschaut: Nein. Bikini an. Sonnencreme. Fertig. Neuer Highscore: 2 Minuten. Aber nur, weil ich fürs Gesicht eine andere Sonnencreme benutzt habe und erst Tube Nr.1 schließen musste. Ist das geil. Ich fühle mich wie so ein Penner, der gerade unter der Brücke aufgewacht ist. Nicht einmal halb 6 und ich hab mich innerlich schon 5x kaputtgelacht.
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Soooo. Dreimal dürft ihr raten, was es zum Frühstück gibt.

1.2.3. Ja, richtig. BANANENPFANNKUCHEN uargh. Aber nunja. Besser das als nichts. Ich konnte mich schließlich schon auf dem Vulkan daran gewöhnen, dass das hier neben trockenem Toast mit künstlichen Aprikosengelee ohne Aprikosen das Frühstuck Nummer 1 ist.

Hab ich es erwähnt? Ich hasse Bananen.
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Um 10 halten wir in einer Bucht und gehen über den Strand zu einem Wasserfall und haben etwas Zeit zum Schnorcheln. Mein Magic Moment 1: Als der Holländer, der mit seiner Frau seine Tochter besucht, beim Sprung vom Boot sein Gebiss verloren hat. Ich war schon bereit, nach dem Oberkiefer zu fischen, aber er hat es tatsächlich geschafft, seine Zähne selbst mit einem kescherähnlichen Handschwung wieder einzufangen. Was für ein Reaktionsvermögen!
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Magic Moment Nr. 2: Die Amerikanerin Sally (ich nenne sie auch happy Sally, weil sie eigentlich wirkt als ob sie permanent einen Orgasmus hätte „Oh WOW this is SOOOOO AMAZING!“), hat nach dem Wasserfall einen Splitter in ihrem Fuß. Ich liege auf dem Schlafdeck und beobachte, wie Mr. Wadi seiner geheimen Fähigkeit als Krankenschwester nachgeht und versucht, den Splitter erst mit einer Gabel!!! Und dann mit zwei aneinander gepressten rostigen Nägeln und dann mit einer Pinzette (die ihm Sophie aus Australien gegeben hat) zu entfernen. Happy Sally hat ungefähr eine Stunde geflennt und ich bekomme das Splitter-Gabelbild nicht aus meinem Kopf.
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Magic Moment Nr.3: Der unbekannte Gefährte von Mr.Wadi (übrigens insgesamt 4 weitere Personen auf diesem Boot, deren Funktion ich nicht verstehe…darunter unter anderem eine Frau, die unsere Kühlbox mit den Getränken bewacht und darauf sitzt seitdem wir losgefahren sind) sitzt in der „Küche“ und schneidet seine Fußnägel neben dem Gaskocher. Yes oh yes. Ich freue mich auf das Mittagessen. Kein Wunder, dass ich einfach niemals krank werde.
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Magic Moment Nr.4: Der Belgier (ich schätze mal Ende 30) hat 4 Bier intus und macht eine yogamäßige Kerze auf dem Boot. Na. Warum nicht.

Ich sitze währenddessen auf dem vorderen Teil des Bootes und brutzel ein wenig in der Sonne und quatsche mit einem ziemlich coolen Pärchen (Giuliana und Marco) aus Deutschland. Außerdem lese ich mein Allgemeinwissensbuch.

Dein Ernst, Julia?

Ja, mein Ernst. Mein Allgemeinwissen ist nämlich grottig und wenn ich im Urlaub immer ein bisschen lese, kann ich wenigstens lustige Situationen mit Wissen verknüpfen. Ich lese nämlich gerade den Abschnitt „Biologie“. Beispiel: Etwa 15.000 unentdeckte Tierarten auf diesem Planeten und ich frage mich ernsthaft, was für eine neue Spezies Mr.Wadi gerade in dem Biotop in seiner Hose heranzüchtet, die er seit unserer Abreise trägt. Seht ihr. So einfach ist das. Wieder mal ein bisschen Wissen erfolgreich gespeichert.
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Nach einem wirklich schönen Sonnenuntergang (wirklich!) und mehreren Stunden in der Sonne bin ich so tiefenentspannt wie nach einer 10 stündigen Massage. Mie Nudeln mit Gemüse als Dinner und dann huschhusch ab ins Bett. Ist ja schon 19 Uhr!!!

Kommen wir mal zurück zu dieser Bewertung des Mädchens „Dieser Trip war einfach der Horror…“. Vielleicht ist die zweite Nacht die Nacht, in der man das Ganze etwas nachvollziehen kann. Stellt euch vor, ihr sollt in einer Achterbahn schlafen während im Hintergrund eine Straße aufgerissen wird. Oder einfach Waschmaschinenschleudergang Part 2. Ich liege auf dem Boot und frage mich, wann wir endlich untergehen und habe erst tatsächlich Angst und finde es dann plötzlich wieder so absurd, dass Marijn und ich nur noch lachen. Marijn hält mir im 10-Minuten-Abstand Googlemaps unter die Nase und zeigt mir, wie sich unser Boot auf dem Handy im Schneckentempo fortbewegt und in der Realität dem sicheren Untergang entgegensteuert. Ich teste ein paar verschiedene Liegepositionen und rolle dabei ein bisschen über mehrere Matten während meine Wasserflasche durch den Raum fliegt. Und auf dem Handy suche ich schon mal meine Titanicmusik und singe zwischendurch immer wieder „Neeeeeeear….far….wherever you are…(einen Song, den ich von ganzem Herzen unserer Zielinsel widme).
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Magic Moment Nr.5: Ich klettere vom Decke und schwanke Richtung Toilette. Als ich an der Küche vorbeikomme, sitzt da Mr. Nagelknipser und hängt seelenruhig über einem blubbernden Kochtopf mit Wasser und fragt mich „You like mie?????“ Ich antworte verwirrt „Häää?“ und laufe weiter. Dann zieht er eine Packung Mie-Nudeln aus dem Regal und hält mir das Paket unter die Nase. Toller Flachwitz und großartig zugleich. Ich könnte mir nämlich gerade nix Besseres vorstellen, als kurz vor dem Untergang noch ein paar rohe Mienudeln zu knabbern. Also schnappe ich mir das Paket und klettere lachen zurück aufs Schlafdeck.











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