„Why are you traveling to Dubai?“, fragt mich der Zollbeamte an der Passkontrolle, als ich in Amsterdam ankomme. Ich überlege kurz, ob ich es mit „weil ich mir bei 45 Grad die Sonne auf den Arsch scheinen lassen will“ probieren soll.
Aber ich weiß inzwischen zum Glück, dass nicht jeder meinen Humor versteht. Der Typ von der Corona-Teststation am Bremer Flughafen zum Beispiel. Dem habe ich gesagt, er soll meine Hirnzellen nur ganz sanft streicheln und er fand es gar nicht lustig. „Es ist mein erster Coronatest - bitte begrüßen Sie meine Hirnzellen mit ihrem Teststab!“. Soll mal einer sagen, dass das nicht witzig sei. Aber er hatte einfach keinen Humor oder anders formuliert: Er hat die typisch-deutsche Mentalität mit einem Suppenlöffel gefrühstückt. „Kopf zurück, Mund auf. Keine Sprüche“, hat er gesagt.
„Ok, ok, Mister. Lets get serious“ dachte ich dann. Ich wusste ja nicht, dass P-C-R für „Persönlicher-Charakter-Reaktionstest“ steht und hier im Zweifel Zurückhaltung und Seriosität gefragt sind damit das Testergebnis stimmt. Na wenn das so ist: Bitte rammen Sie mir den Stab so weit in den Hals, dass wenigstens mein Essen hochkommt, um Sie an diesem Tag unlustig zu begrüßen.
Aber egal. Der Persönliche-Charakter-Reaktionstest war im Endeffekt natürlich negativ. Kein Wunder bei so einem stocksteifen Typen.
Also stehe ich jetzt hier an der Passkontrolle und sage „ich reise nach Dubai, weil ich aus Deutschland flüchten möchte“. Nicht die volle Ausschöpfung meines Humorpotenzials, aber immerhin eine Annäherung.
Der Mann lacht.
Puh. Er versteht es und denkt jetzt nicht, dass ich Julia Marsalek auf der Flucht von Deutschland nach Dubai bin und er lieber direkt die Polizei einschalten sollte. „Kann ich mitkommen?“, fragt er und grinst mich mit seinem Colgate-Lächeln an. „Ich kann dich echt gut verstehen, dass du Deutschland verlassen möchtest“, fügt er hinzu.
Perfekt. Wenigstens einer, der das kann.
Aber hey…ich spule mal ein wenig zurück.
Es ist Samstag, der 13. März, 11 Uhr und Julia hat Flausen im Kopf. Oder auch: Julia hat den spontanen Einfall, ihr Extrazimmer in Julia’s magic guersthouse zu verwandeln damit etwas Leben in die Bude kommt.
Ich tippe „Bett“ in die Ebay-Kleinanzeigen-Suche ein. Und tadaa…da ist es auch schon. Das Bett, dass mich meiner Karriere als Vermieter näherbringen wird.
Um 15 Uhr kann ich es abholen. Perfekt. „Ich nehme es“, tippe ich und ignoriere dabei einfach mal, dass mein 15-Uhr-Transportmobil ein zweitüriger Hyundai Getz ist. Wird schon passen. Und falls nicht, dann…Dann nix. Es wird passen.
Mit der Bettrückwand und den Schubladen im Kofferraum und Latten, die vom Kofferraum bis an die Windschutzscheibe reichen, fahre ich um 15:10 Uhr glücklich zurück nach Hause. Ich hoffe, dass jetzt weder mein Airbag explodiert, noch die Polizei mich für eine spontane Kontrolle anhält und mich fragt, warum ich mit einem 1,20 x 2,00 m-Bett in einem Schuhkarton herumdüse. Aber nix passiert. Keine Polizei, kein Luftsack im Gesicht.
Dafür ein Schnapper-Bett für 50 €. Von einem Typen, der sogar bei Zurbrüggen arbeitet und dem ich im Zweifel telefonisch solange auf den Sack gehen kann, bis das Ding steht. Jackpot, Julia.
Fehlt nur noch die Matratze. Also nochmal zurück zu Ebay. „Matratze, 2 Monate alt, mit 2 Jahren Garantie und Allergikerschutzhülle“.
Nicht lang schnacken, Matratze in‘ Nacken.
Nach diesem Motto fahre ich um 22 Uhr mit meinem kleinen Transportmobil nach Lilienthal als das Bett bereits aufgebaut ist.
Sabrina ist ein eine typische Alman-Anette. Als ich sie sehe, verstehe ich, warum sie alle Unterlagen feinsäuberlich in einem Ordner abgeheftet und sich beim orthopädischen Matratzengeschäft noch eine Allergiker-Schutzhülle andrehen lassen hat. Dass sie die Matratze jetzt nach nur 2 Monaten Keller verkauft hat, ist und bleibt ihr Highlight bis zum Ende der Pandemie.
„Und du möchtest die Matratze tatsächlich jetzt direkt mitnehmen? Ich bin ganz überrascht. Ich dachte, du wolltest sie vielleicht zunächst ansehen und probeliegen“, begrüßt sie mich.
Na klar, Sabrina. Ich fahre am Samstagabend von Bremen nach Lilienthal, um mir eine Matratze nur anzusehen. Lilienthal ist immerhin schon Niedersachen. Ich bitte dich. Stattdessen liege ich jetzt hier um 22 Uhr auf dem Kellerboden meine Matratze probe während Sabrina und ihr Vater (ein rüstiger Rentner mit schrägem Humor) mich begutachten. Das wollte ich schon immer mal machen: Eine Matratze auf dem Kellerboden probeliegen.
Anschließend schleppen er (ich nenne ihn mal Herbert) und Sabrina meine orthopädische Matratze mit Allergikerschutzhülle die Kellertreppe hoch. Ich bete, dass Herbert dabei keinen Knochenbruch erleidet, weil sich die Matratze, die Sabrina soeben mit Weihnachtsgeschenkband zusammengebunden hat, sich auf der Mitte der Treppe entscheidet, stärker als das rote Plastikband zu sein. Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon, wie Herbert zurück in den Keller katapultiert wird und wähle in Gedanken schon mal die 1-1-2.
Das Geschenkband hält, was es halten soll und ich bin nun stolze Besitzerin der erst 2 Monate alten Matratze mit Allergikerbezug (ganz ganz wichtig), die mit 1,20 m dann doch etwas zu klein für Sabrina und ihre neue Liebschaft war. Bei 60 cm pro Person kommt man sich vermutlich auch schneller nah, als es Herbert lieb ist.
Als ich zuhause ankomme, verspüre ich Zufriedenheit. Ich habe es geschafft, in nur 10 h mein Zimmer in ein Schlafzimmer zu verwandeln. Soll mal einer sagen, dass ich im zweiten Leben nicht auch als Monteur bei Ikea durchstarten könnte.
Fehlt jetzt nur noch der passende Mitbewohner für Julia's magic guesthouse.
Ich liebe es :)
AntwortenLöschenSuperlustige Story😂
AntwortenLöschenSehr geehrte Frau Bonk,
AntwortenLöschendie Geschichte kann man gut lesen.
Reisecomedy vom aller feinsten.
Gruß aus Niedersachsen