Ursprünglich wollte ich nur 5 Wochen mit Holger, Tobi und Steffen reisen, die seit Juni in Perth ein Auslandssemester machen. Ich erinnere mich noch an den Moment, an dem ich im April den Flug mit ihnen zusammen im Reisebüro in Osnabrück buchte. Endlose Diskussionen, Unsicherheit und vor allem Unentschlossenheit. Ergebnis: am 15. 11. von Düsseldorf nach Dubai, von dort aus nach Melbourne. Zurück am 21.12. über Dubai, dort 2 Tage verbringen und dann - pünktlich zu Weihnachten - zurück nach Deutschland.
Schon im April fühlte sich das alles irgendwie falsch an, dass ich tatsächlich einen Flug für „nur“ 5 Wochen gebucht hatte. Die einzig wichtige Frage, die mir auch damals schon durch den Kopf schwirrte, war, ob eine Umbuchung möglich sei und wenn ja, wie. Mir war auch damals schon bewusst, dass mich 5 Wochen nicht vollkommen zufrieden machen würden, aber ich wusste auch angesichts der hohen Kosten nicht, wie ich es überhaupt auch nur einen Tag länger finanzieren sollte. Ich hatte schließlich in den letzten 3 Jahren als Studentin nur begrenzte Möglichkeiten, zu sparen. Ich habe zwar immer nebenbei gearbeitet, ein Tutorium geleitet und Nachhilfe gegeben, aber dennoch nie soviel zurücklegen können als dass ich mir ein halbes Jahr im Ausland einfach so hätte leisten können. Also buchte ich den Flug, gab mich zunächst mit der Entscheidung zufrieden und legte das Ticket in den Schrank.
Ich wurde allerdings das Gefühl nicht los, dass ich einfach mehr wollte. Ich recherchierte im Internet nach Möglichkeiten, bestellte Praktikawelten-Kataloge, forderte Aupair-Materialien an und machte mir Gedanken über Cherry-Picking und Babysitting. Da ich allerdings keine weiteren 600€ für eine Organisation investieren wollte, beschloss ich, das Ganze selbst in die Hand zu nehmen. Ich erstellte mir ein Profil auf der Seite aupairworld.net, die eine Kontaktbörse für Aupairs und Familien auf der ganzen Welt ist. Kein Matchingverfahren, keine festgelegten Stunden- und Tagessätze, sondern völlige Selbstorganisation. Ich hatte wenig Hoffnung, dass sich auf diese Weise tatsächlich etwas ergeben würde, aber gab der Sache eine Chance. Ich schrieb monatelang E-Mails, skypte und telefonierte mit verschiedenen Familien, aber fand einfach keine passende. Entweder zu viele Kinder, Rund-um-die-Uhr-Babysitting für 2$ pro Stunde, Nanny- und Putzfrauenersatz, zu viele Haustiere oder einfach fehlende Sympathie.
Bis zu dem Samstag, an dem plötzlich unerwartet mein Handy klingelte und mich Lisa anrief. Ich hatte vorher schon ein paar E-Mails mit ihr ausgetauscht, aber keine weitere Antwort erhalten. Sie fragte mich, ob ich Zeit für ein Gespräch hätte und dann skypten wir spontan eine ganze Stunde. Lisa (34) und Owen (36) waren mir auf Anhieb sympathisch („We are a fun loving family looking for a fun loving aupair”). 2 zuckersüße Kinder (2+3 Jahre alt) und ein Häuschen in Melbourne (Yarraville) :-)
Lisa und Owen erzählten mir viel über sich und stellten mir viele Fragen. Nach dem Gespräch erhielt ich dann eine Mail, in der mir Lisa schrieb, ich würde gut in die Familie passen und sie könnte sich gut vorstellen, mich als Aupair aufzunehmen. Einziger Kritikpunkt: Sie suchten jemanden ab Mitte November und ich würde erst ab Mitte Dezember in die Familie kommen können. Wir schrieben hin und her und Lisa sagte mir immer wieder, sie sei „a little worried“ in Bezug auf meine Planung. Ich schlug dann vor, ein halbes Jahr statt der ursprünglich geplanten 4 Monate zu bleiben; ließ mich allerdings nicht dazu überreden, früher zu starten. Ich erklärte ihr, wie wichtig es mir sei, meine Freunde zu treffen und dass ich es gleichzeitig schade fände, wenn es an diesen 3 Wochen scheitern würde. Sie verstand mich und sagte mir daraufhin fest zu.
Ich hatte nach monatelanger Sucherei endlich eine Familie gefunden!
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In den nachfolgenden Wochen kümmerte ich mich um die weitere Reiseplanung. Wir organisierten uns ein Wohnmobil für unsere Reise an der Ostküste, ich deckte mich mit Sommerkleidung ein, besorgte mir einen Reisepass, eine Kreditkarte und ein Visum, ließ mich impfen und machte mir Gedanken über eine Auslands-Krankenversichung, sprach mit meiner Professorin über den Termin für das Kolloquium, gab noch ein wenig Nachhilfe im Modul "Kommunikation", schrieb ab Juli nebenbei meine Bachelorarbeit, korrigierte andere Bachelorarbeiten und Assignments, arbeitete eine Woche auf der Anuga und ging arbeiten.
STRESS!
...aber es hat sich gelohnt! Ich bin jetzt da, wo ich immer hinwollte und das macht mich unglaublich glücklich, dass ich das alles geschafft habe!
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