Samstag, 9. Juni 2012

Australien tut mir gut...


...und ich habe realisiert, dass ich mich hier schon unglaublich veraendert hab. Gestern hat es den ganzen Tag geregnet (gut fuer unsere Zucchinis ! J ) und ich habe meinen gesamten Blog noch einmal gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich nicht mehr die Julia bin, die ich war, als ich in Australien angekommen bin. Waehrend ich anfaenglich die Sicherheit als Aupair genossen habe und mir nicht vorstellen konnte, als Backpacker durch Australien zu reisen, koennte ich mir inzwischen nicht mehr vorstellen, noch einmal Aupair zu sein - auch wenn meine Zeit in Melbourne eine unvergesslich schoene Zeit war. Fuer meinen Start in Australien war es gut, in einer australischen Familie zu leben. Ich war finanziell abgesichert, hatte ein Dach ueber dem Kopf und musste mir ueber Verpflegung keine Gedanken machen. Durch mein Leben bei Owen und Lisa konnte ich mein Englisch verbessern und dabei die australische Mentalitaet kennen lernen. Ich war Teil einer australischen Familie und es haette keinen besseren Weg gegeben, um herauszufinden, wie sich das Leben der Australier von dem der Deutschen unterscheidet. Ich konnte einen Einblick in den australischen Lebensalltag erhalten, Freundschaften schliessen und mir einen guten Ueberblick darueber verschaffen, wie man in Australien von A nach B kommt, Kontakte knuepft und einen Job findet. Waehrenddessen bin ich viel selbstbewusster und selbststaendiger geworden und habe zum ersten Mal nach langer Zeit wirklich relaxen und das Leben ohne grossartige Verpflichtungen geniessen koennen. Darueber hinaus habe ich genug Geld verdient, um die gesamte Ostkueste zu erkunden und dabei eine Menge Dinge zu erleben, die ich schon immer einmal machen wollte: Skydiven, Bungyjumpen, Tauchen im Great Barrier Reef, Kamelreiten am Strand, Motorbikefahren in Agnes Water, Schnorcheln, Segeln in den Whitsundays, Koala-Knuddeln und Kaengurufuettern.

Nachdem ich im April alleine fuer eine Woche gereist bin(was ich mir selbst nie zugetraut haette) habe ich festgestellt, dass ich inzwischen einen Grossteil meiner anfaenglichen Angst und Schuechternheit verloren habe und bereit fuer ein ganz neues Abenteuer bin. Ich habe die Sicherheit, die ich durch mein Leben bei Owen und Lisa hatte, durch die voellige Unsicherheit eingetauscht und habe mein Aupairdasein von heute auf morgen aufgegeben, um nun fuer weitere 6 Monate ein ganz anderes Leben zu fuehren und Australien von einer weniger touristischen Seite kennen zu lernen. Dabei musste ich meine Angst vor dem Unbekannten immer wieder ignorieren, mich selbst beruhigen und kann mehr als froh sein, auf meinem Weg eine riesige Portion Glueck gehabt zu haben, auch wenn ich in so einigen Momenten misstrauisch war und mir besonders in den letzten Wochen der Blick auf mein australisches Konto Angst gemacht hat. Ich habe die Angst vor dem Alleinsein fast vollstaendig verloren. Ich denke inzwischen, dass man sich haeufig selbst viel zu sehr im Wege steht und ueber seinen eigenen Schatten springen muss, um ans Ziel zu gelangen und habe vor allem fuer mich persoenlich festgestellt, dass es gut ist, einen Schritt ins Ungewisse zu wagen. Waere ich nicht nach Australien geflogen, haette ich mich das alles nie getraut, was ich nun mache. Wenn ich hier auch fachlich nicht viel dazugelernt habe, denke ich, dass ich mich persoenlich unglaublich weiterentwickelt habe und mittlerweile ganz anders mit Problemen oder unerwarteten Ereignissen umgehe. Und ich habe realisiert, dass das Leben viel zu kostbar ist, um in Situationen, in denen man ungluecklich ist, zu verharren, nur weil sie einem das Gefuehl von „Sicherheit“ und „Gewohnheit“ geben oder mich aufzuregen, wenn ich etwas aendern kann. 

Seitdem ich hier bin, bin ich sozusagen zum ersten mal in meinem Leben wirklich bedingungslos gluecklich. Ich erwarte nichts und kann daher auch nicht mehr enttaeuscht werden. Da ich momentan mit sehr wenig auskommen muss und ohnehin nicht weiss, wo mich mein Weg hinfuehrt, lasse ich einfach alles auf mich zukommen und freue mich ueber die Kleinigkeiten, die das Leben zu bieten hat und die ich erst zu schaetzen weiss, seitdem mir die Sicherheit fehlt, die mir eine australische Familie gegeben hat. Mein Leben ist momentan ein Ueberraschungsei und ich bin gespannt, was in den kommenden Monaten als Backpacker noch alles auf mich zukommt J







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