...und ich habe realisiert, dass ich
mich hier schon unglaublich veraendert hab. Gestern hat es den ganzen Tag
geregnet (gut fuer unsere Zucchinis ! J )
und ich habe meinen gesamten Blog noch einmal gelesen. Dabei ist mir
aufgefallen, dass ich nicht mehr die Julia bin, die ich war, als ich in
Australien angekommen bin. Waehrend ich anfaenglich die Sicherheit als Aupair
genossen habe und mir nicht vorstellen konnte, als Backpacker durch Australien
zu reisen, koennte ich mir inzwischen nicht mehr vorstellen, noch einmal Aupair
zu sein - auch wenn meine Zeit in Melbourne eine unvergesslich schoene Zeit
war. Fuer meinen Start in Australien war es gut, in einer australischen Familie
zu leben. Ich war finanziell abgesichert, hatte ein Dach ueber dem Kopf und
musste mir ueber Verpflegung keine Gedanken machen. Durch mein Leben bei Owen
und Lisa konnte ich mein Englisch verbessern und dabei die australische
Mentalitaet kennen lernen. Ich war Teil einer australischen Familie und es
haette keinen besseren Weg gegeben, um herauszufinden, wie sich das Leben der
Australier von dem der Deutschen unterscheidet. Ich konnte einen Einblick in
den australischen Lebensalltag erhalten, Freundschaften schliessen und mir
einen guten Ueberblick darueber verschaffen, wie man in Australien von A nach B
kommt, Kontakte knuepft und einen Job findet. Waehrenddessen bin ich viel selbstbewusster
und selbststaendiger geworden und habe zum ersten Mal nach langer Zeit wirklich
relaxen und das Leben ohne grossartige Verpflichtungen geniessen koennen. Darueber
hinaus habe ich genug Geld verdient, um die gesamte Ostkueste zu erkunden und
dabei eine Menge Dinge zu erleben, die ich schon immer einmal machen wollte:
Skydiven, Bungyjumpen, Tauchen im Great Barrier Reef, Kamelreiten am Strand,
Motorbikefahren in Agnes Water, Schnorcheln, Segeln in den Whitsundays,
Koala-Knuddeln und Kaengurufuettern.
Nachdem ich im April alleine fuer eine Woche gereist bin(was
ich mir selbst nie zugetraut haette) habe ich festgestellt, dass ich inzwischen
einen Grossteil meiner anfaenglichen Angst und Schuechternheit verloren habe
und bereit fuer ein ganz neues Abenteuer bin. Ich habe die Sicherheit, die ich
durch mein Leben bei Owen und Lisa hatte, durch die voellige Unsicherheit
eingetauscht und habe mein Aupairdasein von heute auf morgen aufgegeben, um nun
fuer weitere 6 Monate ein ganz anderes Leben zu fuehren und Australien von
einer weniger touristischen Seite kennen zu lernen. Dabei musste ich meine
Angst vor dem Unbekannten immer wieder ignorieren, mich selbst beruhigen und
kann mehr als froh sein, auf meinem Weg eine riesige Portion Glueck gehabt zu
haben, auch wenn ich in so einigen Momenten misstrauisch war und mir besonders
in den letzten Wochen der Blick auf mein australisches Konto Angst gemacht hat.
Ich habe die Angst vor dem Alleinsein fast vollstaendig verloren. Ich denke
inzwischen, dass man sich haeufig selbst viel zu sehr im Wege steht und ueber
seinen eigenen Schatten springen muss, um ans Ziel zu gelangen und habe vor
allem fuer mich persoenlich festgestellt, dass es gut ist, einen Schritt ins
Ungewisse zu wagen. Waere ich nicht nach Australien geflogen, haette ich mich
das alles nie getraut, was ich nun mache. Wenn ich hier auch fachlich nicht
viel dazugelernt habe, denke ich, dass ich mich persoenlich unglaublich
weiterentwickelt habe und mittlerweile ganz anders mit Problemen oder
unerwarteten Ereignissen umgehe. Und ich habe realisiert, dass das Leben viel
zu kostbar ist, um in Situationen, in denen man ungluecklich ist, zu verharren,
nur weil sie einem das Gefuehl von „Sicherheit“ und „Gewohnheit“ geben oder mich
aufzuregen, wenn ich etwas aendern kann.
Seitdem ich hier bin, bin ich sozusagen
zum ersten mal in meinem Leben wirklich bedingungslos gluecklich. Ich erwarte
nichts und kann daher auch nicht mehr enttaeuscht werden. Da ich momentan mit
sehr wenig auskommen muss und ohnehin nicht weiss, wo mich mein Weg hinfuehrt,
lasse ich einfach alles auf mich zukommen und freue mich ueber die Kleinigkeiten,
die das Leben zu bieten hat und die ich erst zu schaetzen weiss, seitdem mir
die Sicherheit fehlt, die mir eine australische Familie gegeben hat. Mein Leben
ist momentan ein Ueberraschungsei und ich bin gespannt, was in den kommenden
Monaten als Backpacker noch alles auf mich zukommt J
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