Freitag, 1. Juni 2012

Unsere ersten Tage als "richtige" Backpacker


Am ersten Tag sind wir fast ausschliesslich gefahren und am Abend in Cervantes in der Naehe des „Pinnacles Desert“ auf einen Campingplatz geblieben, weil wir zunaechst testen wollten, wie viel Platz im Auto ist bevor wir anfangen, irgendwo zu campen. Anders als erwartet konnten wir unsere ganzen Sachen tatsaechlich auf den Vordersitzen unterbringen sodass im restlichen Teil des Wagens genug Platz zum Schlafen war. Am naechsten Tag haben wir dann einen Stop beim „Pinnacles Desert“ eingelegt und sind nach Geraldton gefahren. Mit dem Wissen, dass Freecamping in vielen Regionen Australiens verboten ist und bestraft wird, haben wir unser Auto auf einem Rastplatz am Meer geparkt und gehofft, dass es dort erlaubt ist (es war nirgendwo ein Verbotsschild aufgestellt) bzw. uns kein Ranger kontrolliert. Auf einem normalen Campingplatz zahlt man mindestens 30$ pro Nacht…


Am Morgen wurden wir dann tatsaechlich von einem Ranger geweckt. Entgegengesetzt unserer Befuerchtung, eine Strafe in Hoehe von 200$ zu erhalten, war der Ranger -typisch Australien-  ueberraschend freundlich und hilfreich und hat uns schon im zweiten Satz wissen lassen, dass er uns keine Strafe geben wird. Mein Glueck in Australien hat mich also noch nicht verlassen J Der Ranger hat uns mitgeteilt, dass Free-Camping natuerlich auch in Western Australia verboten ist, er aber selbst einmal Backpacker in Europa war und dasselbe getan hat. Er hat uns daher nicht nur vor einer Strafe bewahrt, sondern uns sogar nuetzliche Tipps gegeben, wie wir trotz illegalem Freecamping beim naechsten Mal wieder einer Strafe entgehen, falls uns ein Kollege von ihm begegnet. Fuer alle Neugierigen hier die Tipps eines backpackerfreundlichen Rangers, der seinen Kollegen eigentlich ganz schoen in den Ruecken faellt ;-)

1.    sagen Sie, dass Sie nachts angekommen sind und die Rezeption bei allen Caravan-Parks schon geschlossen war
2.    sagen Sie, dass Sie zu muede fuer eine Weiterfahrt waren (die australische Polizei warnt ueberall vor den Gefahren von Muedigkeit am Steuer); sagen Sie, dass Ihnen die Polizei diese Empfehlung auf Nachfrage gegeben hat
3.    zeigen Sie Rangern niemals Ihren Ausweis (denn sie sind nicht berechtigt, diesen einzusehen)
4.    Sie muessen lediglich Ihren Namen und Ihre Adresse angeben (denken Sie sich einen Namen aus…ohne Ausweis fehlt jeglicher Beweis!)
5.    die Arbeitszeit der Ranger beginnt morgens um 6; fahren Sie einfach kurz vorher ab, wenn Sie ganz sicher gehen moechten

Weiterhin hat uns der Ranger nuetzliche Reisetipps und Orte fuer Farmwork genannt sowie noch eine tolle Weiterreise gewuenscht. PUH. Wieder einmal extrem Glueck gehabt UND zusaetzlich noch nuetzliche Infos erhalten   ;-)

Anschliessend sind wir auf Empfehlung des Rangers sofort zu einem Arbeitsvermittlungscenter gefahren, um uns schon jetzt nach Farmwork zu erkundigen. In Geraldton selbst gab es wenig Aussicht auf einen Job, aber die Australierin, die uns and der Rezeption Auskunft gegeben hat, hat uns direkt bei sich zuhause Unterkunft angeboten sowie ihre Telefonnummer gegeben, falls wir noch einen Tag vor Ort bleiben oder einfach zum kostenlosen Duschen vorbeikommen wollen. Soetwas wuerde in Deutschland nie passieren. Die australischen Mentalitaet ist einfach anders und manchmal faellt es mir trotz der 6 Monate, die ich schon in Australien bin, schwer, das alles zu glauben.

Gegen Nachmittag sind wir dann weitergefahren Richtung Carnarvon und haben auf dem Weg bei vielen Informationszentren, Tankstellen und Farmen nach Arbeit gefragt. In einem kleinen Ort namens Northampton haben wir dann im Infozentrum 3 Telefonnummern und direkt beim zweiten Anruf ein Angebot fuer Fruitpicking erhalten. Zucchiniernte, 16$ pro Stunde Festgehalt, Arbeitsbeginn in spaetestens 2 Wochen. Relativ gutes Angebot. Da der Arbeitsbeginn erst in 1-2 Wochen waere, schauen wir uns in den naechsten Tagen in der Umgebung einfach noch ein wenig nach Alternativen um und nehmen das Angebot auf jeden Fall an, wenn sich nicht zufaelligerweise eine fruehere oder bessere Arbeitsmoeglichkeit ergibt. Ich bin auf jeden Fall froh, ein bisschen „Jobsicherheit“ zu haben, denn mir geht so langsam echt das Geld aus auch wenn ich extrem sparsam lebe...

Heute sind wir dann nach Kalbarri gefahren, um uns ein wenig den Ort anzuschauen und fischen zu gehen. Hier hat sich wieder mal eine Aneinanderreihung gluecklicher Zufaelle ergeben J

In Kalbarri findet an diesem Wochenende ein „Festival“ statt und als wir uns mittags ein bisschen Fleisch auf einer der Bbq-Platten gegrillt haben, konnten wir mehrere Maenner beim Aufbauen der Zelte im Park um uns herum beobachten. Da wir ohnehin keine Plaene haben und bis zum Beginn der Zucchiniernte etwas Zeit vertroedeln, bin ich auf die Idee gekommen, einfach ein bisschen Freiwilligenarbeit zu leisten anstatt in den naechsten Tagen nur herumzusitzen. Ich habe mich einfach bei den Maennern vorgestellt und gefragt, ob wir in irgendeiner Weise in den naechsten Tagen aushelfen koennen, weil wir viel Zeit und Lust zu arbeiten und helfen haben. Die Maenner haben sich total gefreut (ich werde eventuell morgen in einem Fischkostuem herumrennen und Kinder bespassen ^^) und haben uns direkt angeboten, in einem der Zelte ueber Nacht zu campen („You can be our security staff for the night and look after the tents“) sodass wir uns nicht einmal mehr darueber Gedanken machen mussten, wo wir heute campen und nun direkt am Meer bleiben koennen wo Campen auf jeden Fall verboten ist. Einer der Maenner hat uns ausserdem direkt eine Telefonnummer eines Farmers versprochen, wir wurden abends auf ein Bier und zum Quatschen in der Taverne eingeladen und haben darueber hinaus noch erfahren, dass auf dem Festival Farmer Obst verkaufen werden, die wir direkt ansprechen und nach Farmwork fragen koennen:

…ich sag doch, dass ich Lotto spielen sollte soviel Glueck wie ich hier immer habe!

(„You’re not lucky. It is your behaviour which makes things happen as they do right now“, sagte einer der Maenner als ich ihm sagte, wie viel Glueck ich in Australien schon gehabt haette ;-) )

Wieder einmal ein schoener „typisch australischer“ Tag, Superwetter und viele neue Kontakte, die uns nicht nur bei der Suche nach Farmwork weiterhelfen. sondern auch mein kleines Spinnennetz von Kontakten in Australien und auf der ganzen Welt erweitern. 

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