Am ersten Tag sind wir fast ausschliesslich gefahren und
am Abend in Cervantes in der Naehe des „Pinnacles Desert“ auf einen
Campingplatz geblieben, weil wir zunaechst testen wollten, wie viel Platz im
Auto ist bevor wir anfangen, irgendwo zu campen. Anders als erwartet konnten
wir unsere ganzen Sachen tatsaechlich auf den Vordersitzen unterbringen sodass
im restlichen Teil des Wagens genug Platz zum Schlafen war. Am naechsten Tag
haben wir dann einen Stop beim „Pinnacles Desert“ eingelegt und sind nach
Geraldton gefahren. Mit dem Wissen, dass Freecamping in vielen Regionen
Australiens verboten ist und bestraft wird, haben wir unser Auto auf einem
Rastplatz am Meer geparkt und gehofft, dass es dort erlaubt ist (es war
nirgendwo ein Verbotsschild aufgestellt) bzw. uns kein Ranger kontrolliert. Auf
einem normalen Campingplatz zahlt man mindestens 30$ pro Nacht…
Am Morgen wurden wir dann tatsaechlich von einem Ranger
geweckt. Entgegengesetzt unserer Befuerchtung, eine Strafe in Hoehe von 200$ zu
erhalten, war der Ranger -typisch Australien- ueberraschend freundlich und hilfreich und hat
uns schon im zweiten Satz wissen lassen, dass er uns keine Strafe geben wird.
Mein Glueck in Australien hat mich also noch nicht verlassen J Der Ranger hat uns
mitgeteilt, dass Free-Camping natuerlich auch in Western Australia verboten
ist, er aber selbst einmal Backpacker in Europa war und dasselbe getan hat. Er
hat uns daher nicht nur vor einer Strafe bewahrt, sondern uns sogar nuetzliche
Tipps gegeben, wie wir trotz illegalem Freecamping beim naechsten Mal wieder
einer Strafe entgehen, falls uns ein Kollege von ihm begegnet. Fuer alle
Neugierigen hier die Tipps eines backpackerfreundlichen Rangers, der seinen
Kollegen eigentlich ganz schoen in den Ruecken faellt ;-)
1. sagen
Sie, dass Sie nachts angekommen sind und die Rezeption bei allen Caravan-Parks
schon geschlossen war
2. sagen
Sie, dass Sie zu muede fuer eine Weiterfahrt waren (die australische Polizei
warnt ueberall vor den Gefahren von Muedigkeit am Steuer); sagen Sie, dass
Ihnen die Polizei diese Empfehlung auf Nachfrage gegeben hat
3. zeigen
Sie Rangern niemals Ihren Ausweis (denn sie sind nicht berechtigt, diesen
einzusehen)
4. Sie
muessen lediglich Ihren Namen und Ihre Adresse angeben (denken Sie sich einen Namen
aus…ohne Ausweis fehlt jeglicher Beweis!)
5. die
Arbeitszeit der Ranger beginnt morgens um 6; fahren Sie einfach kurz vorher ab,
wenn Sie ganz sicher gehen moechten
Weiterhin hat uns der Ranger nuetzliche Reisetipps und
Orte fuer Farmwork genannt sowie noch eine tolle Weiterreise gewuenscht. PUH.
Wieder einmal extrem Glueck gehabt UND zusaetzlich noch nuetzliche Infos
erhalten ;-)
Anschliessend sind wir auf Empfehlung des Rangers sofort zu
einem Arbeitsvermittlungscenter gefahren, um uns schon jetzt nach Farmwork zu
erkundigen. In Geraldton selbst gab es wenig Aussicht auf einen Job, aber die
Australierin, die uns and der Rezeption Auskunft gegeben hat, hat uns direkt
bei sich zuhause Unterkunft angeboten sowie ihre Telefonnummer gegeben, falls
wir noch einen Tag vor Ort bleiben oder einfach zum kostenlosen Duschen
vorbeikommen wollen. Soetwas wuerde in Deutschland nie passieren. Die
australischen Mentalitaet ist einfach anders und manchmal faellt es mir trotz
der 6 Monate, die ich schon in Australien bin, schwer, das alles zu glauben.
Gegen Nachmittag sind wir dann weitergefahren Richtung
Carnarvon und haben auf dem Weg bei vielen Informationszentren, Tankstellen und
Farmen nach Arbeit gefragt. In einem kleinen Ort namens Northampton haben wir
dann im Infozentrum 3 Telefonnummern und direkt beim zweiten Anruf ein Angebot
fuer Fruitpicking erhalten. Zucchiniernte, 16$ pro Stunde Festgehalt,
Arbeitsbeginn in spaetestens 2 Wochen. Relativ gutes Angebot. Da der
Arbeitsbeginn erst in 1-2 Wochen waere, schauen wir uns in den naechsten Tagen in
der Umgebung einfach noch ein wenig nach Alternativen um und nehmen das Angebot
auf jeden Fall an, wenn sich nicht zufaelligerweise eine fruehere oder bessere Arbeitsmoeglichkeit
ergibt. Ich bin auf jeden Fall froh, ein bisschen „Jobsicherheit“ zu haben,
denn mir geht so langsam echt das Geld aus auch wenn ich extrem sparsam lebe...
Heute sind wir dann nach Kalbarri gefahren, um uns ein
wenig den Ort anzuschauen und fischen zu gehen. Hier hat sich wieder mal eine
Aneinanderreihung gluecklicher Zufaelle ergeben J
In Kalbarri findet an diesem Wochenende ein „Festival“
statt und als wir uns mittags ein bisschen Fleisch auf einer der Bbq-Platten
gegrillt haben, konnten wir mehrere Maenner beim Aufbauen der Zelte im Park um
uns herum beobachten. Da wir ohnehin keine Plaene haben und bis zum Beginn der
Zucchiniernte etwas Zeit vertroedeln, bin ich auf die Idee gekommen, einfach
ein bisschen Freiwilligenarbeit zu leisten anstatt in den naechsten Tagen nur
herumzusitzen. Ich habe mich einfach bei den Maennern vorgestellt und gefragt,
ob wir in irgendeiner Weise in den naechsten Tagen aushelfen koennen, weil wir
viel Zeit und Lust zu arbeiten und helfen haben. Die Maenner haben sich total
gefreut (ich werde eventuell morgen in einem Fischkostuem herumrennen und
Kinder bespassen ^^) und haben uns direkt angeboten, in einem der Zelte ueber
Nacht zu campen („You can be our security staff for the night and look after
the tents“) sodass wir uns nicht einmal mehr darueber Gedanken machen mussten,
wo wir heute campen und nun direkt am Meer bleiben koennen wo Campen auf jeden
Fall verboten ist. Einer der Maenner hat uns ausserdem direkt eine
Telefonnummer eines Farmers versprochen, wir wurden abends auf ein Bier und zum
Quatschen in der Taverne eingeladen und haben darueber hinaus noch erfahren,
dass auf dem Festival Farmer Obst verkaufen werden, die wir direkt ansprechen und
nach Farmwork fragen koennen:
…ich sag doch, dass ich Lotto spielen sollte soviel
Glueck wie ich hier immer habe!
(„You’re not lucky. It is your behaviour which makes
things happen as they do right now“, sagte einer der Maenner als ich ihm sagte,
wie viel Glueck ich in Australien schon gehabt haette ;-) )
Wieder einmal ein schoener „typisch australischer“ Tag, Superwetter
und viele neue Kontakte, die uns nicht nur bei der Suche nach Farmwork
weiterhelfen. sondern auch mein kleines Spinnennetz von Kontakten in Australien
und auf der ganzen Welt erweitern.
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