"Wir haben leider keine kleinen Zimmer mehr", sagt die Rezeptionistin.
"Ok und was bedeutet das?", frage ich.
"Nur noch Apartments. Sonst sind wir komplett ausgebucht."
"Aber wo sind die ganzen Menschen?", frage ich und schaue mich um. Weder am Pool, noch im Restaurant sitzt jemand. "Auf einer Konferenz", antwortet die Mitarbeiterin ziemlich lustlos und wenig bemüht, mich von dem Hotel zu überzeugen.
Manchmal weiß ich auch nicht, ob sie wie hier in diesem Hotel mit bestimmt 50 Zimmern nicht vielleicht auch einfach nur erfinden, dass es ausgebucht ist. Ich bin schließlich ein Mzungu und auf meiner Stirn steht das Wort "Geld".
"Na gut. Dann nehme ich das Apartment." Sind ja nur 4 € mehr.
"Ok", sagt die Mitarbeiterin und scannt meinen Pass.
Ein Mitarbeiter trägt meinen Rucksack in die dritte Etage und öffnet die Tür.
Das Apartment besteht aus 2 Schlafzimmern, 3 Badezimmern, 2 Balkonen und einem Wohnzimmer mit insgesamt 15 Sitzgelegenheiten. Falls ich Bock habe, kann ich also spontan noch 14 Leute in meinen Palast einladen.
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Am nächsten Morgen stehe ich wieder an der Rezeption und checke aus.
Ich frage mich,was mir drei Badezimmer bringen sollen, wenn in keinem einzigen die Klospülung funktioniert. Natürlich habe ich alle Toiletten im Praxistest einmal unter die Lupe genommen,so dass ich mir auch wirklich sehr sehr sicher bin, dass da wirklich nichts funktioniert.
Herzlich willkommen in Afrika.
Ich laufe bei 30 Grad ohne Schatten Richtung Straße und warte darauf, dass ein Tuktuk vorbeikommt. Dann lasse ich mich zum Sheratton Hotel fahren, das einen Pool hat und direkt am Strand liegt.
An der Rezeption nimmt mich eine superliebe Frau in Empfang, die mir unterschiedliche Apartments zeigt. "Hier will ich bleiben!", sage ich und stelle meinen Rucksack auf den Boden ohne zu wissen, dass ich tatsächlich erst nach sechs Nächten wieder abreisen werde. Bei einer Cola im Pool und einen kleinen Spaziergang am Strand lasse ich den Tag ausklingen. Außerdem buche ich mir für Samstag zwei Tauchgänge bei einer richtigen Padi-Tauchschule. Die herzliche Mitarbeiterin vom Empfang hat mir einen Kontakt vermittelt.
Ich möchte die letzten Tage in Mombasa unbedingt nutzen, um so richtig zu entspannen und meine letzte Taucherfahrung positiv zu überschreiben.
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Am Samstag holt mich um 7 Uhr morgens der Tourguide namens Akasha bei meinem Hotel ab. Wir laufen am Strand entlang zur Tauchschule.
"Bist du Single?", fragt er mich und lächelt. "Warum wollt ihr hier eigentlich alle unbedingt eine weiße Frau?", frage ich. "Das ist ja der Wahnsinn."
Akasha erzählt mir, dass er seine beiden letzten Freundinnen an einen alten Mzungu mit Geld verloren hat und er deshalb keinen Bock mehr auf "Kampf gegen weißen alten Mann mit Geld" hat. "Da kann man nur verlieren."
"Wie ist das passiert?", frage ich und er erzählt mir, dass europäische Touristen mit seinen Freundinnen Nummern ausgetauscht und ihn dann fürs Geld verlassen haben. Seine letzte Freundin meinte: "Lass uns das Geld von dem alten Mzungu nehmen und dann machen wir uns davon ein schönes Leben", aber er hatte keinen Bock darauf, seine Freundin mit einem "alten Sack" zu teilen.
Spannend, aber so läuft das hier scheinbar. Es ist wirklich unfassbar auffällig, wie viele Männer auch heute morgen schon wieder mit Kenianerinnen beim Frühstück saßen, die locker ihre Töchter oder sogar Enkeltöchter sein könnten.
"Ich hab's inzwischen aufgegeben", sagt Akasha und schreibt mir einem Stock das Wort MZUNGU in den Sand, weil ich ihn gebeten habe, es zu buchstabieren.
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"Hallo, ich bin Steve", sagt mein Tauchlehrer und gibt mir die Hand. Wir stehen in einem kleinen achteckigen "Dive Center", das etwa 300 m von meinem Hotel entfernt ist. "Wir beide gehen heute auf Haisuche!"
Ich grinse und gucke dann skeptisch.
"Nur schüchterne Baby-Haie", erklärt Steve und gibt mir einen Überblick über den heutigen Ablauf. Wir fahren erst mit dem Boot zur Shark Bay, um dort in ca. 18 Metern Tiefe nach Baby-Haien Ausschau zu halten. Nach einer kurzen Pause auf dem Boot werden wir weiter zum Brain Reef fahren und dort einen zweiten Tauchgang machen und uns in etwa 15 Meter Tiefe Korallen anzusehen, die wie Gehirne aussehen.
"Cool. Klingt gut!", sage ich. Dieses Mal habe ich ein viel besseres Gefühl und werde richtig gut aufgeklärt und abgeholt. Es gefällt mir auch ziemlich gut, dass niemand außer mir mitkommt so dass sich Steve ganz auf mich einstellen kann.
Wir laufen durch das kniehohe Wasser zum Boot wo bereits der Kapitän und ein weiterer Mitarbeiter auf uns warten.
Dann fahren wir etwa eine halbe Stunde bis wir eine weiße Boje erreichen.
"Hier an der Schnur gegen wir nach unten", erklärt Steve. Ich nicke.
Ich lasse mich nach hinten vom Boot fallen, wir schauen uns an und lassen die Luft aus unseren Westen.
1 Meter
3 Meter
7 Meter
9 Meter
13 Meter
15 Meter
18 Meter
Als wir den Meeresboden erreichen, sind wir von zahlreichen Fischen umzingelt. Unter uns ein buntes Meer aus Korallen in den unterschiedlichsten Rot- Gelb- und Brauntönen.
Ich schaue mich um.
Da ist es wieder, das Gefühl, was ich beim Tauchen so liebe. Ich bin dank Steves korrekter Blei-Einschätzung in perfekter Balance und schwebe durch das Wasser wie ein Fisch in einem riesigen Aquarium. Unter uns tummeln sich Clownfische in den Anemonen und vor uns schwimmt ein riesiger Schwarm aus bestimmt 50 gelben Fischen.
Steve zeigt mir blaue Seesterne, Muränen und große, bläulich-schimmernde Regenbogenfische.
Wir treiben ganz langsam durch das Wasser und beobachten die Ungebung. Ich bin richtig glücklich, mich nochmal auf einen Tauchgang in Afrika eingelassen zu haben. "Siehst du den Hai da drüben?", fragt mich Steve indem er erst auf seine Brille tippt und dann mit seiner rechten Hand das Hai-Zeichen macht.
Ich nicke. Vor uns auf dem Meeresboden liegt ein kleiner Baby-Hai. "Der schläft", sagt Steve.
Kurze Zeit später schwimmt noch ein weiterer Hai an uns vorbei und wir sehen sogar zwei Schildkröten. Außerdem zeigt mir Steve eine magische Koralle, die bei Berührung ihre Farbe von Dunkelbraun auf Weiß ändert.
"Das war cool", sage ich als wir nach 50 Minuten wieder in der Nähe vom Boot auftauchen. "Danke, Steve!"
Wir machen eine kleine Pause in der Sonne und begeben uns nach etwa 40 Minuten auf unseren zweiten Tauchgang wo wir uns Korallen anschauen, die wie überdimensionale Gehirne aussehen.
"Na, hat's dir gefallen?", fragt mich Steve als wir wieder auftauchen.
"Oh yes, sage ich!" und grinse zufrieden.
Das waren wirklich zwei superschöne Tauchgänge so wie man sich Tauchen vorstellt.
Jetzt weiß ich wieder, warum ich damals in Thailand noch einen zweiten Tauchschein gemacht habe.
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Die darauffolgenden Tage verbringe ich mal mit "Nichtstun" und genieße meine Zeit in Cafés oder am Pool. Ich fahre ins Shoppingcenter, zur Massage und spaziere durch den Haller Park, wo man Schildkröten streicheln und sich Krokodile anschauen kann.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal sagen würde, dass ich es so sehr genießen kann, mal ein paar Tage nicht zu arbeiten und komplett für mich zu sein. "Früher" musste ich immer von Menschen umgeben oder produktiv sein, um Glück zu empfinden, aber inzwischen genieße ich es total, alleine durch einen Park zu schlendern oder am Strand spazieren zu gehen. Ich werde im nächsten Jahr definitiv mindestens 2 längere Reisen machen und habe gemerkt, dass das mit der richtigen Organisation auch mit zwei Unternehmen möglich ist. Die Welt dreht sich auch dann weiter, wenn ich mal nicht 24/7 für meine Kunden verfügbar bin. Über diese Erkenntnis bin ich extrem dankbar (auch wenn ich zwischendurch einfach Lust hatte, ein bisschen produktiv zu sein). Allerdings fühlt sich Arbeiten mit der Aussicht auf türkisblaues Wasser auch irgendwie entspannter an als der inzwischen herbstlich-graue Ausblick aus meinem Büro.
Und doch bin ich froh, nach drei Wochen wieder nach Hamburg fliegen zu können.
Diese Reise war der perfekte Mix aus Safari und Strand und hat mir (und wahrscheinlich auch euch) ein paar interessante Afrika-Eindrücke gegeben. Ich hake die Begegnung mit den Big 5 bis auf den Leoparden von meiner Bucket List ab, durfte die Unterwasserwelt erkunden und das Nichtstun am Strand von Diani und Mombasa genießen.
Bis zum nächsten Mal und danke dass ihr mich wieder einmal ermutigt habt, meine Erinnerungen in diesem Blog nicht nur für euch, sondern auch für mich festzuhalten :-)
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