Guten Tag, liebe Leute. Es ist wieder so weit: Julia reist mal wieder.
Wird auch Zeit, dass sie bei all der ganzen Arbeit, die sie hat, endlich in eine wohlverdiente Auszeit geht.
Aber ich will ehrlich sein: Das ist nicht meine erste Reise in diesem Jahr. Genau genommen war ich erst im Mai fast einen ganzen Monat unterwegs ohne euch mitzunehmen. Asche über mein Haupt. Da seht ihr mal, WIE viel ich arbeite, dass ich vor lauter Arbeit nicht einmal dazu komme, meine Reisen zu verschriftlichen. Deshalb finde ich es völlig legitim, eine Pause einzulegen, wenn die Anzahl geleisteter Arbeitswochen wieder zweistellig wird.
Tatsächlich schwanke ich aber jedes Mal zwischen diesen Gedanken:
Option A: Halte ich meine Reisen für euch und zu meiner eigenen Belustigung fest?
Option B: Genieße ich meinen Urlaub einfach in vollen Zügen ohne ständig Zeit in die Dokumentation zu investieren?
Option C: Wer sagt eigentlich, dass es spannend genug wird?
Option D: Mist ich bin noch nicht einmal unterwegs und der Fiebertraum geht schon wieder los. Das kann ich unmöglich in meinem Kopf lassen.
Also ist es am Ende irgendwie doch meist Option D, wenn ich vorher zu B tendiert bin. So auch dieses Mal.
Aber eine Sache hat mich wirklich kurz zum Nachdenken gebracht: Eine alte Schulkameradin meinte beim Lesen der letzten Reise, sie empfinde „ein gewisses Unbehagen“, wenn sie meine Beiträge liest. Ich würde die Menschen beziehungsweise ihre Nationalitäten ihrer Meinung nach zu wertend beschreiben.
Wenn zum Beispiel eine süße kleine Asiatin mit Comicshirt „Häääb äh neiß deh“ sagt oder auch „Määängo Määängo Coconatt Mehlon!“
Ich habe ja wirklich kurz überlegt, wie ich andere Menschen möglichst neutral beschreiben soll ohne dass daraus eine wissenschaftliche Dokumentation wird, bei der man zum Lachen in den Keller gehen muss.
Und da das für mich keine Option ist, starten wir in ein neues politisch unkorrekt dokumentiertes Reiseabenteuer!
Jippieh!
Bevor wir starten, möchte ich euch aber vielleicht noch ein wenig abholen, welche Reise ich frecherweise gemacht habe ohne euch daran teilhaben zu lassen. Um aber die Frage aller Fragen vorab noch schnell aufzuklären: Dieses Mal geht es nach Kuala Lumpur mit meiner brasilianischen Reisefreundin Mariana, die ich 2016 frühmorgens auf den Philippinen am Flughafen kennengelernt habe. Leicht verstört nachdem ich erst fast gekidnappt und anschließend durch eine Kakerlake traumatisiert wurde, die in meinen Rucksack gekrabbelt ist.
Mit Mariana habe ich inzwischen schon einige Reisen unternommen. Kennengelernt habe ich sie – wie bereits erwähnt – morgens um halb fünf am Flughafen auf den Philippinen vor inzwischen 10 Jahren. Von dort aus sind wir damals einfach spontan zwei Wochen zusammen gereist nachdem wir uns 30 Minuten kannten. Reise-Liebe auf den ersten Blick sozusagen! Praktischerweise hatte sie damals schon alle Unterkünfte für Zwei gebucht. Als ob sie vorher von unserer Begegnung gewusst und geahnt hätte, dass ich mich wieder einmal um nichts gekümmert habe und freue, mich an ihre Pläne ranzuhängen. Bei dieser Reise mache ich das wieder gut!
Mariana und ich waren 2017 zusammen auf Curaçao und Aruba, ich habe sie während ihres Auslandssemesters in Portugal besucht und sie war inzwischen zweimal bei mir in Deutschland. Das letzte Mal müsste inzwischen auch schon wieder drei Jahre her sein. Umso mehr freue ich mich auf unser Wiedersehen!
Was ihr wissen müsst: Mariana ist eine komplett verrückte Nudel. Beim Reisen ist sie eine brasilianische Kopie von mir: Spontan, flexibel und ein Magnet für die seltsamsten Erlebnisse. Genau das ist aber manchmal auch das Problem. Weil wir uns SO ähnlich sind, geht sie mir irgendwann mit meinen eigenen Eigenschaften tierisch auf den Sack. Manchmal denke ich: „Kannst du bitte einfach mal die Fresse halten? Nur fünf Minuten?“ Und dann erwische ich mich dabei, dass ich das ja auch meistens nicht kann.
Gleichzeitig haben wir unfassbar viel Spaß zusammen und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch auf dieser Reise wieder genügend skurrile Geschichten entstehen werden. Damit ihr sie etwas besser kennenlernt ohne hier alle alten Beiträge lesen zu müssen, hier eine typische Mariana-Geschichte zur Einstimmung auf unsere gemeinsame Reise in den Regenwald:
Als Mariana mich 2023 in Hamburg besucht hat, war ich selbst gerade erst frisch in die Stadt gezogen. Also haben wir gemeinsam Touristen gespielt und Hamburg erkundet. Nach ein paar Tagen ununterbrochenem Gequatsche waren wir (oder ich?) so weit, dass wir dringend mal eine Pause voneinander brauchten. Zum Glück können wir so etwas offen wie in einer gute Reise-Ehe kommunizieren.
Mariana hat kurzerhand Tinder installiert, ich bin im Stadtpark spazieren gegangen und sie hat sich tatsächlich erst am nächsten Morgen wieder bei mir gemeldet.
Ich hatte die wildesten Szenarien im Kopf, wo sie wohl geblieben ist. Denn wenn wir noch eine Eigenschaft teilen, dann auch eine gewisse Naivität und einen beinahe grenzenlosen Glauben an das Gute im Menschen. Damit sind wir beide schon häufiger ordentlich auf die Fresse gebrettert, aber am Ende ist immer alles gut gegangen.
Nach einer schlaflosen Nacht, in der ich mich gefragt habe, wo sie steckt und warum ihr Handy aus ist, ist sie am nächsten Morgen zum Glück wieder aufgetaucht. Ich höre einfach zu viele True Crime Podcasts und das ist in solchen Situationen nicht gut für mich sag ich euch.
Auf jeden Fall erzählte sie mir dann ganz stolz von ihrem Tinder-Date. Ihr müsst euch vor Augen halten, dass sie vielleicht 2 Stunden in der App unterwegs war und sich in einem fremden Land einen Typen geklärt hat.
Aber jetzt kommts! Es sei ein unglaublich heißer Typ gewesen: „He was RRREALLY hot, Julia!“
„Wir haben Wein getrunken und dann noch ein wenig Sexytime gehabt“, erzählte sie mir in der typisch aufgeregt-witzigen Mariana-Art.
„Toll. Und ich lag währenddessen besorgt im Bett und dachte, du wurdest entführt, du Bitch. Egal. Du lebst ja noch, also erzähl mir mehr!“
Und dann sagte sie voller Begeisterung:
„He told me his parents are FAMOUS. You don‘t believe it, Julia!“
Ich fragte: „Ach ja? Wer sind denn seine Eltern?“
„His father is a famous German musician. Do you know him? His name is Mr. Bohlen.“
„Und da war auch eine Gitarre in seinem Wohnzimmer.“
Ich weiß noch, dass ich laut gelacht habe.
Ja, Leute … was soll ich sagen?
Sie installiert einfach spontan Tinder in einem fremden Land und landet dann ausgerechnet mit Dieter Bohlens Sohn im Bett. Während ich mir ausmale, mit welcher Waffe sie gerade gekillt wird, lautet ihr Motto: „Cheri Cheri lady und sexy, sexy lover.“ Darf doch nicht wahr sein, aber ich finde, so ein Ereignis beschreibt ihre Persönlichkeit ziemlich treffend.
Und genau deshalb freue ich mich jetzt so sehr auf die Reise mit ihr.
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