Dienstag, 8. Mai 2012

Tausche Aupairdasein gegen Abenteuer


Ihr moegt vielleicht denken, ich bin verrueckt, wenn ihr das hier lest. Nunja, das bin ich vielleicht auch. Vielleicht hat Australien auch einfach einen anderen Menschen aus mir gemacht. Ich bin wesentlich selbstbewusster und -sicherer. Ich habe soeben beschlossen, mein einfaches Aupairdasein aufzugeben und meine Gastfamilie in den naechsten Wochen zu verlassen, um als richtiger Backpacker durch Australien zu reisen und „Work and Travel“ hautnah mitzuerleben.

„Wie? Was jetzt?Wieso das denn?“ werdet ihr euch sicher fragen. Ich muss ein wenig ausholen, um alles genau zu erklaeren.

Wie ihr hier lesen koennt, habe ich vor nur drei Wochen beschlossen, meine Zeit in Australien zu verlaengern und laenger als geplant Aupair su sein. Inzwischen habe ich realisiert, dass es eine Fehlentscheidung war. Ich hatte hier eine unglaublich tolle Zeit mit einer Familie, die mehr als nur ein Gluecksgriff war. Hatte unkomplizierte Aufgaben, die weltbesten Arbeitszeiten und soviel Freizeit, wie man sich nur wuenschen kann, wenn man mit beiden Beinen im Berufsleben steht. Und ich habe zudem noch verglichen mit anderen eine tolle Unterkunft, sehr gute Verpflegung und ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt bekommen. Es hat sich angefuehlt, als wuerde ich fuers Nichtstun bezahlt werden. Klingt paradox, aber genau DA liegt das Problem.

Ich dachte zunaechst, das waere alles nur eine Phase. „Natuerlich ist alles nicht so spannend, wenn du nach einem Urlaub voller Action in deine Gastfamilie zurueckkehrst“, hat man mir gesagt, als ich mich langweilte. „Du hattest doch schon soviel Sonne“, sagte man mir, als ich mich ueber 10Grad in Melbourne beschwerte. „Freu dich doch, dass es dir so gut geht“, als ich sagte, mir falle die Decke auf den Kopf bei dem ganzen Nichtstun.

Ich bin nicht in Australien, um das Leben an mir vorbeiziehen zu lassen, wenn mir doch alle Tueren offen stehen. Ich muss kein kaltes Melbourne ertragen,wenn ich Sonne haben kann und mir muss nicht langweilig sein, wenn ich Action haben koennte. Ich bin hier, um die beste Zeit meines Lebens zu haben und all das zu tun, was MIR Spass macht und ich schon immer einmal machen wollte.

...und genau deswegen habe ich heute beschlossen, etwas zu aendern anstatt die naechsten 4 Monate in meiner Gastfamilie „verstreichen“ zu lassen bis ich wieder reisen kann.
Ich weiss zwar noch nicht wohin...und was...aber ich weiss, dass ich bereit bin fuer dieses Abenteuer und mir dieses Abenteuer mehr wert ist als mein Aupairdasein (das ich allerdings bis zu meiner Reise an der Ostkueste in vollen Zuegen genossen habe und keinesfalls bereue!) auch wenn ich dafuer mehr Arbeit, ein unbequemeres Bett und schlechtere Verpflegung in Kauf nehmen muss.

Ich habe soeben Lisa und Owen informiert, dass ich gehen moechte und weil die beiden inzwischen mehr Freunde als „Gasteltern“ sind, verstehen sie meine Entscheidung, auch wenn sie es natuerlich schade finden, weil wir eine gute Zeit zusammen hatten. Sie verstehen, dass mir nur 10 Monate in Australien zur Verfuegung stehen und ich soviel wie moeglich erleben moechte, haetten sich aber gefreut, wenn ich Aupair geblieben waere und hatten versucht, mich zu ueberreden.

Ich muss nun erstmal einen klaren Gedanken fassen, das Internet durchforsten (ich habe bald keinen Laptop mehr) und herausfinden, welche konkreten Moeglichkeiten es ueberhaupt gibt. Ich denke, dass ich euch in den naechsten Tagen Genaueres berichten kann.
Fest steht, dass es irgendwo hingeht, wo es warm ist!


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Erste Gedanken 



Nachgedacht. Eine Nacht drueber geschlafen. Tausend Gedanken in meinem Kopf, aber das Gefuehl, dass ich eine bessere Entscheidung getroffen habe.


Gestern war alles etwas chaotisch. Als Owen nach Hause kam und Lisa ihm dann sagte: „Julia will move on“ und er mir einen traurigen Blick zugeworfen hat, war ich selbst etwas verwirrt. Ich habe mich dann in mein Bett verkruemelt, damit sie reden koennen,weil es ohnehin schon halb 12 war. Matilda hat dann zu mir heute Morgen mal wieder „I love you soooo much“ gesagt und ich muss mich selbst davor schuetzen, dass ich mich nicht wie ein herzloser Idiot fuehle, der diese Familie im Stich laesst, denn das tue ich nicht, weil diese Familie immer sagte, dass sie nicht auf ein Aupair angewiesen sei (ich habe nur einen Tag pro Woche auf die Kinder aufgepasst).



Lisa sagte, sie habe Verstaendnis fuer meine Entscheidung. Sie faende es lediglich schade, weil ich gut in die Familie gepasst haette und sich ein neues Aupair vor ihrer Europareise Ende August kaum lohnt und sie die Zeit nun irgendwie ueberbruecken muessen. „Don’t worry, Julia. We’ll survive. Our house will just get messy, but we’re not stuck. Don’t feel bad about it. I can understand your decision”.


Ich kann froh sein, dass sie so reagiert hat. Andere Familien haetten mich vielleicht direkt gehen lassen. Ich gehe nicht von heute auf morgen, denn ich will ihnen genauso wie mir selbst etwas Zeit geben, die naechsten Monate zu organisieren.  Ich denke, dass ich noch etwas Zeit brauche, um einen Job zu finden bzw. eine Idee zu entwickeln, wo es hingeht. Brauche einen Flug, ein Handy und muss mir bewusst machen, dass ich alles mitnehmen muss, was hier ist. Ich versuche gerade, ueber Facebook und Gumtree ein Travelmate zu finden, damit ich zusammen mit jemand anderem losreisen kann. 

Ich weiss, dass es nicht einfach wird, alles zu organisieren, aber das nehme ich in Kauf und ich denke, dass ich dadurch mehr lernen werde als wenn ich hier bleibe und mich nicht traue, obwohl ich will.

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