Ihr moegt vielleicht
denken, ich bin verrueckt, wenn ihr das hier lest. Nunja, das bin ich
vielleicht auch. Vielleicht hat Australien auch einfach einen anderen Menschen
aus mir gemacht. Ich bin wesentlich selbstbewusster und -sicherer. Ich habe
soeben beschlossen, mein einfaches Aupairdasein aufzugeben und meine
Gastfamilie in den naechsten Wochen zu verlassen, um als richtiger Backpacker
durch Australien zu reisen und „Work and Travel“ hautnah mitzuerleben.
„Wie? Was jetzt?Wieso
das denn?“ werdet ihr euch sicher fragen. Ich muss ein wenig ausholen, um alles
genau zu erklaeren.
Wie ihr hier lesen
koennt, habe ich vor nur drei Wochen beschlossen, meine Zeit in Australien zu
verlaengern und laenger als geplant Aupair su sein. Inzwischen habe ich realisiert, dass
es eine Fehlentscheidung war. Ich hatte hier eine unglaublich tolle Zeit mit
einer Familie, die mehr als nur ein Gluecksgriff war. Hatte unkomplizierte
Aufgaben, die weltbesten Arbeitszeiten und soviel Freizeit, wie man sich nur
wuenschen kann, wenn man mit beiden Beinen im Berufsleben steht. Und ich habe
zudem noch verglichen mit anderen eine tolle Unterkunft, sehr gute Verpflegung
und ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt bekommen. Es hat sich angefuehlt, als
wuerde ich fuers Nichtstun bezahlt werden. Klingt paradox, aber genau DA liegt
das Problem.
Ich dachte zunaechst,
das waere alles nur eine Phase. „Natuerlich ist alles nicht so spannend, wenn
du nach einem Urlaub voller Action in deine Gastfamilie zurueckkehrst“, hat man
mir gesagt, als ich mich langweilte. „Du hattest doch schon soviel Sonne“,
sagte man mir, als ich mich ueber 10Grad in Melbourne beschwerte. „Freu dich
doch, dass es dir so gut geht“, als ich sagte, mir falle die Decke auf den Kopf
bei dem ganzen Nichtstun.
Ich bin nicht in
Australien, um das Leben an mir vorbeiziehen zu lassen, wenn mir doch alle
Tueren offen stehen. Ich muss kein kaltes Melbourne ertragen,wenn ich Sonne
haben kann und mir muss nicht langweilig sein, wenn ich Action haben koennte.
Ich bin hier, um die beste Zeit meines Lebens zu haben und all das zu tun, was
MIR Spass macht und ich schon immer einmal machen wollte.
...und genau deswegen
habe ich heute beschlossen, etwas zu aendern anstatt die naechsten 4 Monate in
meiner Gastfamilie „verstreichen“ zu lassen bis ich wieder reisen kann.
Ich weiss zwar noch
nicht wohin...und was...aber ich weiss, dass ich bereit bin fuer dieses
Abenteuer und mir dieses Abenteuer mehr wert ist als mein Aupairdasein (das ich
allerdings bis zu meiner Reise an der Ostkueste in vollen Zuegen genossen habe
und keinesfalls bereue!) auch wenn ich dafuer mehr Arbeit, ein unbequemeres
Bett und schlechtere Verpflegung in Kauf nehmen muss.
Ich habe soeben Lisa und
Owen informiert, dass ich gehen moechte und weil die beiden inzwischen mehr
Freunde als „Gasteltern“ sind, verstehen sie meine Entscheidung, auch wenn sie
es natuerlich schade finden, weil wir eine gute Zeit zusammen hatten. Sie verstehen, dass mir nur 10 Monate in Australien zur Verfuegung stehen und ich soviel wie moeglich erleben moechte, haetten sich aber gefreut, wenn ich Aupair geblieben waere und hatten versucht, mich zu ueberreden.
Ich muss nun erstmal
einen klaren Gedanken fassen, das Internet durchforsten (ich habe bald keinen
Laptop mehr) und herausfinden, welche konkreten Moeglichkeiten es ueberhaupt
gibt. Ich denke, dass ich euch in den naechsten Tagen Genaueres berichten kann.
Fest steht, dass es irgendwo
hingeht, wo es warm ist!
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Erste Gedanken
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Erste Gedanken
Nachgedacht. Eine Nacht
drueber geschlafen. Tausend Gedanken in meinem Kopf, aber das Gefuehl, dass ich
eine bessere Entscheidung getroffen habe.
Gestern war alles etwas
chaotisch. Als Owen nach Hause kam und Lisa ihm dann sagte: „Julia will move on“
und er mir einen traurigen Blick zugeworfen hat, war ich selbst etwas verwirrt.
Ich habe mich dann in mein Bett verkruemelt, damit sie reden koennen,weil es
ohnehin schon halb 12 war. Matilda hat dann zu mir heute Morgen mal wieder „I
love you soooo much“ gesagt und ich muss mich selbst davor schuetzen, dass ich
mich nicht wie ein herzloser Idiot fuehle, der diese Familie im Stich laesst, denn
das tue ich nicht, weil diese Familie immer sagte, dass sie nicht auf ein Aupair angewiesen sei (ich habe nur einen Tag pro Woche auf die Kinder aufgepasst).
Lisa sagte, sie habe
Verstaendnis fuer meine Entscheidung. Sie faende es lediglich schade, weil ich
gut in die Familie gepasst haette und sich ein neues Aupair vor ihrer
Europareise Ende August kaum lohnt und sie die Zeit nun irgendwie ueberbruecken
muessen. „Don’t worry, Julia. We’ll survive. Our house will just
get messy, but we’re not stuck. Don’t feel bad about it. I can understand your decision”.
Ich kann froh sein, dass
sie so reagiert hat. Andere Familien haetten mich vielleicht direkt gehen
lassen. Ich gehe nicht von heute auf morgen, denn ich will ihnen genauso wie
mir selbst etwas Zeit geben, die naechsten Monate zu organisieren. Ich denke, dass ich noch etwas Zeit brauche, um einen Job zu
finden bzw. eine Idee zu entwickeln, wo es hingeht. Brauche einen Flug, ein
Handy und muss mir bewusst machen, dass ich alles mitnehmen muss, was hier ist.
Ich versuche gerade, ueber Facebook und Gumtree ein Travelmate zu finden, damit
ich zusammen mit jemand anderem losreisen kann.
Ich weiss, dass es nicht
einfach wird, alles zu organisieren, aber das nehme ich in Kauf und ich denke,
dass ich dadurch mehr lernen werde als wenn ich hier bleibe und mich nicht
traue, obwohl ich will.
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