Samstag, 12. Dezember 2015

Die letzten 2 Tage

Ich hatte auf jeden Fall zwei superlustige letzte Tage in Kandy und Negombo in den „Monkey Hostels“. Beide Hostels haben zu Beginn irgendwie ein seltsames Flair ausgestrahlt, aber dann haben die anderen Backpacker die verbleibende Zeit zu der witzigsten gemacht, die ich in Sri Lanka hatte.

Unvergessliche Begegnungen:

Neil aus England, gerade einmal 18 Jahre alt, ganze 2,10 Meter groß und damit DIE Sehenswürdigkeit für fotoaffine Asiaten und alle, die ihn sonst noch für Goliath halten. Will eigentlich Chemie studieren, sollte aber meiner Meinung nach eher direkt Comedian werden. Hat bei unserem Spaziergang durch Kandy auch den Fehler gemacht, unter Bäumen mit Krähen zu stehen und wurde witzigerweise direkt im Gesicht getroffen. Wenigstens einmal war der Lacher auf meiner Seite ;-) Hat mich ein bisschen an Simon von Comedystreet erinnert, als er die Fotosessions wildgewordener Asiatentrüppchen und selbstverliebter Russinnen in seltsamen Klamotten zerstört hat. Ist auffällig unauffällig im Hintergrund ins Bild spaziert oder hat sich einfach direkt zur Gruppe ins Foto gestellt und war immer noch mindestens 20 cm größer als der größte Asiat. Ist in Indien zum Buddhismus konvertiert und in Kandy mit einem Stapel pinker seerosenartiger Blumen in den Zahntempel spaziert. Hat eine größere Oberweite als ich, weil er bereits zum Frühstück eine ganze Familienpackung Choco Pops vernascht und hat den Asiaten auf die Frage „Where are you from?“ immer grinsend mit „From the land of tall people“ geantwortet. Hat sich aus Spaß zu Einheimischen ins Tuktuk auf den Fahrersitz gesetzt und gefragt, wo sie hin wollen (der verwirrte Gesichtsausdruck der Wartenden hat auf jeden Fall dafür gesorgt, dass wir Tränen gelacht haben). Und hat mit mir nachts im Hostelbadezimmer „Catch the Cockroach - Fang die Kakerlake“ gespielt während alle anderen geschlafen haben. Ist mit mir – bewaffnet mit je einem Plastikbecher – lachend durchs Bad gehüpft und hat am Ende doch 1:0 gewonnen. Hat ausschließlich Trekkingklamotten dabei, obwohl er nicht ein einziges Mal gewandert ist und hat nach Ryan’s Chiliwette (1 Kaffelöffel pures Chili) eine halbe Stunde lang heulend am Hosteltisch gesessen.

Ryan aus Florida, 22 und auf dem besten Weg dahin, all meine Ami-Vorurteile perfekt zu erfüllen. Angeblich auf Platz 2 der besten Surfer in den USA, gesponsert von Red Bull und Oakleys Sunglasses und stolz darauf, ein Amerikaner zu sein. „Arbeitet“ als Investor und selbsternannter Manager und ist nach der verlorenen Chiliwette einmal komplett nackt durch und um das Hostel gerannt und dabei draußen im Regen ausgerutscht. Hat erst gestern ein „Nackt auf einem Berg“-Foto bei Facebook gepostet und arbeitet gerade unter anderem daran endlich 200 Likes zu erreichen („Yay, I’ve already got 182!“). Ist zur Belustigung eines Japaners, der uns fotografiert hat, auf die Knie gefallen um mir einen Heiratsantrag zu machen. Ich habe nein gesagt.

Richard aus Deutschland, 27 und zum ersten Mal allein auf Reisen. Hat das Badmintonspiel gegen Neil natürlich gewonnen und ist bis heute schockiert über die Schlangenbeschwörung, die wir in Kandy beobachten konnten. Musste sich mit Ryan einen gold-grünen Sari leihen und hat dafür gleich von mehreren Einheimischen ein “You look SO sexy man“ geerntet.

Hostelbesitzerin des Monkey Hostels in Kandy: Keine Ahnung, wie sie heißt und wie alt sie ist, aber ist mir unfassbar auf die Nerven gegangen und hat mich mit „Excuuuuse meeee Madaaaaam“ in den Wahnsinn getrieben und gleichzeitig zum Lachen gebracht. Hat mich morgens geweckt, damit ich endlich meine 30 Cent für mein Extrafrühstücksei bezahle („Excuuuuse meeee Madaaaaam…you pay extra egg?“) und ist ständig in unser Zimmer spaziert. Hat angesichts des Anblicks von Neil nach der verlorenen Chiliwette sicherlich ihren Glauben verloren – und uns damit tausend Lachtränen geschenkt.

Hostelbesitzerin des Monkey Hostels in Negombo: Keine Ahnung, wie sie heißt und wie alt sie ist, aber ist mir unfassbar auf die Nerven gegangen und hat mich gleichzeitig zum Lachen gebracht. Hat seltsamerweise mit uns in unserem Hostelzimmer geschlafen und ist wie eine kleine Furie hochgeschreckt, als ich nachts kurz ins Bad gelaufen bin. Hat mich in ihrem rosa Bärchenschlafanzug bis aufs Klo verfolgt und wollte mir kein Frühstücksei (dafür aber 3 Scheiben trockenen Toast) andrehen. Ist um 4 Uhr nachts spontan auf die Idee gekommen, ein paar Hostelbetten neu zu beziehen und hat dafür den knartschenden Holzschrank immer wieder geöffnet. Ich bin dafür, dass sie sich einen Job im Guesthouse in Haputale organisiert und dort im Bärchenschlafanzug im Mottenbadezimmer herumgeistert.

Die Kombination all dieser Personen hat mir in meinen letzten beiden Tagen einen Dauerlachanfall beschert und war definitiv der krönende Abschluss einer spannenden Reise. Nicht zu vergessen natürlich die Fahrt mit dem plötzlich kaputten Zug, der von einem anderen Zug angeschoben werden musste und dann statt 1,5 ganze 6 Stunden gebraucht hat und der Busfahrer, der während der Fahrt Bier getrunken hat und auch dementsprechend gefahren ist.

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Ich bin jetzt superentspannt, erholt und happy und freue mich total auf richtigen Kaffee, der keinen zentimeterdicken Kaffeesatz in der Tasse hinterlässt, tuktukfahrerfreie Straßen, warme Duschen, kakerlakenfreie Badezimmer, Vollkornbrot, ein eigenes Bett, moskitofreie Zimmer, mein Fitnessstudio, meine Mitbewohner und Freunde, ein bisschen Weihnachtsfeeling, die Arbeit und natürlich Weihnachten bei meiner Familie statt wie im letzten Jahr mit einem bettnässenden Engländer.

Meine nächste Reise kommt bestimmt – ich kann nur nicht sagen, wann ;-)

P.S. und falls ihr inzwischen auch nach Sri Lanka fliegen wollt, kommt gern auf mich zu für Tipps zu Whalewatchingtouren oder Tuktukfahrten!

P.P.S. Ich muss euch noch kurz verraten, wie ich von Frankfurt nach Wuppertal gekommen bin, um mein Auto abzuholen: Ich habe mir einfach kein Zugticket und auch keine Mitfahrgelegenheit gebucht, sondern bei der Passkontrolle einfach das hinter mir wartende Ehepaar gefragt, ob sie zufälligrweise Richtung Köln fahren. Und tatatataaa: Sie kommen aus Wuppertal Langerfeld und haben mich somit direkt vor Daniels Tür rausgelassen, weil es ohnehin auf dem Weg liegt. Was für ein verrückter Zufall ist das denn bitte schon wieder?! Ich sollte dringend Lotto spielen...

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