„Welcome to Haputale“, sagt der dünne Mann in türkisfarbenem Shirt und winkt uns in sein Haus. Das Tuktuk ist direkt vor dem Eingang geparkt, damit wir im strömenden Regen nicht nass werden.
Dann klettern wir aus dem Tuktuk und stellen unsere Rucksäcke auf dem rostbraunlackierten Boden ab. „Do you want coffee or tea?“, fragt uns ein zweiter Mann und bittet uns, im Wohnzimmer Platz zu nehmen, in dem unser Tuktukfahrer bereits auf einer Couch auf uns wartet.
Ich schaue mich um. Ein Raum voller altmodischer Sofas mit khakifarbenem Stoff, ein paar schwarze Lederimitatsessel, eine lila Plastikgerbera, ein verstaubter Glastisch und ursprünglich weiße Wände mit schwarzen Flecken und drei seltsamen Bildern. Dahinter ein Esszimmer mit einem großen Esstisch, einem antiken Schrank voller Ramsch, ein „Merry Christmas“-Schriftzug auf einer langen mahagonifarbenen Kommode, ein Glitzerbild und Plastikblumen. An der Decke eine große Lampe, in deren Schirm sich eine 10cm dicke Schicht toter Insekten gesammelt hat.
Eine Küche, in der eine Frau mit einem Holzlöffel in einem Topf herumrührt während auf der steinernen Arbeitsplatte ein kleines, etwa 3 Jahre altes Mädchen direkt neben der Flamme des Gasherdes sitzt und ihr zuschaut.
Und vor dem Haus eine Art Diskokugellampe, die im Wind weht und durch die vergilbten Gardinen kleine rote und blaue Lichtpunkte auf den Boden des Wohnzimmers wirft.
Wahrscheinlich das schäbigste Gasthaus, das ich bisher gesehen habe. Aber eine Empfehlung unseres Tuktukfahrers (hallo Verschwörungstheorie), die wir jetzt nicht mehr ablehnen können, weil die Besitzer seine Freunde sind und wir im Regen keine andere Option haben.
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„Ihhh“, sagt Ina und schließt die Badezimmertür nachdem sie einen kurzen Blick in den Raum geworfen hat.
„Guys…open the door“…“I want you to have the same experience like me”, lacht sie und grinst Tim und mich an.
Ich öffne erwartungsvoll die Tür. Ina drückt den Lichtschalter.
Alles summt. Ein grashüpfergrünes Bad voller Motten, eine abgeblätterte neongrrüne Badewanne und ein Fußboden voller toter Insekten.
Ich schließe die Tür.
Auch das Zimmer könnte problemlos der nächste Drehort von „The Ring“ oder anderen Horrorfilmen sein, in denen ein altmodisches, heruntergekommenes Schlafzimmer benötigt wird. Zwei 1,20m große aneinandergestellte Holzbetten mit rosafarbenem Moskitonetz und darauf drapierten roten Fleecedecken mit gelben Blumen. Neben der Tür zum Badezimmer eine ungenutzte Raumecke, die durch gräuliche Spitzengardinen und eine Kommode mit Plastikrosen verdeckt wird.
„Was glaubt ihr, wie viele Leute schon unter diesen Decken geschlafen haben?“, frage ich Ina und Tim, als wir uns – amüsiert über das schäbige Gasthaus – in den Schlaf kichern.
„MINE is brand new“, lacht Tim und knipst das Licht aus.
Augen zu und durch.
Dieses Mal im wahrsten Sinne des Wortes.
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Am nächsten Tag machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum nahegelegenen Bahnhof und kaufen 3 Zugtickets nach Ella. Und dann beginnt eine atemberaubende Zugfahrt, die uns die Nacht in der seltsamen Unterkunft direkt wieder vergessen lässt. Palmen, Bananenstauden, Reisfelder. Kleine bunte Hütten, winkende Einheimische, Berge und jede Menge Natur, die grüner nicht sein könnte.
Ich hänge meinen Kopf aus dem Fenster und blicke in die Ferne.
Sri Lanka ist definitiv eine Reise wert.
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