Nachdem ich einen entspannten Tag am Strand und in der Stadt mit Tim aus England und Ina aus Österreich verbracht habe und viiiiel Zeit zum Nachdenken hatte, habe ich beschlossen, Hector nicht wieder zu treffen und auf keinen Fall sein Angebot („Come to my house“) anzunehmen.
Das klingt jetzt etwas paradox nach der spannenden Erfahrung, die er mir ermöglicht hat, aber obwohl ich häufig sehr spontane Entscheidungen treffe, treffe ich diese nie, ohne vorher das Risiko oder Motiv, das eine andere Person dabei haben könnte, eingeschätzt zu haben.
Fakt ist:
Die meisten Hochzeiten in Sri Lanka sind nach wie vor arrangiert und entstehen dadurch, dass die Eltern Kontaktanzeigen in Lokalzeitungen veröffentlichen. Sex vor der Ehe ist genauso Tabu, wie von zuhause auszuziehen, bevor man verheiratet ist. Anders als bei uns gibt es daher auch grundsätzlich 2 Hochzeitsfeiern statt nur einer. Nr. 1 wird von den Braut organisiert und Nr.2 vom Bräutigam, denn zusätzlich zur klassischen Zeremonie (die ich miterlebt habe) gibt es eine „Homecoming-Party“, die nach drei Tagen „Honeymoon“ gefeiert wird, wenn die Braut nach der Hochzeitsnacht zur Familie des Bräutigams zieht. Wenn ich die Hochzeit mit diesem Wissen etwas refkletiert betrachte, dann fällt mir auf, dass das Paar auf der Hochzeit in keiner Sekunde so „verliebt“ wirkte, wie ich es auf deutschen Hochzeiten erlebt habe. Der Hochzeitstanz wirkte wie ein Tanz zwischen zwei Menschen, die sich nicht vertraut sind. Vielleicht ist es genau deswegen nicht aufgefallen, wer überhaupt auf der Hochzeit ist, weil ja jede Person zur Familie des anderen gehören könnte, die man als Angehöriger vermutlich nicht komplett kennt, wenn es eine arrangierte Ehe ist.
Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das Motiv von Hectors Angebot, das Wochenende mit ihm zu verbringen, reine Gutmütigkeit ist. Dass es so ist, wie ich es damals bei Peter in Sydney erlebt habe, als ich einfach mitgegangen bin, als er mir im Zug einen Schlafplatz angeboten hat. Oder so wie bei „Mimi“, die mich in Thailand einfach direkt mit zu ihrer Familie genommen hat. Das ist natürlich eine Unterstellung mit einer Menge Vorurteilen, die komplett falsch sein können, aber die schüchterne, unsichere Art, mit der er mich am Hotelausgang verabschiedet hat, hat mich definitiv nachdenklich gemacht ab dem Moment, in dem sich unsere Wege trennten.
Ob ich mit dieser Annahme falsch liege, werde ich nicht beantworten können, denn ich habe beschlossen, statt nach Negombo mit Tim aus England und Ina aus Österreich in den Süden zu fahren.
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