Montag, 30. November 2015

Galle und Unawatuna

Es ist zu warm und zu überfüllt hier. Ich starre durch die offene Zugtür nach draußen und frage mich, wie oft wohl schon jemand aus dieser Tür gefallen ist. Rechts von mir ein Mann, der sich halb aus dem Zug hängt und sein Gesicht in den Fahrtwind hält. Neben mir der Durchgang zum Abteil, den immer wieder Händler mit unterschiedlichem Essen durchqueren, das sie in Körben oder Boxen transportieren.

Noch 2,5 Stunden bis Galle.

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„Hello everybody“, sagt eine kleine Frau mit schwarzem Shirt und kurzen Haaren und öffnet uns die Tür zum „Yellow Guesthouse“.

Wir ziehen unsere Schuhe aus und betreten den großen Raum, in dem ein antiker Tisch mit Spitzendecke, verstaubte Plastikrosen in rot und gelb, Teddybären, alte Sessel und ein Kleiderständer mit bunten Saris zu finden sind.

Dann verhandeln wir kurz den Preis für eine Nacht und werfen unsere Sachen in das kleine Zimmer, in dem 2 Einzelbetten mit hellblauem Moskitonetz stehen. „Extra matress no problem“, sagt Malika und deutet auf eine bunte Matratze, die auf einem dunklen Holzbett liegt. Neben dem Bett ein hoher abgeblätterter Spiegel, vor dem Shampooflaschen und Kosmetikartikel geparkt sind und auf der gegenüberliegenden Seite ein Fernseher, vor dem ein älterer Mann sitzt.

Malika führt uns ein wenig durch ihr Haus. Zeigt uns die Küche, in der eine gebrechliche Frau in rotem Gewand Gemüse schneidet („This is my mum“), den kleinen Hinterhof, in dem weiße Bettlaken in der Sonne trocknen und das kleine Badezimmer mit den grünen Fliesen.

„Enjoy your stay!“

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Nach einer Nacht im Yellow Guesthouse, einen Spaziergang um die Festung, von der Männer aus 20 Metern Höhe in das nur 1,5m tiefe Wasser springen und indischem Essen fahren wir mit dem Tuktuk weiter nach Unawatuna.

Das Hostel ist ein abgelegenes Hippiehostel in der Nähe der Bahngleise, das man allein aufgrund des Geruchs blind finden könnte (auf meine Frage, wie viele Joints der Hostelbesitze namen Bunche pro Tag raucht, hat er übrigens "I challenge myself to everything...so maybe 35" genatwortet).

Ein großer Gemeinschaftsraum mit bunten Kissen auf Europaletten, ein palmenbewachsener Garten mit Hängematte und Holzliegen. Einfache 6-Betten-Zimmer mit Einzelbetten im Abstand von 40 cm und Wände voller Zeichnungen und Widmungen anderer Backpacker.

„Dieses Hostel ist sauber genug, um gesund zu sein und schmutzig genug, um glücklich zu sein“ (Florian aus Deutschland).

Als wir am Jungle Beach in der Sonne liegen, wird mir bewusst, warum ich genau solche Orte so sehr liebe: In billigen Hostels sammelt man die wertvollsten Erfahrungen.

Man trifft die unterschiedlichsten Menschen und kann einfach so sein, wie man sich gerade fühlt. Teilt kommentarlos seinen Kaffee mit anderen, läuft Barfuß über den sandigen Fußboden und legt sich auf bunte Stapel voller Kissen, auf denen wenige Minuten davor noch ein anderer Backpacker gesessen hat.Kümmert sich nicht darum, wie dreckig die Füße sind, ob die Frisur sitzt oder der Lipgloss hält.

Und genau das ist irgendwie total befreiend, wenn man schon die restliche Zeit des Jahres nicht ungeschminkt herumläuft, in Jogginghose zur Arbeit geht oder Barfuß durch den Supermarkt spaziert.

Noch eine Sache, die ich an Billighostels mag, ist, dass man Menschen kennen lernt, die einen vermutlich in schicker Bluse, mit geglätteten Haaren und Makeup niemals ansprechen würden. Und dass sich spontan völlig fremde Menschen aus der ganzen Welt für das Gleiche begeistern können. Als ich zum Beispiel meine Sportschuhe angezogen habe, um im Hostelgarten ein paar Übungen zu machen, haben sich innerhalb weniger Minuten 6 andere Backpacker aus Australien, Deutschland, Dänemark und England ihre Sportsachen angezogen. Und dann sind wir von Palme zu Palme gerannt, haben Liegestütze gemacht, die Holzliegen zu einer Fitnessbank umfunktioniert und im 45-Sekunden-Takt so viele Übungen gemacht, dass wir am Ende alle völlig verschwitzt und glücklich im Garten saßen.

Anschließend sind wir mit 14 Leuten zum Strand gegangen, um an einem Tisch am Meer gemeinsam ein Currys zu essen und in einer Shisha-Bar auf einem großen Holzpodest mit bunten Kissen den Abend ausklingen zu lassen.

Solche Momente würde ich - solange ich jung bin und alleine reisen kann - deswegen auch niemals gegen etwas anderes austauschen wollen, was ich in teureren Unterkünften erleben könnte – ganz unabhängig davon, ob ich es mir finanziell leisten kann oder nicht.

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