Montag, 13. August 2012

Farmwork- Tag 2


Der Morgen fing ziemlich verrueckt an. Markus und Corinna haben einen kostenlosen Stellplatz fuer den Van bekommen und beschlossen, ihn dort abzustellen. Bedeutet, dass ich mir irgendetwas anderes organisieren muss. Wenn ich auf der Farm ueberlebe, kann ich dort ein Bett bekommen. Andernfalls : Keine Ahnung. Ich habe kein Auto, um von A nach B zu kommen, kein Zelt, in dem ich schlafen koennte und dann wohl auch keinen Job und nicht mehr soviel Geld. Puuuuuhhh…

Ich hatte nicht viel Zeit, solchen Gedanken zuviel Raum in meinem Kopf zu lassen (auch wenn ich zugeben muss, dass ich etwas aus allen Wolken gefallen bin), da nur 30 Minuten spaeter Arbeitsbeginn war. Ich habe mich daher schnell von Markus und Corinna verabschiedet, meine bereits von ihnen gepackten Sachen in das Auto von Mathieu geworfen und mir einfach vorgenommen, heute die Zaehne zusammen zu beissen und -egal wie weh es tut- so hart wie moeglich zu arbeiten.

Wir haben zunaechst wieder Kuerbisse gewaschen. Die Farmerin (sie heisst uebrigens Ruth, falls ich hier mal von ihr sprechen sollte) hat mir gezeigt, wie ich es machen soll. « There’s no point in keeping you if you can’t do it like this », hat sie gesagt . Ich hatte also bereits am Anfang des Tages Angst, einen Fehler zu begehen, aber keine Zeit fuer ein « Was mache ich, wenn… ? ». Ich muss einfach mein Bestes geben und positiv denken.

Wir waren tatsaechlich schneller. 9 Container mit etwa je 100 Kuerbissen in weniger als 2 Stunden. Am Ende war ich voellig durchnaesst, weil ich mich einfach halb unter den Gartenschlauch gebeugt habe, um schneller zu sein. Es war anstrengend.

Danach wurden wir (Carol, Laury ud ich) mit den Jungs auf das Feld zum Pfluecken geschickt. Butternut picking. Ruth hat mir eine Gartenschere in die Hand gedrueckt. « If you lose it, you have to replace it. 20 dollars . »

Buecken. Kuerbis oben am Stengel abkneifen. Kuerbis auf die weisse Plane legen. Wiederholung. Wiederholung. Wiederholung.

Rueckenschmerzen. Kratzer. Blutige Haende.

Egal. Nicht darueber nachdenken, einfach machen. Nicht jammern, Julia. Du brauchst das Geld, du hast sonst keine Unterkunft und du wolltest die Erfahrung. Augen zu und durch.

Danach war dann Kuerbissammeln angesagt. Ich dachte, es koennte nicht schlimmer werden, aber ich hatte mich getaeuscht.

Wir waren 7 Leute, ein Traktor und ein grosser Anhaenger. Einer ist den Traktor gefahren, 3 Leute haben Kuerbisse gesammelt und auf das Fliessbad seitlich des Traktors gelegt, einer hat die Kuerbisse vom Fliessband um die Ecke auf das Fliessband auf den Anhaenger gerollt und 2 Leute haben die Kuerbisse vom Fliessband in die Container gelegt. Der Farmer hat uns dabei mit einem Fernrohr beobachtet. « Bloss keinen Fehler machen », habe ich mir gedacht. Tatsaechlich ist mir einmal meine Gartenschere heruntergefallen. « Ok, Julia, das ist bestimmt das Ende. Du hast ganze 6 Stunden auf einer Farm ueberlebt und dann warst du so daemlich und hast deine Gartenschere in einem Kuerbisfeld verloren. » 
Gedanken ueber Gedanken. Nicht wahnsinnig werden. Einfach weiterarbeiten.

Einmal ist mir nach dem Sammeln kurz Schwarz vor Augen geworden. Ich habe schon gesehn,, wie ich mit dem Traktor zurueck zum Schuppen gefahren und als nicht arbeitsfaehig abgestempelt werde . « Die Deutsche war einfach zu schwach fuer Farmarbeit. Hahaha. Sie ist einfach in einem Kuerbisfeld kollabiert, nachdem sie 400 kleine Kuerbisse auf ein Fliessband gelegt hat. »

Ich habe etwas Wasser getrunken und versucht, einen klaren Kopf zu fassen.

Nicht aufgeben, Julia. Du brauchst diesen Job, denn sonst bist du aufgeschmissen und landest heute Abend auf der Strasse. Du hast doch keinen Van, in dem du leben kannst.



…und ploetzlich war es 16 Uhr.

Ich habe diesen Tag tatsaechlich ueberlebt. Meine Haende waren schwarz, meine Arme und Beine uebersaet mit kleinen Rissen und mein Ruecken hat extrem weh getan.

Ich habe mich nicht getraut, den Farmer noch einmal zu fragen, wie es mit mir weitergeht , denn ich habe mich nach seinen harten Worten irgendwie unerwuenscht gefuehlt. Habe mich den Rest des Abends in Mathieu’s Auto verkrochen und gehofft , dass der Farmer mich nicht findet und mir sagt, dass meine Arbeit genau an dieser Stelle beendet ist und ich mir genau jetzt ueberlegen sollte, wo ich die Nacht verbringe.  Habe mich in der Nacht gefuehlte einhundertmal von der Seite auf den Ruecken und zurueckgedreht. 

Ich hatte die Rueckenschmerzen meines Lebens und mir hat alles wehgetan. Ich wusste nicht, ob ich nun eigentlich einen Job habe oder nicht. Vor allem aber war ich mir unsicher, ob ich dem ganzen Druck und dem Gefuehl, ueberwacht zu werden, ueberhaupt standhalten wuerde .

Mein Arm...


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