Montag, 3. September 2012

Mein letzter Tag in Darwin


Ich sitze jetzt seit 5 Minuten im Greyhound-Bus. Nico hat mich nach Darwin gefahren, wir sind noch kurz ins Internet gegangen und haben einen Kaffee getrunken. Ich kann gar nicht genau beschreiben, was gerade in mir vorgeht. Es ist ein Gefuehl, das ich Neugier-Nervositaet-Traurigkeit-Aufregung nennen wuerde. Vor mir liegen 26 Stunden Fahrt und 1784km. Ich kann nur hoffen, dass alles gut geht und sich der Mann am anderen Ende der Leitung nicht als Fake entpuppt und ich dann mitten in der Wueste am Highway aus diesem Bus steige und aufgeschmissen bin. 1784km von Darwin entfernt, wahrscheinlich wieder ohne Handyempfang und allein, denn in diesem Bus sitzen -wenn mein erster Ueberblick mich nicht taeuscht- ausschliesslich aeltere Paare und Aboriginal-Familien. Da Kulgera suedlich von Alice Springs liegt, wird kaum jemand ausser mir dort aussteigen wollen. Diese Busfahrt wird mir viel Zeit zum Nachdenken geben und mir hoffentlich nicht das Gehirn zermuerben, bis ich da bin.

Ich wurde uebrigens aus "Sicherheitsgruenden" von der letzten Reihe (Aboriginal-Familie) auf den Sitz in der ersten Reihe hinter den Fahrer verschoben. Sogar das Greyhound-Personal ist rassistisch. Hallo Australien.

Gestern bin ich den ganzen Tag mit gemischten Gefuehlen auf der Farm herumgerannt. Es ist so traurig, dass ich jetzt gehen muss. Ich weiss, dass dies Teil des Reisens ist, aber ich bin trotzdem traurig. Nico und ich sind mit Dowson und Tariq nach Darwin gefahren und haben sie dort abgesetzt. Sie werden sich dort einen Job suchen. Ich wuensche den beiden, dass sie schnell etwas Neues finden. Um Tariq braucht man sich keine Sorgen zu machen. Dowson hingegen war bereits einen Monat in Australien obdachlos, hat verzweifelt einen Job gesucht und in Perth mit seinem Zelt heimlich im Hinterhof eines Supermarktes hinter einer Mauer gelebt.

Es gibt so viele interessante Backpacker-Geschichten und jeder von uns koennte sein eigenes Buch schreiben.

Den Rest des Tages habe ich mit Nico verbracht. Ich bin froh, dass wir am Ende beide gluecklich mit der Loesung sind. Die anderen Backpacker haben etwas Nettes auf meinem Farmhut geschrieben. Es war eine verdammt harte, aber unvergessliche Zeit. Ich hoffe, dass ich wenigstens Nico, Tariq und Thibaut irgendwann einmal wiedersehen kann.

Mit meinen Sachen habe ich wieder einen Haufen Erinnerungen in meinen Koffer gepackt. Neben einem Bild von Matilda, meinen Aboriginal clapping sticks, der Tanzdekoration und meinen mit Farbfleckenuebersaeten Schuhen liegt also jetzt auch ein Farmhut.

Meine Lebensmittel habe ich an Nico und Thibaut verschenkt und meine Gartenschere Ruth zurueck gegeben.

Jetzt beginnt wieder etwas Neues. Meine Zeit auf der Farm ist beendet und ich bin wieder um eine Erfahrung reicher.

 

 

P.S. Inzwischen ist mir uebrigens auch ein kleines Licht bezueglich Carole aufgegangen: Nico hat ihr versprochen, sie am Samstag zum Flughafen zu fahren. Waere Nico gegangen, haette er sie nicht fahren koennen. Dass Nico bleibt, war also reines Eigeninteresse.

 

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