Ich sitze jetzt seit 5 Minuten im Greyhound-Bus. Nico hat mich nach Darwin
gefahren, wir sind noch kurz ins Internet gegangen und haben einen Kaffee
getrunken. Ich kann gar nicht genau beschreiben, was gerade in mir vorgeht. Es
ist ein Gefuehl, das ich Neugier-Nervositaet-Traurigkeit-Aufregung nennen
wuerde. Vor mir liegen 26 Stunden Fahrt und 1784km. Ich kann nur hoffen, dass
alles gut geht und sich der Mann am anderen Ende der Leitung nicht als Fake
entpuppt und ich dann mitten in der Wueste am Highway aus diesem Bus steige und
aufgeschmissen bin. 1784km von Darwin entfernt, wahrscheinlich wieder ohne
Handyempfang und allein, denn in diesem Bus sitzen -wenn mein erster Ueberblick
mich nicht taeuscht- ausschliesslich aeltere Paare und Aboriginal-Familien. Da
Kulgera suedlich von Alice Springs liegt, wird kaum jemand ausser mir dort
aussteigen wollen. Diese Busfahrt wird mir viel Zeit zum Nachdenken geben und
mir hoffentlich nicht das Gehirn zermuerben, bis ich da bin.
Ich wurde uebrigens aus "Sicherheitsgruenden" von der letzten
Reihe (Aboriginal-Familie) auf den Sitz in der ersten Reihe hinter den Fahrer
verschoben. Sogar das Greyhound-Personal ist rassistisch. Hallo Australien.
Gestern bin ich den ganzen Tag mit gemischten Gefuehlen auf der Farm
herumgerannt. Es ist so traurig, dass ich jetzt gehen muss. Ich weiss, dass
dies Teil des Reisens ist, aber ich bin trotzdem traurig. Nico und ich sind mit
Dowson und Tariq nach Darwin gefahren und haben sie dort abgesetzt. Sie werden
sich dort einen Job suchen. Ich wuensche den beiden, dass sie schnell etwas
Neues finden. Um Tariq braucht man sich keine Sorgen zu machen. Dowson hingegen
war bereits einen Monat in Australien obdachlos, hat verzweifelt einen Job
gesucht und in Perth mit seinem Zelt heimlich im Hinterhof eines Supermarktes
hinter einer Mauer gelebt.
Es gibt so viele interessante Backpacker-Geschichten und jeder von uns
koennte sein eigenes Buch schreiben.
Den Rest des Tages habe ich mit Nico verbracht. Ich bin froh, dass wir am
Ende beide gluecklich mit der Loesung sind. Die anderen Backpacker haben etwas
Nettes auf meinem Farmhut geschrieben. Es war eine verdammt harte, aber
unvergessliche Zeit. Ich hoffe, dass ich wenigstens Nico, Tariq und Thibaut
irgendwann einmal wiedersehen kann.
Mit meinen Sachen habe ich wieder einen Haufen Erinnerungen in meinen
Koffer gepackt. Neben einem Bild von Matilda, meinen Aboriginal clapping
sticks, der Tanzdekoration und meinen mit Farbfleckenuebersaeten Schuhen liegt
also jetzt auch ein Farmhut.
Meine Lebensmittel habe ich an Nico und Thibaut verschenkt und meine
Gartenschere Ruth zurueck gegeben.
Jetzt beginnt wieder etwas Neues. Meine Zeit auf der Farm ist beendet und
ich bin wieder um eine Erfahrung reicher.
P.S. Inzwischen ist mir uebrigens auch ein kleines Licht bezueglich Carole
aufgegangen: Nico hat ihr versprochen, sie am Samstag zum Flughafen zu fahren.
Waere Nico gegangen, haette er sie nicht fahren koennen. Dass Nico bleibt, war
also reines Eigeninteresse.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen