Am nächsten Tag verlasse ich um 7:30 Uhr nach nur 2 Stunden Schlaf das Zimmer, ziehe mir meine Sportsachen an und reagiere mich mit ein bisschen Sport auf der Terrasse ab. Ich gehe anschließend zurück in das Zimmer, dusche -wie erwartet- arschkalt und packe meine Sachen. Und dann sage ich den 2 Frauen an der Rezeption, dass ich doch schon heute auschecke. Ich laufe ein bisschen durch die Straßen, schaue mir 2 andere Hostels an und packe am Ende einfach meine Sachen und quartiere mich im CHILL OUT Hostel ein, das sich direkt neben MAD MONKEYS befindet. Was für eine lustige Hostelnamenskombination. Ich hoffe, dass der Name hält, was er verspricht. Hätte mir eigentlich auch direkt auffallen können, dass nebenan ein Hostel ist, aber wahrscheinlich wollte ich einfach zu schnell flüchten und bin deswegen daran vorbeispaziert. Ich stelle meinen Rucksack im 8-Bett-Zimmer ab und setze mich draußen an einen Tisch unter einem Bambusdach zu den anderen Backpackern. Witzigerweise ist auch Debbie von drüben ausgewandert: Joints im Hostelzimmer, Mitarbeiter, die sich Koks über den Tresen an der Bar durch die Nase ziehen, besoffene Australier, Engländer und Amerikaner und ebenfalls kein Schlaf. Meine zweite Nacht hätte also ziemlichaufregend werden können. Und "Nunja, Julia, ich bin zu alt für diesen Scheiß", ergänzt sie und lacht.
Debbie ist 45, kommt aus Schottland und hat vor 1 Jahr einfach beschlossen, ihre Häuser zu vermieten, ihr Auto zu verkaufen und von den Mieteinnahmen zu reisen. Sie ist die älteste Backpackerin, die ich je in einem Hostel getroffen habe. Keine Angst, Mama, ich hoffe nicht, dass ich mit 45 noch Single und so bekloppt bin wie sie und spontan alles fürs Reisen hinwerfe, aber finde es trotzdem ziemlich cool, dass sie jetzt später als geplant doch noch in Australien, Dubai, Malaysia, Sri Lanka, Bangkok und auf den Philippinen war. Mit 45 bin ich auf jeden Fall verheiratet und lebe in meinem Haus mit meinen 2 Kindern und meinem Mann und freue mich spaghettikochend auf unseren jährlichen Wangerooge-Uraub während mein Mann rasenmähend auf unserem coolen neuen Aufsitzrasenmäher durch den Garten fährt.
OK. Vielleicht nicht ganz...aber so ähnlich.
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Den Rest des Tages entspanne ich einfach nur noch. Spaziere am White Beach und schlafe unter einer Palme. Irgendwann wache ich auf und wandere mit meinem Handtuch ein bisschen näher zum Wasser. Mir ist nämlich aufgefallen, dass direkt über mir Kokosnüsse hängen und da ich prädestiniert für seltsame Unfälle bin, will ich wenigstens vermeiden, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden. "Pass auf dich auf, Julia". Gesagt, getan.
Nachdem ich nicht von einer Kokosnuss, sondern vom Regen geweckt werde, möchte ich mir noch eine Thai Massage gönnen. Ich verhandle ein bisschen. 6€ für eine Stunde. Klingt gut.
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"Komm mit!", sagt der kleine Filipino in weißem Massageoutfit und winkt mich in eine kleine Gasse. "Der Massageraum ist da oben", erklärt er und zeigt auf einen Hauseingang im ersten Stock, zu dem eine Betontreppe führt. Ich ziehe meine Flip-Flops aus und gehe vorbei an einer weiteren Frau im selben Outfit in das Haus. Der kleine Mann öffnet die Tür eines in Kerzenlicht getauchten Raumes, an dessen Wände Plastikefeu bis unter die Decke rankt. 3 Massageliegen mit weiß gemusterten Decken und an der Wand eine mikrowellenähnlich große Klimaanlage. "Maaaam", sagt er mit leiser Stimme und bittet mich, den dunklen Raum zu betreten, in dem kein Geräusch außer das Surren des Kühlschranks zu hören ist, der links neben der Tür steht.
TOCK.
Die Tür fällt zu.
KLICK.
Ich stehe allein im Raum, blicke auf die kleine Kerze, die rechts auf einem Teller auf dem Boden steht und merke, wie mir mein Herz in die Hose rutscht. Ach du Scheiße. Du passt doch zu wenig auf dich auf, Julia. Das ist bestimmt gar kein Massageraum, sondern ein Verließ und jetzt bist du unvorsichtiger Trottel hier gefangen von einem FIlipino-Pseudo-Masseur.
Mit einem Kloß im Hals reiße ich die Tür auf und blicke in die entgeisterten Augen des Mannes. "Just wanted to get a blanket for you, Maaaam."
Decke hin oder her. Von dir lasse ich mich hier nicht massieren. Kann ich das noch reklamieren?
Nach einer kurzen Diskussion schickt der Mann eine Frau in den Raum. Ich lege mich auf die mittlere Liege und mir ist immer noch schlecht. Mehr unberechtigte Panik in meinem Kopf als ernsthafter Grund zur Sorge.
Die Frau drückt ein bisschen auf meinem Rücken herum und ich starre durch das Loch in der Liege auf den Boden und denke nach. Nach nicht einmal 30 Minuten breche ich die Massage ab und behaupte, dass ich jetzt entspannt genug bin. Ich stehe auf und mache mich auf den Weg zurück zum Hostel. Besser jetzt, als wenn ich später im Dunkeln durch diese Gasse zurücklaufen muss.
"Pass auf dich auf, Julia."
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