Samstag, 19. November 2016

Welcome to the Philippines

17.11.2016, Ortszeit 19:25

Als ich in Manila aus dem Flieger steige, kann ich mich schon mal daran gewöhnen, wie es sich anfühlt, ein überdurchschnittlich großer Mensch zu sein und angestarrt zu werden wie ein Pornostar. Ich bin die einzige Blondine am ganzen Flughafen mit einer Hautfarbe, die im Direktvergleich einer Kalkwand gleicht. Und damit bin ich hier ungefähr so gefragt wie die limitierte Rittersport-Einhornschokolade.

WELCOME TO THE PHILIPPINES! The land of small people, die ungefähr im Durchschnitt so groß sind, dass sie im Stehen an meiner Brust nuckeln könnten,wenn man sie bis zur Rente stillen müsste (ok- das war jetzt etwas ekelig, aber ich wollte bei meiner Größeneinschätzung für euch endlich mal präzise sein).

Mit meinem lila Rucksack und den Einreisedokumenten in der Hand mache ich mich grinsend auf den Weg zur Passkontrolle. Endlich angekommen! Mein Flug war übrigens dieses Mal superentspannt. Keine Verspätungen und Flugausfälle (obwohl ich das nochmal in Kauf nehmen würde nachdem mir die Flugverspätung im Mai 430€ gebracht hat), kein verschollenes Gepäck und kein Airport Obstacle Run. Keine Karley auf dem Rückweg von ihrem Selbstfindungstrip, kein überteuertes Starbucksfrühstück und keine unfreiwillige Nacht im Flughafenhotel. Einfach nur 19 Stunden Bretterklasse-Flug mit KLM und einer witzigen taiwanesischen Sitznachbarin, die nach ihren 2 Fläschchen Wein doch noch sehr gesprächig geworden ist. Die mir erst etwas seltsam erschien nachdem ich dachte, dass sie an ihrem Hustenanfall krepiert und bei der Essensausgabe gefragt hat, ob sie vielleicht auch nur Reis bekommen könnte. Ungefähr 45kg "schwer", lange braune Haare, Nerdbrille und Streifenshirt. Die dann aber irgendwann so aufgetaut ist, dass sie mir erzählt hat, dass sie in die USA ausgewandert ist, jetzt ihre Familie in Taipei besucht und nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses erstmal 2 Tage geflennt und Facebook deinstalliert hat, um nicht mit News zu Trump konfrontiert zu werden. Die aussieht wie 12, aber tatsächlich 29 und schon verheiratet ist und irgendwann so hemmungslos geredet hat, dass ich mir ihre 2,5-Wochen-Extreme-Durchfall-Geschichte in Indien ("flieg dahin und danach hast du keine Allergien mehr") anhören musste während ich gerade meinen Löffel in das fluffige Dessert mit der dunklen Karamellsoße getaucht habe.

Abseits von ein paar innerlichen Lachanfällen ist also dieses Mal nichts Spektakuläres auf dem Hinflug passiert. Nie wieder Karamellsoße ohne komische Gedanken. Nächstes Reiseziel: INDIEN.

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"HELLOHOO MISS SEKSIIIIIII", grinsen mich drei Flughafenmitarbeiter in blauem Shirt an. "WHERE U GOIIIIING?" Hallo ihr 3. Ich grinse. Miss Seksiiiii hüpft jetzt schnell durch die Passkontrolle und verlässt dann diesen lustigen Liliputaner-Flughafen. Als ich mich anschließend mit meinem Rucksack zur Passkontrolle begebe und gleich 4 männliche Polizisten versuchen, mich zu sich zu winken, bekomme ich spontan einen Lachanfall. Was ist zum Teufel ist das hier?! Die Einhornschokolade ist leider schon ausverkauft, guyyyyys. Ich bleibe kurz lachend an der Discretion-Line stehen und entscheide mich dann für eine der Frauen.

Klick...klick...tock. Wieder ein neuer Stempel in meinem Pass. Jetzt muss ich nur noch meinen grünen Rucksack einsammeln und dann bin ich offen für den nächsten Kulturschock und alles, was mich in den kommenden 17 Tagen erwartet.

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In der Gepäckausgabehallle frage ich mich, warum manche Leute das Prinzip eines GepäckKARUSSELS nicht verstehen. Mama, du lachst jetzt. Aber auch hier gibt es Volltrottel, die ihrem Koffer auf dem Gepäckband hinterherrennen, das auf einer Bahn um 3 goldene Weihnachtsengel und ein HEINEKEN Plakat gespannt ist. So, als würde der Koffer 10 Sekunden später im Nirvana verschwinden und irgendwo zwischen Goldengeln und Heineken diesen Planeten verlassen.

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Ich bin ja nicht mit sonderlich vielen Infos unterwegs, aber ein schlaues Mädchen googelt vorher Taxipreise. Bereit, verarscht zu werden, lasse ich mich von unterschiedlichen Taxifahrern am Flughafenausgang anquatschen. "You need taxiiiii?!" "Ja man, aber du bist zu expensive. Ich weiß, dass der Preis zu meiner Unterkunft 350 Pesos (etwa 7 Euro) und nicht 1600 beträgt. Auf Brusthöhe versuche ich, dem kleinen Taxifahrer zu erklären, dass ich für seinen Smart keinen Rangerroverpreis bezahlen werde. "Ja, aber dann musst du dich 1 Stunde da drüben bei den Regulartaxis anstellen und mein Service ist quick and easy. No waiting, Madaaaaameee", erwidert er und zeigt auf die Schlange an der gegenüberliegenden Straßenseite. Ich laufe weiter. Bei Verhandlungen mit Asiaten musst du dich einfach nur wie ein bockiges Kind auf dem Spielplatz verhalten. Deine Eltern werden nicht ohne dich nach Hause gehen. "Missiiiiiiis. 650!" "Nein. Sagen wir 350. Letztes Angebot.""Okeeee, special service. Komm mit!"

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Fakt 1 ist: Der Taxifahrer kennt den Weg nicht. Fakt 2 ist: Ich habe auch den Überblick verloren. Trotz meiner großzügig ausgedruckten GoogleMaps Beschreibung fahren wir seit 1Stunde und 45 Minuten im Kreis, obwohl die Fahrt eigentlich nur 22 Minuten dauern soll. Mein Taxifahrer in rotem Poloshirt hat jetzt schon mindestens 15 Leute nach dem Weg gefragt. Mit Zigarettenverkäufern und Baustellenabeitern in gelber Warnweste im Scheinwerferlicht mitten auf der Straße meine Karte auseinandergenommen, weil das Licht in seinem Auto kaputt ist. Ich würde sagen: Job verfehlt. Mit der Kreativität eines Friedhofgärtners komme ich auch nicht auf die Idee, im Marketing zu arbeiten.

"You have to ask other taxi driver", grinst mich ein Phlippino mit Zahnspange durch mein halboffenes Fenster an. Es ist 21:58 und dieser Taxifahr-Legastheniker hat es immer noch nicht hinbekommen. "Dein Hostel ist auf der anderen Seite der Stadt", ergänzt er und zeigt auf seinem Smartphonebildschirm auf den roten Zielpunkt.

Fuck it. Ich steige jetzt aus. Bring mich zu dem Hostel mit den beigen Fliesen am Eingang, wo wir vor vor 2 Minuten den Typen gefragt haben, der auch keinen Plan hatte. Das einzige halbwegs vernünftige Gebäude in diesem Ghetto.

Ich hüpfe aus dem Taxi und drücke meinem Profi-Fahrer 350 Pesos in die Hand.Jetzt nur noch duschen und ab ins Bett.

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