Donnerstag, 13. April 2017

Tomatensaft und Haftcreme-Fluff

Angekommen im Flieger auf meinem Sitz 25 H habe ich “allein allein“ auf meinem Platz neben einem langweiligen Holländer endlich 10,5 Stunden Zeit, mir nach der Speeddating-Sprengstoffkontrolle mal Gedanken über die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu machen.

Zum Beispiel, warum in Flugzeugen immer Tomatensaft angeboten wird. Könnt ihr mir das erklären? Als ob sich irgendein kreativer Tomatensaft-Guru irgendwann hingesetzt und gedacht hat „Ok..wir haben keinen Einsatzzweck für dieses ekelhafte Zeug. Bieten wir es doch einfach im Flieger an, denn über den Wolken gibt es bestimmt ein paar gesundheitsbewusste Veganer, die spontan Lust auf einen Tomatensaft verspüren während sie gerade das Buch „Anständig essen“ von Karen Duve lesen oder sich einen Dokumentarfilm über das Schmelzen der Gletscher oder Aussterben der Flussnilpferde reinziehen.

Nein. Mal ehrlich: Kann mir jemand diese Frage beantworten?

Als Preis für die richtige Antwort gibt es…tatatadaaa…ein Glas frisch gepressten (sagt man das so?) TOMATENSAFT

“Was möchten Sie trinken?“, werde ich aus meinen Gedanken gerissen.

“Kaffee, natürlich. Mit Milch und ohne Tomatensaft bitte.“
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Kommen wir zu Frage Nummer 2: Wer kümmert sich bei AirBerlin um das Airline-Catering? Also um die Speisenauswahl- und Zusammenstellung meine ich.

Ich starre auf mein Tablett und würde spontan sogar unserer Kantine im Direktvergleich einen Gault Millau Punkt verleihen.

Man kann kein Luxusmenü erwarten, aber das hier ist das beste Menü, was ich in meiner Flugkarriere so gesehen habe, wenn das Hauptbewertungskriterium „Möglichst kreative Zusammenstellung eines 3-Gänge-Menüs mit minimalem Wareneinsatz und maximaler Gemeinschaftskompatibilität“ ist.

Vorspeise. Man nehme 2 Käsestücke, die man gekreuzt auf einem verschrumpelten Salatblatt drapiert. Auch genannt Käsesalat. Mit der Hauptzutat Käse. Reduziert auf das Wesentliche, also Käse. Dazu gibt es 12g Cracker. 12! Jetzt stellt euch mal die Produktentwickler vor. Wie sie da stehen mit ihrer Polly-Pocket-Waage und bei 11,5 g noch mit der Pinzette einen Krümel hinzufügen und sagen: „12g! Perfekt! 12g sind genau richtig. So machen wir das. Bitte im Werk K auf Linie 23 in millionenfacher Ausführung à 300-Stück-Kartons umsetzen und AirBerlin anbieten. Da fliegen nämlich nur Liliputaner und Veganer mit, die das für einen Cruncheffekt in ihrem Tomatensaft nutzen.“ 12 Gramm. So viel mehr wiege ich übrigens ungefähr nachdem ich mir morgens mit Sonnencreme das Gesicht eingecremt habe.

Kommen wir zu einer rechtlich fundierten Lebensmittelanalyse von Gang Nummer 2: Tortellini in Tomatensoße. Auch rechtlich korrekt bezeichnet als „Tortellini in einer Ölsoße mit leichtem Tomatenaroma“, wenn man die Hauptzutat zuerst nennt. Die Alternative ist übrigens ein Hack-Etwas mit verklumpten Spätzle in einer Ölsoße mit Zwiebelaroma. Ich hoffe, dass sich jetzt nicht ein paar Schwaben für dieses Gericht entschieden und direkt Heimweh haben.

Mein persönliches Highlight ist das Dessert. Ein fluffiges lila Zeug, das so fest ist, dass es sogar beim Umdrehen der Plastikschale so fest am Boden haftet wie die dritten Zähne am Oberkiefer meiner Oma mit der Hilfe von Kukident Haftcreme- aber natürlich nur, wenn die Werbung hält, was sie verspricht. Habe das mit dem Dessert und dem Haftverhalten übrigens mal unauffällig getestet und dann doch einen Was-zum-Teufel-macht-sie-da-Blick des Holländers neben mir geerntet. Offensichtlich hat es mich doch ein bisschen auffälliger fasziniert, dass sich wirklich GAR NIX bewegt. Dieses Dessert hat auf jeden Fall mindestens die Standstabilität von Dolly Busters Oberweite beim Seilspringen und fällt bei der Sprengstoffkontrolle durch mehr gefährliche Substanzen auf als mein lila Rucksack. Ich hoffe, das war nicht der „Gruß aus der Küche“. Und wenn doch: Tut mir voll Leid, dass es in der Küche so scheiße ist. Aber ich sehe das positiv. Wenn es Turbulenzen gibt, dann fliegt mir im Extremfall die quadratische Schale an den Kopf, aber der lila Haftcreme-Fluff bleibt, wo er ist. Und außerdem wird das Wetter morgen super auch wenn ich den Fluff nicht aufesse. Hab mir nämlich schon die Vorhersage angeschaut! ;-)
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Eine Frage habe ich noch. Aller guten Dinge sind 3. Warum nennen die AirBerlin Mitarbeiter die warm gemachten Einwegwaschlappen, die sie nach dem Essen mit einer Zange verteilen, SAUNATÜCHER? Oder auch „Möchten Sie ein SAUNI?“ und „SAUNI for you, sir?“ (zu dem Holländer neben mir). Ich stelle mir vor, wie ich in die Sauna gehe und dort einen AirBerlin-Mitarbeiter mit 95 Mini-SAUNIIIS treffe, die dann ein echtes Saunahandtuch ergeben. Falls das übrigens jemand beantworten kann, verlose ich hiermit offiziell das AirBerlin-SAUNI, das ich auf dem Rückflug bekommen werde.
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Nach einer kleinen 3-Gang-Party für meine Geschmacksnerven und sauberen Händen dank Sauniiiiis schmilzt die Zeit dieses Mal so langsam wie ein Weight Watchers Lightkäse. Ich lese einfach mein Buch, schaue Filme und höre Musik.

Es passiert also nix Spektakuläres mehr über den Wolken. Außer dass ich irritiert bin durch eine holländische Omi, die in buntem Batikshirt im Gang mit dem Arsch zu mir gerichtet ein paar Gymnastikübungen und Hüftbewegungen wie mit einem unsichtbaren Hulahoop-Ring macht. Und amüsiert bin über ein blondes etwa 9-Jahre-altes Mädchen, das offensichtlich „Frozen“ schaut und dabei abwechselnd lächelt und dann unauffällig weint (scheint ein sehr emotionaler Film zu sein). Und die Omi hat ebenfalls „Frozen“ geschaut und bei einer Kussszene so vor sich hingegrinst als hätte ihr Mann ihr nach 43 Jahren Ehe gerade unauffällig ins Ohr geflüstert, dass sie mit 67 immer noch megasüß in ihrem Batikshirt aussieht.

Ich weiß, was ich auf dem Rückflug für einen Film schauen werde!

Auf jeden Fall NICHT Frozen.

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