“Just arrived at the airport“, schreibe ich Mariana, als ich in Cuaracao in der Empfangshalle des kleinen Flughafens in Willemstad ankomme und füge ein „Where are you?“ hinzu. „Dschuuuliah, ich bin noch an meinem Privatstrand des Hotels, in dem ich gestern übernachtet habe. Leih dir einen Mietwagen und komm her, pleeease.“
30 Minuten Verhandlung mit der lustigen Hertz-Mitarbeiterin mit den bunt gemusterten Glitzernägeln und dem Gold-Schneidezahn und 20 Minuten Fahrtzeit später erreiche ich in meinem kleinen Hyundai I 10 das Resort.Ich fahre mit einem Beep-beep-beep-beep-beeep auf Mariana zu, die bereits in ihrem „Piece-of-Nothing-Bikini“ (hat sie selbst so getauft) und weißem Häkelkleid vor dem Hoteleingang wartet. Ich grinse. Mariana öffnet mit einem „Hellohoo my darling“ die Autotür und hüpft auf den Beifahrersitz als würde ich gerade eine gute Freundin für einen Strandtrip abholen.
Wir parken unser kleines lila Auto, steigen aus, fallend uns quiekend in die Arme. Es ist, als hätten wir uns erst vor einer Woche zum letzten Mal gesehen und nicht vor 4 Monaten. Und es fühlt sich so an, als würde ich sie schon 4 Jahre und nicht erst 4,5 Monate kennen. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie ich mich freue, nach so einer kurzen Zeit an einem fremden Ort meine Seelenverwandte vom anderen Ende der Welt wieder zu sehen.
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Nach Burgern bei Sonnenuntergang am Infinity Pool des Hotels stehen wir um 19:30 Uhr an der Rezeption, um Marianas Koffer zu holen. „Do you need anything before leaving?“, fragt uns die dunkelhäutige Mitarbeiterin in blauem Shirt und präsentiert uns ihren ebenfalls goldenen Schneidezahn (entweder wurden die Einheimischen alle in einer Massenschlägerei bis zum Zahnverlust vermöbelt oder sie haben an einem Flaschen-mit-den-Zähnen-öffnen-Wettbewerb teilgenommen oder es ist einfach sexy hier, einen goldenen Schneidezahn - und zwar meist den linken- zu haben. Ich tippe auf Option 3, aber werde das noch für euch herausfinden). „Do you wanna take a shower?“, bietet uns unsere 1-2-3-Gold-Kundin an.
Marianas Augen leuchten bei dem Wort “shower” so wie die eines Kindes, das gerade auf dem Jahrmarkt einen "Frozen"-Heliumballon UND Zuckerwatte bekommen hat. Also bleiben wir noch zum Duschen. Unser Zimmerservice fährt uns samt Marianas Monsterkoffer in den dritten Stock und öffnet eines der Zimmer, das uns gerade extra zum Duschen zur Verfügung gestellt wurde. Ich grinse und finde es ziemlich absurd, dass wir uns gerade in so einem Hotel befinden. „Julia…How about being poor in the beginning and rich in the end?“, hat Mariana vor der Buchung unserer Unterkünfte vorgeschlagen. „Its like Monopoly. You are never rich in the beginning.“ „Gute Idee, Mariana“, habe ich damals geantwortet, denn eigentlich ist mir die Unterkunft immer ziemlich egal.Wenn man ohnehin den ganzen Tag auf der Insel unterwegs und nur zum Schlafen in der Unterkunft ist, dann spielt für mich höchstens die Qualität der Matzratze eine ernstzunehmende Rolle. Aber auch das wäre mir egal, wenn alles andere toll ist. "Es ist der erste und letzte Eindruck, der bleibt", hat Mariana damals gesagt und sich dann für eine Nacht in dieses superteure Resort einquartiert bevor wir zu unserer "echten" Unterkunft fahren.
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„Was für eine tote Insel“, stellt Mariana fest, als wir frisch geduscht über die einsame unbeleuchtete Landstraße fahren, die sich in Schlangenlinien vom einen Ende der Insel bis ans andere zieht. Keine 40 Minuten später erreichen wir nach einer Fahrt durch die Dunkelheit ein Dorf namens „Soto“ am westlichen Ende der Insel. Und unsere „echte“ Unterkunft. Eine Unterkunft, die so abgelegen ist, dass wir uns von einem anderen Einheimischen mit dem Auto dort hinlotsen lassen mussten.
“Welcome to my place“, sagt eine kleine braungebrannte, weißhaarige Frau mit holländischem Akzent in blauer Yogahose und öffnet das Vorhängeschloss zu ihrer Veranda. „Ich dachte, ihr kommt gar nicht mehr“, sagt sie freundlich und streicht sich den Pony aus dem Gesicht während sie mit der freien Hand eine Kommt-Herein-Bewegung macht.


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