1. Januar 2017
„Happy new year, Julia. Peace, love, health, nice trips...all the best for u!!“
Ich schaue auf mein Handydisplay und grinse. Nicht einmal einen Monat ist es her, dass Mariana aus Brasilien und ich zusammen 3 Wochen von einer philippinischen Insel zur nächsten geflogen sind. Und das nur, weil wir uns zufälligerweise um 5 Uhr morgens am Flughafen kennen gelernt haben und sich ihre festen Reisepläne mit meinem zwei Tage vorher gebuchten Spontantrip so sehr überschnitten haben, dass wir fast die gesamte Zeit zusammen verbracht haben.
„Happy new year my crazy Brazilian girl. May all you dreams come true...and many more travels in 2017! Maybe we can do a trip together :)“, antworte ich.
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Gesagt, getan.
Nachdem wir uns täglich Bilder und Klimatabellen von unterschiedlichen Reisezielen von Jamaika über Ibiza, Mumbai, Florida, Panama, Delhi bis hin zu Mauritius schicken, schreibe ich am 25. Januar um 15:33 Uhr „Try Curacao“, weil ich in meiner Mittagspause bei Urlaubspiraten einen „Air Berlin Sale“ entdecke.
„Yessss“, I CAN BOOK IT“, antwortet Mariana um 22:45 Uhr. „13.- 27. April?“, fügt sie hinzu.
Und dann geht das Googeln los. Ich suche am Laptop einen Flug bei Airberlin für mich und recherchiere parallel am Handy auf Portugiesisch bei Skyscanner einen Flug von Belo Horizonte für sie. Mache Screenshots, schicke Sprachnachrichten und ändere gefühlt 20x die Daten in der Eingabemaske.
00:20 Uhr. Ich habe einen Flug für mich gefunden, der etwa 150 € günstiger ist als der Normalpreis und einen Flug für sie, der einen Tag zeitversetzt ebenfalls relativ günstig ist.
00:48 Uhr „Found! Booked! Paid!!!!“, schreibt Mariana und fügt den Smiley mit dem größten Grinsen hinzu.
00:52 Uhr „Me, too“, antworte ich. „I am freaking out!“
"WE ARE GONNA TRAVEL AGAIIIIIIN!"
Nachdem wir uns gegenseitig kreischend Sprachnachrichten schicken, die gesamte Palette an grinsenden Smileys bei WhatsApp in unsere Displays getippt haben, ich ein paar Mal durch meine Wohnung gehüpft bin und meine Nachbarn wahrscheinlich denken, dass gerade mindestens 10 Menschen mit mir unter der Woche eine Party feiern, gehe ich um 1.18 Uhr so aufgedreht ins Bett als hätte ich gerade 5 Liter Red Bull getrunken.
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Wer hätte gedacht, dass ich so schnell noch einmal mit Mariana reise?
Das Mädchen, das ich anfänglich für eine wählerische Tussi gehalten habe als sie mit mir auf Bohol am Strand auf der Suche nach einem Smoothie war und bei insgesamt 4 Smoothiebars nicht einen einzigen gefunden hat, der ihre Geschmackswünsche bedient. In einem Bikini, der weniger Stoff als meine Unterwäsche hatte.
Das Mädchen, das in unserem „Coco Farm“-Resort quiekend in der Duschkabine neben mir unter freien Himmel stand, weil das Wasser zu kalt für ihre Haare war. Und das die Hilfe des Tuktukfahrers brauchte, um ihren 39kg-Koffer mit den 8 Bikinis und 34 Outfits in unsere kleine Bambushütte zu tragen.
Das Mädchen, das mich am 2. Tag gefragt hat, wo ich denn meine Brüste gekauft habe („I got mine when I was 24! And if you wanna be really sexy in Brazil, you also need silicon in your bum. Is that different in Germany?“) und die einen ganzen Karton Proteinriegel dabei hatte.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieses Mädchen mir so ans Herz wächst, dass ich sie am Ende am liebsten in den Koffer gepackt und mit nach Deutschland genommen hätte?
P.S. Und sind wir mal ehrlich...ich werde schließlich auch oft für eine Tussi gehalten.
Und dann werde auch ich komisch angeschaut, wenn ich mit nicht einmal 10 kg Gepäck 3 Wochen reise. Wenn ich erzähle, dass ich damals in Australien auf allen Vieren mit Erde im Gesicht wie ein glückliches Kleinkind durch ein Kürbisfeld gekrabbelt bin und in Thailand frittierte Maden und Heuschrecken gegessen habe.
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