Dienstag, 24. Juli 2012

Time to say goodbye again soon...


Nachdem wir fast zwei Wochen mit und bei Wayne gelebt haben, machen wir uns uebermorgen auf den Weg nach Darwin. Es endet damit ein weiteres unvergessliches und wunderschoenes Erlebnis auf meinem Weg um Australien. Wir haben mehr ueber das Leben der Ureinwohner erfahren und waren fuer eine kurze Zeit in einer voellig anderen Welt. Einer Welt mit einer fremden Kultur, anderen Werten und einem voellig anderen Lebensstil. Zwischen Tanzstoecken, Spinefax, Abenden am Lagerfeuer und Tagen im Busch. Wir tanzten, als ob uns niemand sehen koennte und lachten, als ob uns niemand hoeren wuerde. Fotos koennen nur annaehernd wiedergeben, was wir in den letzten Tagen erlebt haben.
Wayne wollte mich heiraten (“Are you sure you want to stay with you German fella?!”), aber meine Zeit ist gekommen, um weiter zu reisen und mein Herz gehoert in eine andere Welt.

Ich hole mal ein bisschen aus, damit ihr mit mir lachen koennt :-) Denn heute Morgen hat der Wayne mir ziemlich seltsame Fragen gestellt, auf die ich nur sporadisch geantwortet habe: "Hast du in Australien andere Maenner kennen gelernt? Was denkst du ueber die weissen Australier? Was denkst du ueber Maenner wie mich? Wie muesste ich dich ansprechen, wenn ich dich in einer Disko treffen wuerde? Denkst du, dass dein 'German Fella' der Richtige ist? Wartet dein 'German Fella' da drueben tatsaechlich auf dich?"

Fragen ueber Fragen. Ich konnte mein innerliches Grinsen kaum nach aussen hin verbergen. Am Ende hat es uns beiden einen Lachanfall beschert.

Ich fragte ihn frech grinsend, warum ihn das alles so brennend interessiere und ob er tatsaechlich einen Diskobesuch in Deutschland plane. Dabei hatte ich vor meinem innerlichen Auge das Bild von Wayne mit seiner gesamten traditionellen Tanzausstattung.  Natuerlich mit Gesichts- und Koerperbemalung und rotem Hoeschen sowie Emu-Federn in seinen Haaren. Auf der Tanzflaeche. Mit dem Tanzstock. "Time for a traditional dance."

Ich gluckste.

Am Ende haetten sie ihm wegen der unpassenden Schuhe ohnehin den Eintritt verwehrt.

Ausserdem sagt Mama, sie koennte sich nicht vorstellen, wie ich in unserem Garten um das Lagerfeuer tanze. Der Bushwalk wuerde nach 10 Metern im Garten unserer Nachbarn enden und wenn Wayne mit dem Speer jagen geht, dann gibt es hoechstens Aerger mit den Bauern. Ich stellte mir vor, wie er in unserem Garten Unkraut untersucht, sich ueber das Rasenmaehen als Gefahr fuer das natuerliche Wachstum der Pflanzen beschwert und hinter unserem Haus eine kleine Spinefax-Plantage fuer das Heimatgefuehl anlegt. Wie er wilden Honig bei unserem Nachbarn findet, auf Huehnerjagd geht und sich in ihrem Teich badet. Unter dem Sternenhimmel wuerde er in Deutschland selbst im Schlafsack erfrieren und die Tanzzeremonie waere eine One-Man-Show.

Schluss mit Kopfkino, zurueck in die Realitaet. Ich lache mich gerade schon wieder kaputt, waehrend ich diesen Blog-Eintrag verfasse und am Ende hat dann auch Wayne eingesehen, dass ich nicht in diese Welt gehoere.
Ich werde mir in Darwin einen Farmjob suchen und hoffentlich genug Geld fuer eine Reise nach Bali sparen koennen. Corinna und Markus werden Anfang August zurueck nach Deutschland fliegen und erst im November zurueckkommen.
Ich muss mir also spaetestens in 2 Wochen wieder neue Reisepartner suchen, nachdem ich dann etwa 5 Wochen mit den beiden gereist bin. Es ist unbeschreiblich, wie viel ich in nur 2,5 Monaten Work and Travel erlebt und wie viele andere Backpacker ich getroffen habe.

Ich kann es kaum abwarten, wieder einen kleinen Schritt ins Ungewisse zu wagen und aus jedem Tag, der mir hier noch bleibt, das Beste zu machen.




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