“Be careful of
that spinexfax tree”, ermahnte uns Wayne und deutete auf die stachelige
halbkugelfoermige Pflanze, die einen Grossteil des Bodens bedeckte. Corinna und
ich trugen Shorts und waren fuer eine Wanderung im Buschland nicht besonders
gut vorbereitet, da wir den gesamten Morgen geputzt hatten und noch in
derselben Kleidung steckten. Wayne hatte sich vorgenommen, uns an diesem Tag
mehr ueber seine Kultur und das, was sein Vater ihn gelehrt hatte, zu
erzaehlen.
Wir stapften
ueber die harte, trockene Erde, die mir rotem Staub bedeckt war, der meine
Schuhe und Waden mit jedem Schritt etwas mehr einfaerbte. “Do you know what
this is…?”, fragte uns Wayne im Abstand von 5 Minuten. Er deutete dabei auf
unterschiedlichste Pflanzen, Blueten und Baeume. “This is…”, begann er jeden
Satz und nannte uns zunaechst den Namen in seiner Muttersprache ‘Kurrama’ und
dann in Englisch. Corinna und ich versuchten, die Bezeichnungen in Kurrama zu
wiederholen, aber scheiterten. Tharrkan, wanalyanku, pukarna, wanpayi, witiyangu,
nhirti, puntangungu, marrayin, kujiwangkalarra.
Ueber meinem Kopf
war ein Fragezeichen.
“You need to
remember all these names”, forderte er uns auf. “You need a brain like an elephant.”
Er erklaerte uns mehr ueber Naturmedizin, liess uns Heilpflanzen riechen und
schmecken und verriet uns, aus welchem Holz welches Werkzeug hergestellt wird.
Wayne zeigte uns einen Baum, aus dessen Rinde eine Tragschale fuer ein Baby
gefertigt wird: Pflanzen, die zur Herstellung von Speeren verwendet werden und
Klanghoelzer, die das Zwitschern bestimmter Voegel nachahmen sollen.
“And did you know
that we have the deadliest snakes? Have you ever heard about the king brown?”.
Er grinste Corinna an und stapfte daraufhin durch die kniehohen Graeser. “No
worries, Corinna. It is too cold at the moment”, beruhigte er sie, als er ihren
aengstlichen Gesichtsausdruck registrierte. Wayne genoss es, einen kleinen
Spass auf unsere Kosten zu machen, weil wir so wenig ueber die spezifische
Flora und Fauna Westaustraliens zu wissen schienen.
Er fuehrte uns zu
einem kleinen Bach, an dem wir uns setzten und fuer einen Moment verweilten.
“This is where my people stay. Sometimes we go bush and we camp here in our
swags under the moonlight. The men go hunting and we have a nice fresh kangaroo.
Did you know that you can actually drink the water from this freshwater creek?
Nice to have a swim here in summer!”, erklaerte er und pflueckte dabei eine
lange grasaehnliche Pflanze, die er uns in die Hand drueckte. “Come on, try
this. You can eat the tip. My people used to eat this.”
Ich versuchte,
mir mich aus der Beobachterpersektive vorzustellen. Es muss seltsam ausgesehen haben, wie wir in
den ueberdimensionalen Grashalm bissen und mit skeptischem Gesichtsausdruck
kauend auf das Wasser starrten.
Es fiel mir immer
noch schwer zu glauben, dass das, was Wayne uns erzaehlte, nicht Teil einer
Geschichte der Vergangenheit war, sondern tatsaechlich der Realitaet entsprach.
Irgendwo da draussen schien es Menschen wie Wayne zu geben, fuer die das, was
uns so fremd erschien, voellig normal und Teil des taeglichen Lebens war. Trotz
Technisierung schien es Menschen zu geben, die Werkzeuge aus Holz bauten, jagen
gingen, Beeren und wilde Straeucher pflueckten, mit Kopfschmuck und
Koerperbemalung am Feuer tanzten und ohne grossen Besitz gluecklich waren. Menschen,
fuer die die Naturlehre eine wichtige Rolle spielt, die zur Behandlung von
Krankheiten Pflanzen in der Natur suchten und aus Schlangenholz Speere zum
Jagen schnitzten.
Wayne freute sich
wie ein Kind an Weihnachten, als er mitten im Busch eine Raspel fand, die ein
anderer Aboriginal zurueckgelassen haben musste.
Er fuehrte uns
auf einen Steinhuegel, von dem aus man das Land von oben betrachten konnte. Wir
verbrachten dort eine Weile. Ich starrte auf das unberuehrte Buschland.









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