Peter und ich sitzen auf den Plastikwartestühlen der Bank, die mit den grauen PC´s eher wie ein altes Büro aus den 90ern wirkt und diskutieren, wie viel Geld wir wechseln sollen. Es verwirrt mich, dass es in Cuba 2 Währungen gibt. CUC (Cuban Convertibles), sozusagen die Touri-Abzock-Währung, die vom Geldwert vergleichbar mit dem Euro ist und CUP (Cuban Pesos), die Einheimischenwährung, an die man als Tourist kaum herankommt. Das Verrückte ist, dass man als Ausländer fast alles nur in CUC zahlen kann und die Preise für z.B. Essen vergleichbar mit europäischen Preisen oder häufig sogar höher sind während man mit derselben Menge CUP wie ein König leben könnte. KÖNNTE, weil es nahezu unmöglich ist, an CUP heranzukommen oder Restaurants zu finden, in denen man mit der Einheimischenwährung zahlen kann bzw. darf. So findet man zum Beispiel manchmal kleine Shops, in denen man eine Portion Spaghetti entweder für 12 CUP (ungefähr 50 Cent) oder 6 CUC (6 €) kaufen kann. Und um an CUP zu kommen, muss man mit Einheimischen ein Tauschgeschäft eingehen, bei dem man etwa 20 % CUP verliert. Wenn man darüber ein bisschen weiter nachdenkt, dann erklärt das, warum die meisten Menschen in Kuba über sehr wenig verfügen während zum Beispiel die Casa-Inhaber, die Touristen bei sich wohnen lassen, unverhältnismäßig viel verdienen, wenn sie pro Zimmer 25 CUC -also ca. 25 Euro- einnehmen und sich dann für 12 CUP Spaghetti kaufen. Ziemlich verrückt.
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„Ziemlich verrückt“, denke ich mir, als mich vor der Bank eine Frau mit Baby auf dem Arm anspricht. „You wanna see my place?“, fragt sie und blickt mich erwartungsvoll an. Ich schüttel den Kopf. „I Need family photo“, fügt sie hinzu und zeigt dann auf ihr Baby, auf Peter und mich. „Wie jetzt?!“, frage ich mich und schaue die Frau verwirrt an, die mir daraufhin in ziemlich broken English erklärt, dass sie will, dass ich ihr Baby auf den Arm nehme und wir dann ein Fake Family Picture für ihr Tripadvisor-Profil machen. „Have to show that families like my place“, grinst sie und zieht mich an meinem Arm ein paar Meter zurück. Angekommen an einer Tür mit Eisengitter im hinteren Teil einer Einkaufspassage bitte ich sie, mich gehen zu lassen. Ich habe keine Ahnung, ob sie wirklich nur ein Foto will oder einen anderen Grund sucht, mich in ihr Haus zu locken. „No, sorry.“
Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben. „Why not?“, fragt sie. „Pleeeeease.“
Ich will kein Familienfoto und außerdem könnte dieses Kind mit dem dunklen Teint und den haselnussbraunen Augen niemals von mir sein. Das wird auch jeder bei Tripadvisor feststellen. Ich lache. Wie verrückt von ihr.
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“Ziemlich verrückt“, denke ich mir, als uns unser Tourguide Miguel auf unserer Wanderung durch den Nationalpark von Vinales erzählt, dass er diese Tour mindestens 2x täglich 363 Tage im Jahr seit 5 Jahren macht. Mindestens 15 km pro Tag, 3.945 km pro Jahr und 19.725 km (danke, Samsung Rechenapp) seitdem er begonnen hat, diese Wanderung für 20 CUC pro Person anzubieten.
Jeden Tag über die sandigen Wege zur Tabakfarm, jeden Tag zur Kaffeeplantage, jeden Tag zum See und jeden Tag zur Aussichtsplattform. Jeden Tag zwei Zigarren, 2 Tassen Kaffee und 2 Gläser Wasser. JEDEN Tag! Und nur 2 Urlaubstage pro Jahr. Was für ein verrücktes Leben und unglaublich, wie viele Kilometer er dabei zurücklegt.
Wir sind in 3 Tagen etwa 60 km gewandert und mindestens 40 km mit unserem Leihfahrrad gefahren und ich fühle mich bereits, als hätte ich mich für irgendeinen Pilgertrip angemeldet und muss ein bisschen an Karley´s Trip durch Europa denken. Wie überlebt Miguel das nur?
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„Wie überlebe ICH das nur?“, frage ich mich, als wir im strömendem Regen nach einem sonnigen Tag an einem Strand mit glasklarem Wasser an einem Ort namens Könnte-ich-Spanisch-würde-ich-mich-an-den-Namen-erinnern ins Zentrum von Vinales fahren. Wir fahren mit etwa 70km/h über die von Schlaglöchern übersäte Straße. Der Regen prasselt gegen die Windschutzscheibe des grünen Chevrolet-Taxis und die Sicht ist ungefähr so gut wie in einer Waschanlage, wenn gerade der Schaum aufgetragen wird. Unser Taxifahrer mit dem roten Shirt, dem Goldkettchen und jeansblauen Basecap lehnt entspannt den Arm aus dem Fenster und weicht den Schlaglöchern in Schlangenlinien aus, als hätte er gerade mindestens 2 Promille während ich mich an der Lehne der schwarzen Kunststoffledersitzbank festhalte. Neben mir 2 Französinnen, die komplett geduscht werden, weil die vorderen Fenster geöffnet sind und der Regen durch den Fahrtwind nur in den hinteren Teil des 9-Mann-Oldtimer-Taxis gelangt. Und dazwischen ich. Als unser Taxifahrer die Scheibenwischer anstellt, ist das Ganze ungefähr so sinnvoll wie ein Staubsauger in der Wüste. Ich beobachte, wie sich der Wischer im Schneckentempo von links nach rechts bewegt und frage mich, wie unser Fahrer überhaupt etwas sehen kann.
Vielleicht macht er die Fahrt auch 2x am Tag 363 Tage pro Jahr?
“Er kann froh sein, dass ich kein Spanisch spreche“, denke ich, als wir knapp an einem gelben Bus vorbeischrammen und einen türkisfarbenen Käfer von rechts überholen. „Est-ce-que tu peux lui demander s’il peut fermer la fenêtre?“, frage ich die nasse Französin neben mir als meine Hose langsam aber sicher ebenfalls nass wird und freue mich, dass von meinen Französischkenntnissen noch ein klein wenig hängen geblieben ist. Danke, Frau Breternitz. Hat doch etwas gebracht!
Wir weichen in letzter Sekunde aus, als unser Taxifahrer für mehrere Sekunden das familienpizzagroße Lenkrad loslässt und mit beiden Händen versucht, das kaputte Fenster nach oben zu ziehen und auf ein Verkehrsschild am rechten Fahrbahnrand zusteuert.
Hallo Mr. Taxifahrer, ist das hier die 15-CUC-Liveausgabe von Need for Speed Kuba? Ich will hier raus.
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