Samstag, 14. Mai 2016

Heathrow Airport Obstacle Run

Samstag, 8:00 Uhr, Hamburg Flughafen.

Als Christa von der Bavaria Fernreisen-Reisegruppe noch damit beschäftigt ist, ihren Koffer für ihre einwöchige Fernreise nach Südengland (olé olé) zu wiegen, liege ich gedanklich schon in Kuba am Strand. 22,8 kg. Christa lächelt zufrieden. „Mensch, Alex, gerade nochmal Glück gehabt! Ohne dieses Ding reise ich nirgendwo mehr hin“, grinst sie und steckt ihre kleine Kofferwaage zusammen mit ihrem Reiseführer zurück in den blauen Trekkingrucksack.

Ich lege mein Backpack auf das Transportband. 10,2 kg. Mensch, Christa, da hab ich auch gerade nochmal Glück gehabt. Und das für eine FERN-Fernreise! Ich muss mir ein Grinsen verkneifen.

Wäre ich jetzt Christa, dann könnte man feststellen, dass mir exakt 12,6kg für meine perfekte Fernreise fehlen.

Und wäre Christa ich, dann hätte sie jetzt ein Problem, weil sie mit meinen Sachen nur 3,13 Tage hinkäme (danke, Samsung-Rechenapp) und ihr ein Mini-Bügeleisen, ein Klappfahrrad und eine Hightech-Schneeausrüstung und alles, was man sonst noch für die perfekte Bavaria-Fernreise nach Südengland benötigt, fehlen würden.

…aber ich bin ja schließlich nicht Christa und Christa ist nicht ich!

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8:45

Ich möchte beantragen, dass es mehr Nacktscanner gibt.

Ja, das meine ich Ernst!

Zum Einen ist es für die meisten schon eine Herausforderung, sich 3 Sekunden mal nicht zu bewegen (Hinweissschild: BITTE BEWEGEN SIE SICH 3 SEKUNDEN NICHT UND NEHMEN IHRE HÄNDE ÜBER DEN KOPF) -oh mein Gott, wie sollen Jeremy-Kevin und Patrizia-Cheyenne das nur hinbekommen?! Von außen betrachtet ist es ziemlich lustig, wenn man sich das Ganze einmal aus der Warteschlange anschaut, wenn Jeremy-Kevin aufgefordert wird, sich 3-2-1-Sekunden nicht zu bewegen. Und zum Anderen lösen Nacktscanner scheinbar eine positive, kindlich-alberne Grundstimmung aus in denjenigen, die gerade feststellen müssen, dass sie unter ihrer Kleidung ja doch nur nackt sind. Ich durfte auf jeden Fall zu meiner Belustigung 10 Minuten in der Schlange am Securitycheck beobachten, wie jeder – ja jeder! - , der durch den Scanner läuft, am Ende einen Gesichtsausdruck hat, als hätte man ihm gerade den eigenen Chef im Borat-Badeanzug präsentiert. Achtet beim nächsten Mal darauf, wenn ihr am Flughafen seid, wie viele grinsende Menschen euch aus dem Nacktscanner entgegenkommen!

Ich möchte beantragen, dass es mehr Nacktscanner gibt!

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10:15

Sollte ich also jemals todunglücklich sein, steckt mich einfach in den nächsten Flieger!

…oder kauft mir einen Nacktscanner!“

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11:15 Uhr Ortszeit. Wir landen in Heahtrow

95 Minuten bis zum Anschlussflug nach Dallas MINUS „Please be at the boarding gate 30 minutes prior to departure“ MINUS 15 Minuten Busfahrt von Terminal 5 zu Terminal 3 und eine Empfehlung auf meinem blauen Umschlag mit den Bordkarten, sich für dieses kleine Abenteuer 90 Minuten einzuplanen.

Rechne rechne rechne. Bleiben ja noch 50 Minuten. KREISCH

Mit einer Geschwindigkeit à la Edward von Twilight (nein, ich mag Twilight nicht) renne ich mit meinem lila Rucksack über die Rollbänder, als der Bus endlich mit 20km in Slow Motion nach 20! Minuten bei Terminal 3 ankommt. Noch 45 Minuten bis zum Boarding. Heathrow Airport Obstacle Run – ich nehme die Herausforderung an!

“SORRY, i have a tight schedule“, sage ich und halte der Securityfrau mit dem blauen Hütchen und dem goldenen Emblem mein Ticket an der FAST LANE unter die Nase.

Erst fragt sie „Are you business or priority class?“ , wirft einen kurzen Blick auf mein Ticket und dann nimmt sie die Schnalle, rastet das schwarze Band aus dem kleinen Pfeiler aus und lässt mich mit den Worten „Oh…I guess they are already boarding“ vorbei. Sie schiebt am Handgepäckcheck eine graue Plastikkiste vor den Scanner, drückt die nachfolgenden Kisten zurück auf das Band und zeigt in die Kiste.“HURRY!“ Ich werfe meinen Rucksack in die Kiste.

Schichtwechsel am Detektor.

Ausgerechnet dann, wenn meine Box gerade in dem kleinen Rollbandtunnel steckt. Ich starre nervös auf den Kunststoffvorhang so wie 95% der Deutschen am 31.12. um 30 Sekunden vor 12 in den Himmel blicken. Ich überlege kurz, ob ich einfach die Box einfach aus dem Detektor reißen soll, als Mr. Securityofficer ganz gemütlich seinen Hemdkragen zurechtrückt. Komm schon, Officer!

“ Do you think you will make it?“, fragt mich der große Engländer mit dem roten Printshirt, dessen Box soeben für meine zurückgeschoben wurde.

YES, I WILL, versichere ich und reiße meinen Rucksack vom Band. Ich hüpfe förmlich durch den Metalldetektor auf die andere Seite, wo ein Mann mit grünem Hütchen mich am Nacktscanner vorbeiwinkt (YES, 3! Sekunden gespart!).

Und dann renne ich einfach nur noch.

Aus dem Weg, ihr Langsamlatscher und Im-Weg-Herumsteher. Hier kommt Speedy Julia Gonzales, die schnellste Rennmaus vom Heathrow Airport. KREEEEEEEEEEISCH.

Ich renne die grauen meterlangen Gänge entlang und stoppe alle paar Meter für 3-2-1-Sekunden, um mich zu vergewissern, dass ich in die richtige Richtung laufe. Und ich frage mich, wie ich meinen Anschlussflug von Dallas nach Cancun mit noch weniger Zwischenzeit erreichen soll, wenn ich jetzt schon zu unfreiwilligen sportlichen Höchstleistungen beim Heathrow Airport Obstacle Run getrieben werde.

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Und dann plötzlich: Spielstraße, Schrittgeschwindigkeit, erster Gang. Achtung, Ball auf der Straße.

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Stopschild.

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Ich stehe vor einer schwarzen Flugzeitentafel und fahre mit meinen Augen über die gelben Leuchtbuchstaben, als würde ich gerade meine Einlaufzeit beim Hamburg Marathon checken

12:50, 12:50 Zwölfuhrfünzig. Zwölfuhrfünfzig. ZWÖLFUHRFÜNFZIG?…Mohohoment. VIERZEHNUHRVIERZIG?! Please look at 13:20 for details. 13:20: Please look at 12:50 for details. FLIGHT DELAYED TO 14:40.

JACKPOT,JULIA: BITTE MAL 3 SEKUNDEN NICHT BEWEGEN.

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RRRUHIG BLEIBEN, JEREMY-KEVIN. Mama kauft dir gleich ein Schokocroissant mit extra viel Schokolade und eine Vanillemilch.

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