Ich schaue auf unserem Flug von Havanna nach Cancun aus dem Flugzeugfenster und beobachte, wie die Wolken an uns vorbeiziehen. Kuba ist definitiv eine Reise wert. Es ist kein Strandurlaubsziel und auch nicht unbedingt ein typischer Ort für Backpacking, wenn man als Mädel allein reist, aber eine interessante kulturelle Erfahrung, wenn man erst einmal das Zentrum der Touri-Hochburg Havanna verlassen hat.
In Kuba ist mir aber auch bewusst geworden, wie sehr ich ein Alleinreisemädchen geworden bin.
Seitdem ich Single und so viel allein gereist bin, bin ich fast irgendwie ein bisschen überfordert, wenn ich plötzlich für längere Zeit mal nicht allein in einem fremden Land bin. Ich wusste natürlich, dass diese Reise anders wird – schon in dem Moment, als ich auf mein Handy geschaut und gelesen habe, dass Peter den Flug gebucht hat. Aber ich habe nicht gedacht, dass es SO anders wird.
Ich bin inzwischen an meinem „Ich-will-allein-sein-Punkt“ angekommen. Peter möchte zwar dieselben Dinge wie ich sehen und wir haben echt verdammt viel unternommen, aber mir ist schnell bewusst geworden, dass seine Reiseeinstellung und -erwartung eine völlig andere ist. Ich fühle mich ein bisschen wie auf einem Honeymoontrip einer arrangierten Hochzeit, die ich niemals wollte mit einem Typen, den ich ebenfalls nicht in dieser Hinsicht will und der offensichtlich Erwartungen an mich hat, die ich nicht erfüllen kann und nicht erfüllen will. Ich teile meine Sonnencreme, weil er keine mitgenommen hat, habe ein Handtuch abgegeben, weil er keins dabei hat, trage seine Wertsachen in meinem Rucksack herum, weil er nur seinen großen Backpack hat, schließe unsere Sachen zusammen ein, weil er kein Vorhängeschloss hat und teile seit 6 Tagen mein Geld, weil seine Kreditkarte nicht funktioniert und ich ihm Geld leihe. Mache Fotos von Dingen, die er festhalten möchte und ich ihm zusenden soll, weil er keine Kamera dabei hat und muss mir meine Alleinzeit irgendwie erkämpfen, weil er nicht versteht, dass das hier kein Pärchentrip ist, bei dem wir die ganzen Dinge teilen, die jeder auf der Packliste hat, der schon mal mit dem Rucksack von Ort zu Ort gezogen ist und die er vergessen hat.
Wer mich kennt, weiß, dass ich schneller als am Heathrow Airport wegrenne, wenn mir jemand das Gefühl gibt, nicht mehr frei zu sein, obwohl ich es eigentlich bin. Wenn jemand 24 Stunden mit mir verbringen möchte und mir keine Zeit zum Atmen gibt. Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand von mir abhängig ist und am liebsten in jeden meiner Fußstapfen treten möchte.
Ob Reise, Freundschaft oder Beziehung: Ich möchte jemanden an meiner Seite, der auch noch weiß, was er will, wenn ich mal nicht da bin. Der mit mir in eine Richtung geht ohne dabei immer exakt denselben Weg zu nehmen und jeden Schritt mit mir gemeinsam zu gehen. Der mit mir händchenhaltend die wichtigsten und meisten Strecken gehen kann, aber sich auch freut, zwischendurch andere Wege zu gehen um mich dann wieder zu treffen und den nächsten Teil wieder mit mir zu beschreiten. Jemand, der auch noch sein eigenes Leben wertschätzt und sich und sein bisheriges Leben nicht komplett für mich aufgeben würde.
Ich habe mir seit Australien geschworen, dass ich nichts mehr tue, was nicht happy macht, wenn es freie Entscheidungen sind. Man sollte nur das tun, was happy macht, denn man bereut nichts mehr als die Momente, in denen man nicht gelebt hat, obwohl man alles hätte tun können, um sie lebenswert zu machen.
Ich möchte in Mexico ins Hostel und unter andere Menschen kommen. Und wenn ich mich dann immer noch gefangen fühle, werde ich allein weiterreisen.
Das Leben ist zu kurz, um Glücksmomente an sich vorbeiziehen zu lassen und traurig hinterherzuwinken. Um irgendwann zurück zu blicken und sich zu ärgern, dass man sich jemandem angepasst hat, den man nie wieder sieht.
DO MORE OF WHAT MAKES YOU HAPPY.

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