Samstag, 21. Mai 2016

Tulum

Am selben Abend sind wir noch nach Tulum gefahren. Vorher haben wir uns noch einen Burrito von einem der Streetfood-Stände in einem Park geholt. Vielleicht entspricht das alles nicht den deutschen Hygieneanforderungen (und vielleicht habe ich auch deswegen das Essen so wenig vertragen), aber ich mag solche lokalen Essensplätzchen total gern und versuche, auf meinen Reisen nicht in Touri-Restaurants zu hängen, sondern dahin zu gehen, wo die Einheimischen essen. So bekommt man einen besseren Eindruck von einem Land, als wenn man sich das Schnitzel an der Strandpromenade gönnt. Mich sollte allerdings niemand sehen, wenn ich einfach mit den Händen einen Burrito und Salat esse und dabei aussehe wie ein glückliches Kleinkind vor dem Spaghettiteller, weil es kein Besteck gibt. Ich liebe es trotzdem.

Anschließend sind wir mit einem Einheimischentaxi (Collectivo) für 2 Euro nach Tulum gefahren. Bart, mit dem ich ja durch Thailand gereist bin, hat gesagt, dass ich unbedingt an seinen Lieblingsstrand fahren sollte.

In Tulum haben wir ein richtig cooles Hostel gefunden, in das ich mich so verliebt habe, dass ich am Ende 4 Nächte geblieben bin. Ein Pool mit gemütlichen Liegestühlen, eine Dachterrasse, eine kleine Bar und das allerbeste Frühstück, was ich je in einem Hostel gegessen habe. Es gab einfach alles von Pfannkuchen über Rührei bis hin zu Porridge, Cornflakes und Toast. Das Hostel stellt alle Zutaten zur Verfügung und kochen muss man selbst. Jeden morgen steht man also mit etwa 10 anderen Backpackern in der offenen Küche auf der Terrasse und jeder kocht etwas anderes und dann frühstückt man gemeinsam draußen an dem langen Holztisch. Das macht es noch einfacher, andere Leute kennen zu lernen, auch wenn ich inzwischen sagen würde, dass man ohnehin innerhalb von Sekunden andere Leute kennen lernt, wenn man möchte.Peter hat sich übrigens ein Einzelzimmer genommen und wir haben ausgemacht, dass wir erst einmal getrennt etwas unternehmen.

Ich habe den ganzen Tag mit Chantal aus der Schweiz und Christopher aus Köln verbracht. Wir haben uns ein Rad geliehen und sind dann zu den Zenoten gefahren, haben in einer der Zenoten gebadet und dann noch einen Abstecher an den Strand gemacht. Das ist jetzt schon das zweite Mal auf dieser Reise, dass ich mir ein Fahrrad geliehen habe und ich werde das definitiv in Zukunft öfter machen. Man sieht einfach so viel mehr als wenn man nur zu Fuß geht oder nur öffentliche Verkehrsmittel oder ein Taxi nimmt und weil ich ja sowieso in Bremen nur mit dem Rad unterwegs bin, hab ich mich direkt ein bisschen zuhause gefühlt. Inzwischen bin ich hier bestimmt schon etwa 100 km Rad in 2 Wochen gefahren.

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„Here`s your towel“, sagt Peter und wirft mir aus einem Meter Entfernung mein blaues Reisehandtuch zu. Ich sitze auf dem Bett im Hostelzimmer. „We go seperate ways now. Good luck with your travels…und schönes Leben noch blablablubb“. Peter schaut mich wütend an.

Ich fange das Handtuch und sage nur „OK“.

Dann verlässt Peter beleidigt das Zimmer.

Ich habe ihn seitdem nie wieder gesehen.

Reisen ist die beste Möglichkeit, um herauszufinden, wie ein Mensch wirklich tickt und ob man auf einer Wellenlänge ist. Man könnte jetzt sagen, dass ich Naivchen das doch vorher hätte wissen müssen, dass sich jeder Typ, der mit mir reisen will, irgendeinen heißen Trip mit mir in seinem Kopf ausmalt, aber das stimmt nicht. Ich hatte ja schon mehrere männliche Travelbuddies (sorry für mein Denglisch) und habe zum Beispiel mit Sebastian in Australien sogar 5 Wochen in einem Auto geschlafen ohne dass er jemals auf die Idee gekommen wäre, mich anzugraben. Und mit Bart hatte ich in Thaliand die beste und unvergesslichste Reise überhaupt. Wir sind immer noch befreundet und sehen uns alle 2-3 Monate auf einen Kaffee. Stimmt also nicht ganz, dass das mit den männlichen Reisepartnern generell zum Scheitern verurteilt ist ;-)

Nunja. Dann reise ich jetzt einfach so, wie ich ursprünglich ohnehin reisen wollte: ALLEIN.

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