Montag, 30. Oktober 2017

Rinjani Part 2

Stellt euch vor, ihr kommt im Winter auf die grandiose Idee, draußen zu campen. Auf den Pflastersteinen. An einem Hang in leichter Schräglage. In einem billigen Zelt aus dem 1-Euroshop mit kaputtem Reißverschluss und Löchern. Ohne Luftmatratze. Nur mit einem dünnen Schlafsack auf einer Isomatte, die so dick ist wie eine Scheibe Sandwichtoast ohne Körner und einem aus Kleidungsstücken gebauten Kissen.

Und das Geilste: Warum eine Nacht, wenn auch 2 möglich sind? Bezahl 1 und bekomm‘ 2. Bei so einem krassen Sonderangebot kann doch kein Mensch „Nein“ sagen,oder?

Ich weiß nicht, wann ich mir zuletzt so den Arsch abgefroren habe. Ok…im Hostelzimmer.

Nein.

Das Hostelzimmer war dagegen wirklich ein Traum. Irgendwann ist nachts nämlich noch ein grunzendes Wildschwein auf Futtersuche an unserem offenen Zelt vorbeigeschnüffelt (kein Scherz!) und ich habe mich eigentlich nur von einer Seite auf die andere gedreht und getestet, in welcher Position ich am wenigsten friere. Und natürlich habe ich mich gefragt, ob sich dieses kleine Schweinchen zu uns ins Zelt grunzt, wenn ich nicht den offenen Eingang bewache und einschlafe. Wäre doch sicher ein Traum, auf einem Vulkan von so einem zuckersüßen Schweinchen, das über den Schlafsack spaziert, geweckt zu werden.

Chrchrchr.

Nachdem ich wieder aufgetaut bin, geht es heute zunächst bergab. An der Felswand entlang bis zum Kratersee. Und der schnellste Mann von Vulkanien gibt wieder Gas. Ist aber dieses Mal halbwegs erträglich, weil der Weg nach unten wesentlich einfacher ist als das Bergsteigen. Allerdings rutsche ich mehrfach auf dem festen Boden mit den feinen Kieselsteinchen aus und falle auf den Po wie ein Kleinkind, das gerade Laufen lernt. Meine Wanderschuhe sind sicherschon so einige Male an fremden Füßen auf den Vulkan geklettert und haben an der Ferse einfach kein Profil mehr.

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“Wie oft machst du das hier eigentlich freiwillig?“, frage ich Mul, als wir die Felsen nach unten stapfen. „2x pro Woche…also immer 3 Tage und dazwischen 1 Tag frei“, antwortet er fröhlich.

Heiliger Bimbamm!

Das erklärt, warum er so ein Tempo vorlegt und sich so verhält wie diese Menschen, die immer zuerst am Buffet sein wollen, sich den Teller vollschaufeln und dann planlos herumsitzen und sich fragen , was sie mit ihrem Leben anfangen sollen während alle anderen noch essen. Dieser Typ hat einfach zu viel Energie!

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Wir laufen um den See, der 200m tief ist und in dessen Mitte Rauchwolken aus dem Vulkankrater in die Luft steigen. Faszinierend. Ein See mitten auf einem Vulkan.

Ich ziehe meinen Bikini an und klettere in das warme Wasser. Im Hintergrund ein Wasserfall. Ich setze mich auf einen Stein in den heißen Quellen. Eine Naturbadewanne in der Sonne mit einem Wasserfall auf einem Vulkan. Wie verrückt ist das denn?

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“Ihr könnt auch in den Kratersee hüpfen“, sagt Mul und drückt mir einen bunten Plastikteller mit Nasi Goreng in die Hand. Ich bin wieder getrocknet, rieche ein bisschen nach Ententümpel, Sonnencreme und setze mich auf die dunkle Isomatte, die unser Equipmentträger Adi vor einem Baum ausgebreitet hat. Matt springt ins Wasser und schwimmt eine Runde. Ich plaudere ein wenig mit Miko und Oorna. Ab heute sind wir nur noch zu viert, weil Alissa und Luca nur eine 2-Tages-Tour machen und nicht mit zum Gipfel kommen.

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“Das bisschen Vulkaaahan, ist doch kein Problem…sagt mein Guide. Das bisschen Vulkaaahahn, braucht doch nicht viel Zeit…“ (ein Song frei komponiert zur Melodie von „Das bisschen Haushalt von Johanna von Koczian).

Ja, so langsam fange ich an, das Klettern und Wandern zu genießen. Über staubigen Boden mit trockenem Gras. Betonbrücken am Abhang im Nebel. Vorbei an riesigen Gesteinsbrocken, die irgendwann mal aus diesem Krater geschleudert wurden und hier jetzt so herumliegen als wären sie nie irgendwo anders gewesen.

Um 12:30 Uhr erreichen wir nach 1,8 km Schotterpiste unser zweites „Basecamp“ 3 Kilometer vor dem Vulkangipfel. 2,5 Stunden eher als geplant. Bisher steht kein einziges Zelt hier, so dass wir uns den Platz mit der besten Aussicht auf den See sichern.

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Um 17:15 Uhr fängt es an zu regnen. Ich klettere zu Matt ins Zelt, lege mich hin und starre an die orangefarbene Plane durch die das Wasser am Fußende auf meine dünne Isomatte tropft. Ich lege eine grüne Plastiktüte auf den Boden und setze mich hin. Plötzlich bewegt sich die Außenplane nach oben und 2 Affenaugen starren mich verwirrt an. Ich lache. Noch jemand, dem es da draußen zu nass ist. Der Affe lässt die Plane wieder los und verschwindet. Genau so wie der Regen, der sich nach 30 Minuten zusammen mit den Wolken am Vulkangipfel in Luft auflöst und jetzt freie Sicht auf den höchsten Punkt des Mount Rinjani ermöglicht.

Noch 12 Stunden und wir sind da oben.

Unglaublich.

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