13:20 Uhr
Ich sitze an einem Tisch bei der
Citymax-Rezeption und gönne mir erstmal das fetteste Stück
Double-Chocolate-Fudge-Irgendwas-Cake dieser Erde und dazu einen Milchkaffee.
Ein verrücktes Gefühl, endlich wieder unter Menschen zu sein!
Ihr könnt euch nicht vorstellen,
wie unfassbar der Kuchen und dieser Kaffee schmecken. Ich hatte zwar kein
Corona, aber ich stelle es mir so ähnlich vor: Erst der Totalverlust der Geschmacksknospen-Funktion
und dann die spontane Rückkehr. BOOM! Wenn man 10 Tage nur Tee getrunken und
Ingwerkekse gegessen hat, ist Kaffee sowas wie der heilige erste Schluck Wasser
am Morgen nach der Saufparty. Der Kuchen löst eine ähnliche Freude in mir aus
wie eine fette Portion Pommes mit Mayo im Freibad.
Endlich wieder Abwechslung.
Im Meditationszentrum gab es
morgens Toast mit Butter oder Toast mit Butter und Marmelade. Alternativ
Haferflocken mit heißer Milch (wenn man es „Porridge“ nennt, klingt es gleich
viel spektakulärer). Ergänzend ein paar Datteln, die meiner Meinung nach
aussehen wie vertrocknete, tote Kakerlaken und jeden Tag Bananen. Ich liiiiebe ja
Bananen (nicht), falls ihr euch an meinen Indonesien-Trip erinnert.
Mittags dann Dal, Curry, Reis, Chapati,
Salat und nachmittags Puffreis. Ja, Puffreis als Mahlzeit. Nicht dieser bunte,
den ihr jetzt im Kopf habt und den man sich als Kind direkt von der Tüte in den
Mund dosiert hat, sondern gepuffter Reis. Allerdings als Spezialkreation mit
Erdnüssen, Cornflakes, Salz und weiteren Gewürzen . Es tat mir immer
mega leid, wenn ich den Teilnehmern als Abendessen diesen Puffreis in die Schälchen
geschüttet habe. Das hat sich einfach ähnlich traurig angefühlt als würde ich jemandem Reiswaffeln als knusprigen Pizza-Ersatz verkaufen. Und meine Freude hielt sich auch in Grenzen, wenn das Meditationszentrum
uns Helfern statt Puffreis pur den Puffreis als Salatkreation mit Tomaten,
Gurken und Dressing durch das kleine Küchenfenster überreicht hat. Puffreis-Salat.
Kein Scherz. Wie bitte kommt man darauf, Puffreis als Basis für einen Salat zu nehmen? Stand der Küchenchef da irgendwann mal in der Küche und ihm sind die Gurken in den Puffreis-Eimer gefallen und er dachte sich "Bämm. Geile Kombi. Es wird Zeit für ein neues Salat-Rezept!"? Das ist auf jeden Fall auch eine gute Idee für die nächste Grillparty,
wenn man einen Salat mitbringen will, den garantiert kein anderer macht.
Aber ok. Ich klinge ja echt wie das verwöhnte Gör eines millionenschweren Influencer-Pärchens. Also Schluss damit. Jetzt sitze ich hier zum Glück mit meinem flüssigen Lebenselixier und diesem göttlichen Schokoladenkuchen. Fast so wie das Kind, das an der Supermarktkasse dann doch seinen Schokoriegel bekommen hat.
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Nach ein paar entspannten Tagen
mit ausreichend Schlaf, noch mehr Kaffee, Sport im kleinen Fitnessraum des
Hotels und Musikhören am Pool schreibe ich Ghaneem eine Nachricht. Wir
verabreden uns für einen Trip zur weltweit längsten Zipline am Samstag. Genau
wie der Stairway to Heaven ist die Zipline am Jebel Jais Berg. Anders als der
Stairway to Heaven gibt es allerdings ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem und
laut meiner Google-Recherche noch keine besorgniserregenden Abstürze.
„Welches Hotel?“, schreibt
Ghaneem, der mich am Samstag abholen möchte, und fügt „Am free till 6 pm“
hinzu. „We can get some coffee.“
Bei Kaffee schlägt mein Herz höher und Johnny Depp Arabia weiß offenbar, wie man mich glücklich macht. Wir treffen uns am
Samstag, fahren zur Zipline und trinken anschließend Kaffee. Klingt nach einem coolen Tag. Perfekt!
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Als ich erneut auf mein Handy
schaue, lese ich „5 Minutes“ auf dem Display. Moment mal. „5 Minuten?! Du meinst
heute??!“, antworte ich und springe auf. Ich sitze gerade tiefenentspannt mit
einem weiteren Kaffee an meinem Laptop und pflege ein paar neue Texte auf
meiner Website ein. Ein typischer Julia-Miskommunikations-Klassiker.
„Oh shit, gib mir 10 Minuten!“
Ich mache mich in derselben
Geschwindigkeit fertig, in der professionelle Aldi-Kassenmitarbeiter die Ware über
ihren Scanner ziehen. Düd düd düd düd düd. Meine Sonnencreme-Eincremetechnik
gleicht der einer Autowaschanlagen-Bürste. Wäre das die Aufzeichnung einer Fernseh-Show, würde man jetzt "Bitte nicht nachmachen" einblenden.
Knapp 10 Minuten später stehe ich leicht durchgeschwitzt und abgehetzt glänzend vor Sonnencreme an der Rezeption.
„Hey, ich bin Julia!“, sage ich
und klettere auf den Ledersitz des eierschalenfarbenen Nissan V8.
„Ich bin Ghaneem“, grinst mich
der Mann in weißem Thawb (das ist das typische knöchellange Gewand der Araber)
an. „Welcome to Ras al Khaimah!“
Ghaneem und ich gehen einen
Kaffee trinken und laufen ein wenig am Wasser entlang. Er arbeitet bei der
Dubai-Polizei und bringt mich mit ein paar lustigen Arbeitsstories zum Lachen. Menschen, die einen Streit anzetteln, weil sie behaupten, dass ihnen ein Berg ganz allein gehört und die Ziege eines anderen darauf nicht grasen darf und Fake-Firmen, die sich als Schädlingsbekämpfer ausgeben. Wo sich dann der Kunde wundert, dass sein Haus auch nach dem Besuch immer noch voller Kakerlaken ist. Fälle, die es in dieser Form bei der deutschen Polizei wahrscheinlich nicht gibt. Anschließend
fahren wir durch RAK und er gibt mir während der Fahrt einen Einblick in das
Leben der Einheimischen.
Wusstet ihr, dass die „echten Staatsbürger“
in den Emiraten nur 15 % der Bevölkerung ausmachen und die restlichen 85 %
Ausländer sind? Und dass ein Mann hier mehrere Frauen gleichzeitig heiraten
kann, sofern er es bezahlen kann? „Mein Vater hatte 7 Frauen, aber heutzutage
kann sich das ja keiner mehr leisten. Man muss ja auch die Frauen bezahlen können
und Shopping etc. sind teuer!“ Ich stelle mir das etwas wild vor, wenn ein Mann mit seinen 7 Frauen shoppen geht und sie alle unter einem Dach leben. Gibt es dann eine Art Wochenplan, wann wer die Nummer 1 sein darf oder teilen sich 7 Frauen tatsächlich einen Mann gleichzeitig? Montag Frau 1 und Dienstag Frau 2? Und warum muss ich da direkt an "Mambo No. 5 denken?"
"I like Angela, Pamela, Sandra and Rita. And as I continue you know they getting sweeter..."
A little bit of Monica in my life
A little bit of Erica by my side
A little bit of Rita is all I need
A little bit of Tina is what I see
A little bit of Sandra in the sun
A little bit of Mary all night long
A little bit of Jessica, here I am
A little bit of you makes me your man.
Die Namen passen zwar nicht, aber das Konzept ist ähnlich.
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Ich stehe in der Empfangshalle
eines Fluplatzes, den Ghaneem spontan und ohne große Vorwarnung von der Autobahn angesteuert
hat. „Julia, du musst hier mal einen Rundflug machen!“ „Jetzt?!“ „Ja, jetzt!" Wenn das
nicht mal spontan ist.
Nur 15 Minuten später sitze ich
neben einem Piloten in einer kleinen Propellermaschine und schaue mir RAK, das
Waldorf Astoria und das Meer von oben an. Ich fühle mich ein bisschen wie Alice
im Wunderland. Über das Waldorf Astoria rüberzufliegen ist auch soviel besser als da zu wohnen.
Was für ein verrückter Tag!
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