Mittwoch, 21. Juli 2021

RAK

Ich hieve meinen Rucksack in den Kofferraum von Ramesh‘ SUV und klettere auf den Vordersitz. Statt zurück nach Dubai, geht es jetzt nach Ras al Khaimah. Ramesh war Meditationshelfer bei den Männern, wohnt in Ras al Khaimah (RAK) und nimmt mich jetzt mit. Was es dort zu sehen gibt? Keine Ahnung. Wie lange ich dort bleibe? Keine Ahnung. Wo ich dort übernachte? Keine Ahnung, aber das wird sich ergeben. Frei nach meinem Motto: Planlos geht mein Plan los!

Aber warum eigentlich Ras al Khaimah? Ein Ort, von dem weder ich, noch du etwas gehört hast und von dem du – außer von mir – wahrscheinlich auch nie wieder etwas hören wirst. Google sagt: Ras Al Khaimah ist das nördlichste Emirat der Vereinigten Arabischen Emirate. Es ist für seine Strände am Persischen Golf bekannt. In der gleichnamigen Hauptstadt zeigt das Nationalmuseum von Ras Al Khaimah, das in einem jahrhundertealten Fort untergebracht ist, regionalgeschichtliche und archäologische Ausstellungen.

1. Wenn RAK so bekannt für seine Strände ist, warum kennt die dann keiner? 2. Regionalgeschichtliche, archäologische Ausstellung von einem weltbekannten Ort, den keiner kennt, klingt ähnlich spektakulär wie ein regulärer Sonntagvormittag in der Kirche mit anschließendem Bienenstich-Essen im Gemeindesaal. ABER: Es gibt hier so ein fancy 5-Sterne-Hotel namens Waldorf Astoria, das aussieht wie die große Hotelversion von Disneyland ohne Türme. 

Und weil mich Disneyland und 5 Sterne nicht interessieren, ist das schon mal ein Ort, den ich für meine Übernachtungen ausschließen kann. Das ist doch auch was. 

Außerdem verschwende ich keinen Euro an ein wahrscheinlich völlig überfülltes Hotel, das mehrere hundert Euro die Nacht kostet und bei dem die Kinder reicher Eltern trotz Hochglanz-Keramiktoilette von Villeroy und Boch und Marmor-Badezimmer in den Pool pinkeln. Dann lieber 4 Sterne. Da weiß ich das wenigstens im Voraus und lasse mir durch einen fünften Stern nix anderes vorgaukeln.

Aber jetzt zur Begründung, warum ich an den Ort der bekannten Strände, die so bekannt sind, dass sie scheinbar niemand kennt, fahre: RAK ist eine Empfehlung von Sebastian, der mehrere Jahre in Dubai gelebt hat. Genau genommen hat er gesagt: „Geh nach RAK und schau dir die Berge an! Und triff dort unbedingt meinen Kumpel Ghaneem. Er ist die arabische Version von Johnny Depp und du musst ihn unbedingt kennenlernen!“

Also: Gesagt, getan. Dann fahr ich mal nach Ras al Khaimah und schaue mir an, was der Ort außer regionalgeschichtlicher und archäologischer Ausstellungen so zu bieten hat.

Sebastian meinte übrigens auch noch, ich solle es mit dem „Stairway to Heaven“ versuchen. Nach kurzem googeln ist mir (und ihm) dann jedoch aufgefallen, dass es vielleicht nicht die brillianteste Idee ist, ohne Wanderausrüstung bei aktuell über 40 Grad einen  über 1600 m hohen Berg zu besteigen, welcher als der gefährlichste in RAK gilt. 

Ein Blog-Beitrag sagt: Der Stairway to Heaven ist als Spielplatz für erfahrene Kletterer berühmt geworden". Wahrscheinlich ist RAK auch genau deshalb bei Tripadvisor bekannter für seine wundervollen regionalgeschichtlichen und archäologischen Ausstellungen als für eine Wanderung auf einem Berg, der mit einem Absturz schon für einige Menschen wortwörtlich der „Stairway to Heaven“ wurde.

Also lieber der arabische Johnny Depp statt eines Trips auf diesen gruseligen Jabal Jais Berg. Guckt euch mal ein Youtube-Video dazu an. Ich hab ja nicht vor vielen Dingen Angst, aber da stürze selbst ich schon beim Zuschauen vom Stuhl.

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„Wo ist eigentlich dein Hotel?“, fragt mich Ramesh und fährt über den Schotter durch das große Eisentor des Meditationszentrums. Er biegt nach rechts auf die Straße ab. Ich knipse schnell noch ein letztes Erinnerungsfoto mit meinem Handy.

„Ich hab noch keins!“, antworte ich und grinse.

Ich werde schon irgendwo spontan unterkommen. Hauptsache, es gibt Kaffee und ich kann länger als 3:30 Uhr schlafen. Das sollte easy machbar sein.

„Aber auf keinen Fall dieses Waldorf Astoria Hotel!“

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