Am Samstag um 11 Uhr holt mich Ghaneem
wieder beim Hotel ab. Dann mal ab zur weltweit längsten Zipline, die mit einer
Strecke von 2,8 km im Guinness Buch der Rekorde steht. Fragen wir mal lieber
nicht nach, wie die Konstruktion errichtet wurde und wer dann zuerst testen
durfte, ob das Seil mit einer Länge von mehr als 28 Fußballfeldern auch
wirklich hält.
Auf dem Weg verpasst Ghaneem
einmal die Ausfahrt und fährt kurzerhand 2 km als Geisterfahrer auf der
einspurigen Autobahn zurück. „Ist das für Polizisten erlaubt?“, frage ich und
muss lachen, als er „No, but nobody is watching!“, antwortet. Hier sind die
Regeln etwas anders. Aber vergesst bloß nicht, euch an die Coronaregeln zu
halten und eine Maske zu tragen, denn das ist mit einer Strafe von etwa 700 €
dann doch ganz schön überraschend.
Nicht ganz so überraschend ist
hingegen die Fahrt mit der Seilbahn, die wesentlich spektakulärer aussieht als
sie tatsächlich ist. Nach etwa 2 Minuten bin ich froh, dass das Seil gehalten
hat und dankbar für den megacoolen Ausblick. Ghaneem hat sich zunächst dagegen
gesträubt und sich dann doch zu einer Fahrt hinreißen lassen. So gehört es sich schließlich für den arabischen Johnny Depp.
Auf dem Rückweg verrät er mir,
dass er mit einer persischen Geschäftspartnerin nebenbei eine Bäckerei
betreibt, aber wir dort auf keinen Fall anhalten können. „Das Gebäck dort schmeckt
nicht“, sagt er und ich fange an zu lachen. „Du hast eine Bäckerei und magst
deine eigenen Backwaren nicht?!“ „Nee. Hauptsache, die anderen Leute mögen sie!“
In Dubai konnte ein Ausländer bis vor kurzem kein Business ohne einen Einheimischen starten. So kam
er dazu, sich an einer Bäckerei zu beteiligen, deren Gebäck er nicht einmal selbst kaufen würde.
Nach einem gemeinsamen Essen setzt mich Ghaneem gegen 18 Uhr wieder beim Hotel ab.
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In den nächsten Tagen ist
eigentlich nix spektakuläres passiert und ich habe die Zeit genutzt, beruflich
etwas aufzuholen. Mehr als 10 Tage lang war ich schließlich nicht erreichbar. Das
ist für mich die absolute Premiere in 2,5 Jahren Selbstständigkeit. Ich war tatsächlich
immer so verfügbar, dass ich eigentlich eine Abwesenheitsnotiz hätte installieren
müssen, wenn ich mal kurz aufs Klo gehe.
Zwischendurch hat mich der Zimmerservice immer wieder mit seinen Aktionen
zum Lachen gebracht. Er wollte scheinbar alles dafür tun, um namentlich in
meiner Booking-Bewertung aufzutauchen. Darum gebettelt hat er fast so wie ein
Schüler, der sich bei einer Frage seines Mathe-Lehrers nicht nur meldet, sondern zusätzlich wild mit den Armen wedelt und schnipst und lautstark "HIIIER!" ruft.
Tag 1 war noch recht harmlos. Da hat Mr. Roomservice mir einfach nur Wasserflaschen in die Hand gedrückt und mir angeboten, dass ich ihn jederzeit fragen kann, wenn ich etwas brauche. An Tag 2 stand er dann mit einem orangefarbenen, aufgerollten Teppich vor meiner Tür. Nicht, dass das bereits seltsam wäre, aber er ist dann samt Teppich unter dem Arm in mein Zimmer spaziert und hat mich gefragt, ob er diesen eher links neben, rechts neben oder vor meinem Bett ausrollen soll. Dabei hat er mir die unterschiedlichen Positionen live wie ein marokkanischer Teppichverkäufer demonstriert. "What do you like?"„Ähhh. Alles sieht gut aus!“, habe ich gesagt. Ihr hättet meinen Blick sehen sollen. Der Versuch, ernst zu gucken, obwohl man eigentlich lachen muss.
Diese Art von Zimmerservice habe ich so auf jeden Fall noch nicht erlebt. Ich habe mich gefragt, ob das immer so ist, dass hier die Einrichtungsgegenstände als besonderes Highlight nach und nach geliefert werden. Heute der Teppich und morgen die Lampe. So lange, bis das Zimmer vollständig eingerichtet ist.
An Tag 3 gab es dann allerdings wider Erwarten doch keine Stehlampe oder Ähnliches, sondern einen Zettel mit seinem Namen und einem Hinweis auf die maximale Anzahl an Sternen bei Booking.com. „Kannst du „Swaraj“ bei Booking erwähnen und ihm mit 5 Sternen für den exzellenten Service danken?“
"Vielleicht."
Offenbar war er sich meiner Bewertung noch nicht ganz sicher. An Tag 4 folgte nämlich ein Bewertungs-Bestechungsversuch mit 20 Packungen Instant-Kaffee („Ich gebe dir so viel Kaffee, wie du willst und du erwähnst mich, ok? MY NAME IS SWARAJ!“). Schon lustig. Mit Kaffee ist er auf dem richtigen Weg. "Ok, Swaraj. Vielleicht."
Das Personal scheint hier so eine
Art Bewertungs-Challenge zu machen, wenn man sich online die Bewertungen anschaut. In fast jeder Bewertung taucht der Service
namentlich auf. Danke an Angeline, Mr. Lakhbir, Guaha, Ramon, Suman, Sylvia. Pech nur, dass bisher keine Rede von Swaraj's Teppichservice ist und seine Kollegin Angeline die Nase vorn hat.
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Trotz ausreichendes
Instant-Kaffee-Vorrates für mindestens 10 weitere Tage entscheide ich mich am Montag spontan, von RAK mit dem Taxi wieder zurück nach Dubai zu fahren.
Dubai hat dann doch etwas mehr zu bieten als ein Hotel mit lustigem Roomservice. Also ab ins Arabian Park Hotel.
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Arabian Park Hotel
Eine blonde, alleinreisende Frau zu sein, hat viele Nachteile, aber auch einige Vorteile. Es gibt nur zwei Optionen: Entweder dir wird richtig hart nervig auf den Arsch gestarrt oder dir wird wortwörtlich der Arsch bis zum Mond gepudert.
Inzwischen habe ich gelernt, mehr die Vorteile zu zelebrieren
als mich über die Nachteile zu ärgern. Und so sitze ich gerade in meinem Hotelzimmer
und warte auf leckeren Kuchen. Den hat mir nämlich der Mitarbeiter der
hoteleigenen Bar versprochen. Er heißt Jude (ja, wirklich) und hat mir nach einem 3-minütigen
Gespräch angeboten, mir etwas vom Buffet zu organisieren, obwohl ich gar kein
Buffet gebucht habe. Yay. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Oder
auch: Einen geschenkten Kuchen sollte man nicht verfluchen. Also her damit. Hoffen
wir mal, dass es beim Kuchen bleibt und nicht in einer JUDEnverfolgung
ausartet.
10 Minuten später klopft es an
meiner Tür und ich nehme eine Papptüte entgegen. Darin befindet sich neben dem
Kuchen noch eine Aluschale mit geschnittenem Eisbergsalat und Wassermelone
sowie ein 1-l-Tetrapack Apfelsaft. Für diese einzigartige Zusammenstellung hätte
Swaraj im Citymax-Hotel definitiv eine Bewertung von mir bekommen: Hier sehen
Sie die Kochkünste der meisten Männer, demonstriert an einem Goodie-Bag. Dressingfreier Eisberg-Wassermelonen-Salat, Kuchen und Apfelsaft im Tetrapak. 2 Gänge in einer Tüte. Von der kreativen Vorspeise ohne Umwege direkt zum Dessert. Dazu ein Drink.
Aber nochmal: Einen geschenkten Kuchen sollte man nicht verfluchen. Salat und Melone: Auch nicht ohne. Dazu ein Liter Apfelsaft: Jude hat alles richtig gemacht.
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Auch am nächsten Tag profitiere
ich von meiner Haarfarbe. In meinem Zimmer steht ein Hotelmitarbeiter auf einer
Leiter und versucht, die zentrale Klimaanlage abzuschalten. Google sagt mir,
dass ich nicht die Erste bin, die sich das wünscht. Google verrät mir aber auch,
dass ich die Erste bin, der dieser Wunsch tatsächlich erfüllt wird. Es ist den
ganzen Tag so arschkalt, dass ich mich bei der Rückkehr in mein Zimmer so fühle
als würde ich nach einem Tag in der Sahara meine Antarktisexpedition antreten. Hätte mein Zimmer einen Filmtitel, wäre es „Die
Heimkehr ins Iglu.“ Außentemperatur 42 Grad. Innentemperatur maximal 15. Das
ist so der Klassiker in warmen Ländern - Ob Dubai, Thailand oder Indien. Mein Ratschlag an dich: Nimm dir immer einen dicken Pullover mit auch wenn die Wetter-App mehr Signale Richtung Bikini denn Schneeanzug sendet. Ich frage mich: WAS ZUM TEUFEL SOLL DAS?!
Auch im Citymax Hotel war ich einmal im hauseigenen und menschenleeren Restaurant in Pullover und langer Hose essen. Immer wieder haben Leute das Restaurant über den Fahrstuhl betreten, sich kurz die Oberarme gerieben und sind dann wieder geflüchtet. Ich habe mir so sehr den Hintern abgefroren, dass der Kellner sagte, ich solle mich doch einfach an den offenen Herd setzen und daran aufwärmen während der Küchenchef mein Fladenbrot backt. Das muss man sich mal vorstellen, wie ich da mit meiner eisgekühlten Cola am Fladenbrot-Kamin sitze. Entschuldigen Sie bitte, aber wir sind in Dubai und draußen ist es so heiß, dass man auf dem Bürgersteig ein Ei braten kann. Dieses Restaurant ist arschkalt und zufälligerweise komplett leer. Wie wäre es, wenn Sie sich an den Herd setzen und mal Ihre Gehirnzellen auftauen?
Ein Glück spreche ich meine Gedanken nicht immer aus und glücklicherweise wurde dann auch in meinem Arabian-Park-Zimmer die zentrale Klimaanlage nach 2 Tagen abgedreht. Ein Dank geht raus an den Erfinder von Wasserstoff-Peroxid. Louis Jacques Thénard du genialer Chemiker, ich danke dir von Herzen für die Kraft meiner Haarfarbe.
Auch ich konnte also schrittweise wieder auftauen und ein paar entspannte Tag am Pool genießen. Außerdem habe ich Bharati wieder getroffen und sie zuhause besucht.
Achja: Und ich habe mir spontan einen Flug gebucht.
Samstag geht’s nach Seattle!
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