Mit 11 Stunden Zeitunterschied vs. Dubai komme ich am Samstag in Seattle an. Das muss man sich mal reinziehen: Ich bin morgens geflogen und komme nachmittags an, obwohl mein Flug 17 h nonstop dauert. Also falls nochmal jemand behauptet, dass man nicht in die Vergangenheit reisen kann: Doch, das geht! Genau genommen habe ich am 26.6. nach meinem Frühstück in Dubai direkt mein Abendessen im Flieger genossen, um dann etwa 6 Stunden später im Flieger nochmal am selben Datum zu frühstücken.
Verwirrend? Ja!
Jetlag? Nein!
Ich verrate euch jetzt mal meine
geheime Superpower, die total beneidenswert, aber auch extrem nervig sein kann.
Sie heißt: Richtig gut schlafen, wann und wo auch immer ich will. Der Vorteil: Manchmal
verpasse ich im Flieger sogar den Start und wache dann verwirrt bei der Landung
wieder auf.
Früher war das undenkbar, aber seitdem
ich ein Jahr durch Australien gereist bin, sind meine Ansprüche an Schlafplätze
so tief gesunken wie das Niveau der Sendungen auf RTL II. Man könnte auf einen
Haufen Backsteine zeigen und mir sagen: „Hey Julia, dies ist dein Schlafplatz!“
und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich am nächsten Tag von einer
fantastischen, erholsamen Nacht auf dem Backsteinhaufen berichte.
Das ist jetzt kein Scherz,
sondern ein Erfahrungswert! In Australien habe ich mehrfach ohne Luftmatratze und
ohne Schlafsack auf einem Steinboden und in Lombok bei maximal 10 Grad Außentemperatur
mitten auf einem Vulkan gezeltet. Ich durfte mir mehrere Wochen lang einen 1,90
m breiten Bulli mit 2 weiteren Personen teilen und auf den Philippinen bin ich mehrfach
trotz Verkehrslärm und rasanter Fahrweise fast schlafend aus dem Tuktuk
gefallen. Mariana hat mich nicht umsonst „Sleepy Julia“ getauft.
Dabei schlafe ich gar nicht
grundsätzlich so viel, sondern nur, wenn mir langweilig ist oder ich gerade
nichts Anspruchsvolles zu tun habe.
Fürs Fliegen ist das absolut
genial. Entweder ich schlafe 14 Stunden oder bleibe einfach wach, indem ich
mehrere Stunden so richtig verbissen versuche, endlich ein verkacktes Mal bei
Mahjong Level 1 zu schaffen. Das Spiel macht mich echt so passiv-aggressiv wie
diese Wartehotline-Musik von AOK Bremen, so dass ich nach jedem Fehlversuch
noch motivierter bin, es beim nächsten Mal endlich zu schaffen. Da ich es
eigentlich nie schaffe, bleibe ich wach (wenn ich wachbleiben will). Auf dieser
Reise habe ich schon ungefähr 80 Mahjong-Fehlversuche für das Einsteiger-Level
und meine Sitznachbarn müssen denken, dass ich geistesgestört bin.
In manchen Situationen nervt es trotzdem,
dass meine Superpower „Einschlafen“ ist.
1. Wenn du einen Film oder eine
Serie schauen möchtest, dann bin ich so ziemlich die schlimmste Gesellschaft,
die du dir vorstellen kannst. Variante A: Ich quatsche dich immer wieder von
der Seite an und frage, worum es denn eigentlich im Film geht, weil ich in
Gedanken schlafe und mich nicht mehr an die Szene davor erinnere. Variante B: Ich
schlafe einfach direkt ein.
Ganz wichtig: Erst tue ich so,
als würde ich dieses Mal alles geben, um wach zu bleiben und zack sind die
Augen zu. Ganz so wie Krankenhaus-Patienten vor der Gabe des Narkosemittels.
Somit kann ich die Filme, an die
ich mich vollständig erinnere, an einem Boxhandschuh abzählen. Nicht einmal von
Klassikern wie Titanic könnte ich die Geschehnisse chronologisch wiedergeben,
sondern erinnere mich nur bruchstückhaft an einzelne Szenen. Also wenn ihr mich
nach meiner ganz persönlichen Filmrezension fragt: Ich glaub, bei Titanic ist
ein Schiff gegen so einen Eisberg gefahren und gesunken. Das wars. Blubb blubb.
Achja. Was mir gerade doch noch einfällt: Es gibt da noch
diese romantische NEEEEEAAAR-FAAAAAAR-WHEREEEEEEVER-YOU-ARE-Szene. Die ist bestimmt
auch nicht zu vernachlässigen und im Zweifel könnte ich sie euch vorspielen (inklusive
Gesang!). Das wars dann aber auch.
2. Zum Einschlafen höre ich oft „True Crime“-Podcasts über wahre Verbrechen. Zu Beginn denke ich immer „Ohh, voll gruselig“ und hab kurz Angst vor dem Monster unter meinem Bett. Nicht einmal 5 Minuten später bin ich im Land der Träume während der Täter im Podcast gerade einen Ablageort für seine Leiche sucht oder der Kannibale von Rotenburg dem Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen Brandes seinen Penis absäbelt
Am nächsten Tag höre ich dieselbe
Folge nochmal und das geht dann mindestens 7 Tage in Folge so bis ich alles in
5-10-Minuten-Abschnitten gehört habe.
3. Die besten Orte zum
Einschlafen im Urlaub sind Flugzeuge, Tuktuks, Busse und Taxis. Dabei fühle ich
mich einfach wie ein Baby in seiner Wiege. In Sri Lanka hat mich tatsächlich
mal ein Taxifahrer schlafend durch die ganze Stadt gefahren und damit den
Umsatz seines Lebens gemacht. Ich hätte mich gern selbst gesehen und
ausgelacht.
Auch dieses Mal habe ich mich
direkt wie ein Chamäleon der neuen Uhrzeit angepasst und den halben Flug
verschlafen.
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