Mittwoch, 7. Juli 2021

Tag 11

Tag 11:

Nachdem wir die Meditationskissen aus der Halle in die Sonne gelegt und den Speisesaal aufgeräumt haben, packe ich meinen Backpack.

10 Tage Vipassana gehen zu Ende! Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich mich ein wenig wie Hubert auf dem Badezimmerboden fühle und gleichzeitig die Euphorie eines Kindes beim Anblick von Schokolade an der Supermarktkasse verspüre. 

Die letzten Tage im Meditationszentrum mit Shilpa (die als Ersatz für Bharati gekommen ist) waren eigentlich noch „ziemlich entspannt“ im Vergleich zu den ersten 5 Tagen. Bei nur 4 Stunden Schlaf pro Nacht fühlt man sich aber trotzdem irgendwann als wäre man mehrfach einem hemmungslosen Planierraupenfahrer unter die Metallkette geraten. Keine Ahnung, wie es sich tatsächlich anfühlt, vom Bulldozer überfahren zu werden, aber exakt so stelle ich es mir im Leben eines wehrlosen Sandhaufens vor. Beziehungsweise: Nicht „man“ fühlt sich so, sondern ich fühle mich so. Es soll ja Menschen geben, die freiwillig dem 5-am-Club beitreten und „How to get more done while the world is sleeping“ praktizieren. 

Bei mir war es in den letzten Tagen eher ein konstantes „How to feel like a Lachsbrot while the world is sleeping“. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich mich 2018 als Teilnehmer fitter gefühlt habe.


Ich ziehe die Bettwäsche ab und lege sie gedankenversunken vor die Tür. Was für eine verrückte Zeit war das bitte?! Die letzten 10 Tage waren nicht immer einfach, aber dennoch unvergesslich. Abgesehen von der Erkenntnis, dass der „5-am-Club“ noch nichts für mich ist, habe ich eine Menge dazugelernt.

 

Was ich mitnehme?

Die Erkenntnis, dass ich „Just accept it!“ noch viel mehr üben sollte. Das soll jetzt übrigens kein Scherz sein. Wirklich nicht. Die wahre Bedeutung ist nämlich, nicht ständig auf Geschehnisse im Außen zu reagieren, auf die man ohnehin meist keinen Einfluss hat. Die nicht beeinflussbaren Dinge zu akzeptieren, wie sie sind und gleichmütig zu bleiben ohne direkt wie ein Bharati-Vulkan in die Luft zu gehen.

Mein Status quo: Ich übe noch! Bis dahin akzeptiere ich gleichmütig, dass ich gelegentlich doch mal explodiere :-D

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