Es ist 8 Uhr morgens und ich sitze am Frühstückstisch des Banana Restaurants. Natürlich wieder in der Nähe der Schildkröten, damit ich sie beobachten kann während ich meinen Kaffee trinke. Ich hätte nicht gedacht, dass mich Schildkröten mal so faszinieren würden, aber inzwischen könnte ich euch eine ziemlich detaillierte Ausarbeitung ihres Paarungsverhaltens liefern.
Gestern Abend hat es nämlich in Strömen geregnet und ich habe eine mehrstündige, unabhängige Schildkröten-Bumsstudie durchgeführt. Kurz nachdem wir von unserer kleinen Regenwald-Expedition zurückgekommen sind, fing es an, in Strömen zu regnen. Also habe ich mich im Restaurant zu den Schildkröten gesetzt, mir Erdnüsse bestellt und gewartet, bis der Regen aufhört damit ich nicht völlig durchnässt bei meinem Zimmer ankomme. Erdnussknabbernd (es gab kein Popcorn) saß ich dann etwa zwei Stunden in der Nähe der Schildkröten und habe mir angeschaut, WIE aktiv diese Kreaturen bei Regen sind.
Ich sag mal so: Schildegard, das scheinbar sexieste Weibchen im ganzen Gehege, wurde ordentlich durchgebumst
und hat jetzt offiziell von mir die Auszeichnung als Nutte unter den Schildkröten erhalten.
Bei Regen kennt die Libido der Schildkrötenmännchen offenbar keine Grenzen. Der Paarungsakt gleicht mehr einem True Crime Szenario denn einer romantischen Liebesnacht unter der Regendusche. Da ich True Crime liebe, fand ich es vielleicht gerade deshalb so spannend? Hier meine frischen Beobachtungen aus der Bumsstudie: Erst wird Schildegard verfolgt. Dann versucht ihr Liebhaber, sie an der Flucht zu hindern so wie man das auch aus Horrorfilmen kennt. Anschließend beißt das notgeile Männchen ihr wahlweise in die Hinterbeine oder den Hals und versucht, wie ein Schornsteinfeger auf ihr Haus zu klettern und das Dach zu besteigen um den Schacht freizupusten. Er rutscht mehrmals ab oder fällt seitlich herunter bis Schildegard machtlos aufgibt während schon der nächste Freier auf sie wartet.
Nur meine Lieblingsschildkröte mit dem plattgedrückten Panzer fand selbst bei Regen niemand außer mir spannend. Dabei hätte sie gestern optisch viel besser in die Rolle der Dorfmatratze des Schildkrötengeheges gepasst.
Heute scheint zu Glück wieder die Sonne und es ist Ruhe im Gehege eingekehrt. Das ist perfekt, denn ich möchte gleich zum Orang-Utan-Center und mir die Fütterung um 10 Uhr anschauen.
"Das Sunbear Conservation Center spare ich mir", denke ich, als ich das Orang-Utan-Center um etwa 11 Uhr wieder verlasse. Es ähnelt mehr einem Zoo als einer echten Regenwalderfahrung und da uns noch ein paar Tage im echten Regenwald bevorstehen, beschließe ich, den Nachmittag lieber im Rainforest Discovery Center zu verbringen.
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"Hast du vielleicht Paypal oder so und könntest meinen Eintritt zahlen und dann überweise ich es dir zurück?", frage ich einen Asiaten als ich an der Kasse des Centers stehe und ein "Cash only"-Schild erblicke. In Deutschland wäre sowas eine ziemlich eindeutige Einladung für das Finanzamt. Hier scheinen sie einfach schlechtes Internet zu haben.
"Have a nice day!", antwortet der Mann und drückt mir ein pinkes Eintrittsband in die Hand. "Wie jetzt?", frage ich und schaue ihn verwirrt an. "It's ok. Just take it", ergänzt er und verschwindet.
"Du hast wirklich IMMER Glück!", würde Harry jetzt sagen. Und ja, ich hatte schon wieder Glück!
Wenn du denkst, du hast kein Bargeld mehr, kommt irgendwo ein Chinese her und schenkt dir einfach 7 € damit du dich den Rest des Tages von wildgewordenen Affen im Rainforest Discovery Center attackieren lassen kannst.
Das Rainforest Discovery Center klingt nämlich nach einem Besucherzentrum oder Museum, ist aber vielmehr eine echte Expedition in den Regenwald. Über Wege und Hängebrücken geht es durch die dichte Vegetation vorbei an riesigen Bäumen, in denen sich zahlreiche Affen tummeln.
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„Hey, ihr zwei, da vorne ist ein großer Affe. Wollt ihr den
sehen?“, frage ich das Pärchen, das hinter mir auf der Brücke spaziert.
Ich habe mich gerade wieder umgedreht, als ich kritisch von einem großen Affen auf dem Geländer des Turms begutachtet wurde.
"Ich glaube, der ist ein bisschen aggro", sage ich und lache.
Der junge Mann grinst.
„Du kannst auch einfach mit uns hier herumspazieren, wenn du Schiss hast. Es ist doch immer cool, neue Leute kennenzulernen.“
Na gut. Da sage ich nicht Nein.
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Romy und Laurens kommen aus Holland und übernachten sogar im gleichen Resort.
Also schließe ich mich ihnen an und wir laufen gemeinsam mehrere Stunden durch den Regenwald. Der Weg führt uns durch tropisches Grün vorbei an riesigen Bäumen, Lianen und Sträuchern. Überall zirpt, raschelt und zwitschert es. Während wir uns gegenseitig unsere Reisegeschichten erzählen, entdecken wir immer wieder Affen, Vögel oder Eichhörnchen.
Bis wir an einem Turm ankommen, der zur nächsten Brücke führt.
Plötzlich kreuzt ein großer Affe mit gefletschten Zähnen unseren Weg und hüpft direkt auf uns zu.
"Jetzt ganz entspannt bleiben, Julia", sage ich mir und drehe mich weg als wäre ich unsichtbar.
„You better run“, sagt Laurens und stampft auf den Boden.
Ich drehe mich um und sehe, dass der Affe immer näher kommt. Dann sprinte ich mit Romy den Turm hoch als wurden wir gerade von einer Tarantel gestochen.
„Das war knapp“, sagt Laurens als wir völlig aus der Puste oben angekommen sind. „Der Affe war gerade dabei,
auf uns loszugehen und ist dann zum Glück umgedreht als ich nochmal auf den Boden gestampft habe.“
Ich muss laut lachen.
„Ich hab euch doch vorhin gesagt, dass immer irgendwas passiert, wenn ich mit anderen Leuten unterwegs bin."
"Vielleicht sollten wir dich doch besser hierlassen", erwidert Romy und grinst.
"Lass uns mal bitte den anderen Weg nehmen. Das geht hier sonst nicht gut", schlage ich vor.
Das hätte jetzt gerade noch gefehlt, dass ich - schon bevor
wir überhaupt in den echten Regenwald gehen - von einem Affen attackiert werde
und mir Tetanus einfange.
Zum Glück ist nichts passiert. Wir genießen stattdessen die atemberaubende Aussicht von den Türmen und die Schönheit des Regenwaldes und überstehen den Tag ohne weitere Affen-Angriffe.
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Als wir gegen 17:30 Uhr zurück zu unserem Hotel fahren, kann ich es kaum erwarten, in den kommenden Tagen noch mehr vom Regenwald zu entdecken.
Kaum sind wir wieder zurück, fängt es an, zu regnen.
Der Schildkrötenpuff ist eröffnet und ich sitze wieder im Restaurant, um meine Studie auszubauen und warte auf Mariana.
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„Ich kann das nicht glauben, dass du wirklich hier bist“, sage ich zu Mariana, als sie die kleine Holztreppe an der Rezeption hochstapft.
Sie nimmt mich in den Arm und lacht: "Nice to see you, Julia. I made it!"
Kaum zu glauben, aber sie hat es wirklich geschafft, innerhalb eines Tages hier
anzukommen. Neuer Pass, neuer Flug und ab nach Borneo.
„Ich musste aber zum Taxi rennen“, erklärt sie mir und zeigt auf ihren Koffer, der nur noch 3 statt 4 Rollen hat. "Mein Koffer ist draufgegangen, aber ich war immerhin pünktlich am Flughafen.“
Ich schaue erst den Koffer und dann sie kritisch an und muss lachen.
„Und ich dachte schon, ich muss alleine in den Regenwald."
„Natürlich nicht. Ich habe dir doch gesagt, dass ich komme."
Und somit sind wir jetzt endlich zu Zweit. Bereit für die nächsten Tage irgendwo im Nirgendwo.
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