Schon auf der Betontreppe am Eingang sind orangefarbene Blüten als „LOVE“- Schriftzug platziert und auf Fäden aufgereihte Blüten säumen den Weg hoch in die erste Etage des Cafés. Oben angekommen, befindet man sich in einem großen, zu drei Seiten geöffneten Raum mit einem Bambusdach. An der rechten Wand hängen aus Holz geschnitzte Gemälde. Die anderen drei offenen Seiten bieten den Blick auf Balis wunderschöne Natur. Man fühlt sich ein bisschen, als würde man in einem überdimensionalen Baumhaus sitzen.
Regelmäßig finden hier Hangdrum Workshops statt oder es wird Livemusik gespielt. Wenn es gerade keine Livemusik gibt, tönt genau die gleiche Spiri-Musik aus den Lautsprechern, die ich jeden Tag zuhause höre. Die perfekte Atmosphäre also, um in den Tag zu starten. Wer würde das nicht auch lieber gegen Frühstück im Jaga Roni House eintauschen?
Jasmin und ich nehmen an einem der Holztische Platz und bestellen uns unser Frühstück. Ich entscheide mich für ein Avocado-Toast mit Ei und einen fancy Drip-Coffee. „Filterkaffee“, würde meine Mama sagen, aber hier bekommt man die gläserne Kanne inklusive Filter direkt an den Tisch geliefert. Während das heiße Wasser durch meinen Kaffeefilter tropft, stöbere ich ein wenig in dem Marco Polo Bali-Ratgeber, den ich mir am Hamburger Flughafen gekauft habe. Jetzt sehe ich gerade bestimmt aus wie so eine typisch deutsche Touristin, die ihre Reiseroute plant.
Auf den ersten Seiten findet man spannende Infos rund um Bali und die Kultur, die ich auch euch nicht vorenthalten möchte. Der Kauf des Reiseführers muss sich ja irgendwie auch gelohnt haben.
Die Geburtenrate liegt in Bali bei 2,2 Kindern pro Frau – wo wir übrigens wieder wieder beim Thema von vorgestern wären – und auf 8 Millionen Einwohner kommen 2,2 Millionen ausländische Touristen pro Jahr. Der Mindestlohn liegt bei 2.713.672 Rupien. Hier stellt sich also nicht die Frage, wer Millionär ist, sondern warum man sich mit umgerechnet nur 165 € pro Monat trotzdem wie ein armer Schlucker fühlt. Ich frage mich, ob hier dann in den Quizshows (falls es das überhaupt gibt) mehrere Billionen erspielt werden und wie die finanziellen Ziele von Balinesen aussehen, denn mit einer Million kommst du hier nicht weit.
Aber jetzt kommen wir mal zu den spannenderen Infos. Bevor sich der Hinduismus auf der Insel durchgesetzt hat, glaubten die Balinesen daran, dass die Götter auf den Bergen und die Dämonen im Meer wohnen. Deshalb ist Bali auch die Insel der Götter. Dankt mir für diese Infos, falls ihr mal an einem Quizabend teilnehmt und diese Frage kommt.
Außerdem herrscht hier das Kastensystem. Das wusstest ihr bestimmt, aber wusstet ihr auch, dass 90 % der Balinesen zu den Sudra -also den Bauern - gehören und ihre Kinder nummerieren? Das erste Kind heißt immer Wayan oder Putu, das zweite Kind Made oder Kadek, das dritte Kind heißt Nyoman oder Komang (wobei Frauen dann eher Komang als Nyoman heißen) und das vierte Ketut. Ich kann euch also verraten, wie die Kinder meines Taxifahrers von gestern heißen ohne meinen Taxifahrer überhaupt danach gefragt zu haben. Ist das cool oder ist das cool?!
Lustig wird es bestimmt in der Schule, wenn Putu aufgerufen wird und sich die halbe Klasse gleichzeitig zu Wort meldet. Und dann weiß man nicht einmal, ob Putu Kind Nr. 1 oder 5 ist, denn beim fünften Kind fangen die Balinesen von vorn an zu zählen. Zur Unterscheidung der Geschlechter packen sie einfach ein I bei den Männern und ein Ni bei den Frauen vor den Namen. Da muss man sich also auf dem Weg ins Krankenhaus bei seinem ersten Kind nicht einmal Gedanken machen, wie es heißt, sondern nur -wenn man es vorher nicht weiß- ob es ein Iwayan oder eine Niwayan wird.
Was ich auch ganz interessant an den Balinesen finde, ist, dass sie im Gegensatz zu uns den Abschied von einer geliebten Person zelebrieren. Sie ziehen mit Figuren in Tiergestalt durch die Straßen, auf denen die Überreste gleich mehrerer verstorbener Personen platziert sind, anschließend spektakulär in Flammen gesetzt und zum Schluss im Meer versenkt werden. Ich freu mich schon auf meinen nächsten Tauchgang mit den Überresten von Wayan 1-100.
Und dann hab ich noch was Spannendes gelesen:
Manche Balinesen züchten dich einen Hahn in einem kleinen Korb heran, der dann als Kampfhahn in einem Wettbewerb gegen einen anderen Hahn antreten soll. Welcher Hahn den anderen zuerst zerstört, dessen Besitzer gewinnt das Preisgeld. Damit es eine echte Zerstörung und nicht nur ein zerpicktes Auge gibt, wird den Hähnen eine scharfe Klinge an den Fuß gebunden bevor sie aufeinander losgelassen werden. Inzwischen gelten die Kämpfe aus Tierschutzgründen (ach echt?!) als verpönt, aber werden weiterhin heimlich ausgetragen. Falls ihr euch fragt, wie man so einen Hahn zu einem aggressiven Gockel ausbildet, dann kommen hier die Top 5 Tipps:
- Traditionell werden Hähne aus bekannten Kampfhahn-Linien gezüchtet, die für ihre Aggressivität und Ausdauer bekannt sind.
- Ein idealer Kampfhahn hat oft einen robusten Körper, scharfe Krallen und ein gutes Reflexvermögen.
- Die Hähne werden oft schon im jungen Alter isoliert gehalten, um ihre Aggressivität zu entwickeln, ohne dass sie von anderen Hähnen oder Hennen abgelenkt werden.
- Die Hähne erhalten eine spezielle Diät, die ihre Muskulatur und Kraft fördert
- In einigen Fällen werden Hähne mit anderen Hähnen „trainiert“, indem sie in kontrollierten Kämpfen (unter Anleitung des Besitzers) gegeneinander antreten. Diese Kämpfe dienen dazu, den Hahn an die Aufregung und den Kampfgeist zu gewöhnen.
Ich stelle mir gerade vor, wie Ilse ihre Freilandhühner gegen so einen aggressiven Bali-Gockel antreten lässt und dieser die friedlichen Flattertiere in 10 Sekunden zu Chicken Nuggets verarbeitet.
Jasmin meinte sogar, dass es in Thailand auch ein Cockfight-Stadium gibt. Also ein extra dafür konzipiertes Stadion, in dem Kampfhuhntrainer ihre Gockel gegeneinander antreten lassen.
Einfach wild.
Aber jetzt weg von den Aggro-Gockeln und noch ein letzter Fun fact: Im 19. Jahrhundert wurde auf Java Nelkentabak gegen Asthma inhaliert, so dass viele Indonesier auch heute noch glauben, dass man der Gesundheit zu Liebe rauchen sollte. Auf den Zigarettenpackungen ist hier trotzdem nicht das Apothekenlogo abgebildet.
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Ich klappe den Ratgeber wieder zu, denn soeben ist mein Avocado-Toast vor mir abgestellt worden. „Ich glaube, ich gehe heute Mittag in den Monkey Forest“, sage ich zu Jasmin. Ich habe den Monkey Forest zwar bereits 2017 besucht, aber könnte stundenlang damit verbringen, mir die Babyaffen anzuschauen.
Gegen 13 Uhr laufe ich kurz zurück zu unserer Unterkunft.
Als ich von weitem erblicke, wie Rauch aus einer vor der Garage abgestellten Tonne emporsteigt, muss ich herzhaft lachen. Hoffentlich fackeln sie jetzt endlich die Bude ab! Ich halte mir die Nase zu damit ich keine Rauchvergiftung bekomme und selbst beim Betreten des Innenhofs habe ich noch das Gefühl, in einer Müllverbrennungsanlage zu stehen. Die spinnen hier doch echt irgendwie!
Ich setze mich kurz an den Holztisch vor meinem Zimmer. Plötzlich läuft an mir eine orangefarbene Katze vorbei, die eine Ratte im Maul hat. Sie rennt erst in Richtung eines der offenen Zimmer der Gastgeber und dann die Treppe zur zweiten Etage hoch. Ihr könnt euch ja ausmalen, was es bedeutet, wenn hier Ratten sind. Dennoch sieht es so aus als würde Garfield gerade die Ratte Rémy aus Ratatouille abtransportieren und meine Fantasie brennt mal wieder mit mir durch. Noch eine letzte Nacht und dann sind wir woanders, denn wir haben gerade beim Frühstück eine neue Unterkunft mit mehr als 9 von 10 Punkten gebucht. Hoffen wir dieses Mal das Beste!
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Ich gehe vorbei an kleinen Shops und Restaurants und halte an als ich eine Werbetafel sehe, auf der Rafting beworben wird.
Das wollte ich schon immer mal machen!
„Wie viel kostet das?“, frage ich den Mann hinter dem Tresen „…und kann man das auch mit Quadfahren kombinieren?“, füge ich hinzu.
„Ja, kein Problem“, erwidert der Mann. Ich versuche, den Preis ein wenig zu verhandeln, aber er beteuert, dass es sich um sein allerallerbestes Angebot handelt.
„Alwedy veby good price!“
„Much more expensib somebere else, miss!“
Mal schauen, was passiert, wenn ich weiterlaufe. „Ich überleg’s mir noch und melde mich später“, sage ich und laufe weiter. „Open till seben, miss“, sagt der Mann.
Okay, dann scheint es wohl wirklich der letzte Preis zu sein, wenn er mich jetzt nicht zurückruft. Dennoch beschließe ich, jetzt erstmal zum Monkey Forest zu laufen. Bis der Shop schließt, habe ich schließlich noch ein wenig Zeit, aber der Monkey Forest ist nur bis 18:00 Uhr geöffnet. Inzwischen ist es schon fast 15:30 Uhr und ich brauche bestimmt noch eine halbe Stunde bis ich ankomme und mein Ticket gekauft habe.
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Die nächsten 2 Stunden verbringe ich in einem dschungelähnlichen Wald voller Affen. Die Affen werden hier nicht gefangen gehalten, sondern bekommen ausreichend Futter und werden gut behandelt. Es ist verboten, die Affen selbst zu füttern. Ich beobachte, wie frisch geschlüpfte Babyaffen an der Bust der Mutter hängen, Litschis essen, sich an das Fell ihrer Eltern klammern oder spielen. Im Monkey Forest ist außerdem ein Friedhof, auf dem ganz viele Putus, Mades, Wayans, Kadeks, Nyomans und Ketuts begraben sind. Ein Bestatter in Bali hat es auch recht einfach und kann einfach Grabsteine mit all den Namen auf Vorrat produzieren.
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Den Rest des Tages verbringe ich damit, mir ein Ticket für das Rafting am nächsten Morgen zu buchen, trinke noch einen Iced Latte und gehe spontan zu einem Keçak Dance. Das ist ein traditioneller Tanz, bei dem oberkörperfreie balinesische Männer, die alle ein Tuch mit Karomuster um die Hüften gewickelt haben, sich im gleichen Rhythmus bewegen und dabei Geräusche machen. Es ist schwer zu beschreiben, wie genau sich das anhört, aber ich muss ein wenig lachen, denn es klingt schon irgendwie lustig.
Cak-ke-cak-ke-cak!
Zwischendurch tanzen aufwändig geschminkte Frauen in traditionellen Kleidern und Kinder mit Glockenarmbändern in der Mitte. Ein paar als Fantasiegestalten verkleidete Männer machen eine Aufführung. Am Ende des Tanzes wird ein Haufen Kokosnussschalen in Flammen gesetzt und ein als Pferd verkleideter Mann läuft mit nackten Füßen über den brennenden Haufen, der von einem Helfer immer wieder zusammengefegt und dann erneut zertreten wird. Das ist genauso absurd wie unterhaltsam.
Auf dem Weg zurück in die Unterkunft fühle ich mich ganz beseelt. Ich bin gespannt, was mich hier noch so erwartet!














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