Gegen 16:30 Uhr verlasse ich das Boot und betrete zum ersten Mal Gili Air. Wie auch auf Gili Trawangan gibt es hier keine Autos oder Roller, sondern Pferdekutschen, Fahrräder und inzwischen auch E-Roller.
Man fühlt sich ein bisschen wie in die Vergangenheit zurückgebeamt, wenn die Pferdekutschen an einem vorbeirasen. Die Pferde tun mir ein bisschen leid wenn ich mir vorstelle, dass sie niemals in ihrem Leben völlig frei über eine Weide rennen sondern von morgens bis abends Touristen, irgendwelche Materialien oder Lebensmittel von A nach B transportieren werden.
Am Fähranleger ist sogar ein Plakat aufgestellt, auf dem steht, dass die Pferde angeblich nur 4 Stunden pro Tag arbeiten, mindestens einen Tag die Woche frei haben und jeder Besitzer mehrere Tiere hat damit die Pferde nicht zu sehr überlastet werden. Ehrlich gesagt glaube ich davon keine einziges Wort, denn die Menschen hier sind sehr stark von den Touristen abhängig und nutzen jede Gelegenheit, um Geld zu verdienen. Dabei legen sie definitiv keinen Wert auf Tierschutz, denn der Schaum, den einige Pferde vor dem Maul haben, spricht nicht gerade dafür, dass die Tiere entspannt wären.
Ich entscheide mich dafür, den etwa zehnminütigen Weg zu meiner Unterkunft mit dem Backpack auf dem Rücken und einem weiteren Rucksack vor der Brust zu Fuß zu gehen. Unterwegs halte ich noch kurz an einem kleinen Supermarkt an und erreiche dann einige Minuten später das H2O Resort.
„Welcome!“, werde ich von einem in die Jahre gekommenen Surfertypen mit langen grauen Haaren begrüßt.
„Ich muss noch kurz die zwei Mädels einchecken und dann hab ich Zeit für dich. Nimm gern hier Platz.“
Der Mann an der Rezeption ist ein aufgesetzt freundlicher Australier, der vor einigen Jahren hierher ausgewandert ist und das Resort eröffnet hat. Er gibt mir eine kleine Einweisung und legt dann den Fokus recht schnell darauf, mir Tickets für seine Kurse anzudrehen. „Wir haben einen amaaaazing teacher und unsere Kurse sind immer seeeeehr schnell ausgebucht so you better get your tickets NOW!“
Dann führt er mich zu meinem Zimmer am hinteren Ende der Anlage. Das „Hotel“ hat insgesamt zwei überdachte Outdoor-Flächen, auf denen Kurse stattfinden und bietet neben Yoga auch Soundhealing und vereinzelt Fitnesskurse an. Ich melde mich direkt mal für „Booty Burn“ am Donnerstag an, um seine amaaaaazing Kurstrainerin persönlich kennenzulernen.
Danach packe ich ganz grob meine Sachen aus und verlasse wieder die Unterkunft, um ein wenig die Insel zu erkunden und etwas essen zu gehen. Auf dem Weg buche ich mir für den nächsten Tag eine Schnorcheltour an einem kleinen Kiosk, der nur etwa 2 Minuten von H2O entfernt ist.
Den Abend verbringe ich dann komplett allein (in doppelter Hinsicht) in einem Restaurant und wundere mich, dass hier auf der Insel echt gar nichts los ist. Ich bin tatsächlich der einzige Gast im gesamten Restaurant! Keine Ahnung, wie sich sowas mit zwei Kellnern und einem Koch überhaupt rechnet. Wirklich alle Restaurants am Strand sind so menschenleer, dass es überhaupt nicht einladend ist, dort zu sitzen. Ich entscheide mich stattdessen für ein etwas weiter innen liegendes Restaurant mit bunten Sitzsäcken, die auf Kunstrasen ausgebreitet sind.
„Diese Insel ist wirklich seeeehr einsam in der Nebensaison“, sage ich zum Kellner als ich meine Karte an das EC-Gerät halte.
Ich laufe ein paar Meter Richtung Unterkunft und bleibe stehen als mir Google Maps sagt, dass ich jetzt entweder geradeaus an der dunklen Strandpromenade entlanglaufen soll oder stattdessen einen stockfinsteren Weg nehmen kann, der durch die Palmen führt.
Als ein Mann und eine Frau mit einem Fahrrad an mir vorbeilaufen, frage ich, ob sie mich vielleicht über den dunklen Weg zurück zu meiner Unterkunft begleiten könnten. Die Insel wirkt ein wenig verlassen und es gibt teilweise gar keine Wegbeleuchtung. Außerdem bin ich inzwischen vorsichtiger geworden und ziehe es nicht mehr in Betracht, nach Sonnenuntergang einen komplett dunklen Weg allein zu gehen - auch wenn ich das früher bestimmt getan hätte und sich Bali insgesamt sehr sicher angefühlt hat. Diese Insel gehört allerdings zu Lombok und ist mit ihrer Moschee überwiegend muslimisch und damit auch kulturell völlig anders ausgerichtet.
„Na klar machen wir das. Gar kein Problem“, sagt der Deursche, der gerade ein grünes Fahrrad schiebt und mit einer kleinen Asiatin unterwegs ist. „Wir suchen gerade eh noch ein Fahrrad für sie, aber der Fahrradverleih war schon zu.“
Sie begleiten mich bis zum Eingang von H2O und finden nebenan sogar noch eine Familie, die ihnen um diese Uhrzeit noch ein Fahrrad anbietet.
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Am nächsten Tag laufe ich zum kleinen Shop des Verkäufers, der mir gestern das Ticket angeboten hat. Er begleitet mich zum Hafen wo bereits ein kleines Boot auf uns wartet.
Dort angekommen, werden wir gebeten, Schwimmflossen anzuprobieren und ich teste die einzelnen Größen. Seltsamerweise gibt es immer nur 36-38 und 40-42 und keine 39 oder 40. Mit an Bord ist aber auch eine super kleine Frau aus Kolumbien, die noch mehr Probleme hat, die passenden Flossen zu finden da sie ungefähr Schuhgröße 34 hat. Ich muss lachen, weil meine Füße dagegen echt monströs aussehen. „Ich hab Minifüße und auch einen winzigen Kopf“, witzelt die fast 70-Jährige, die deutlich jünger aussieht.
Als alle endlich ein paar Schwimmflossen in der richtigen Größe gefunden haben, klettern wir auf das kleine Boot und fahren los.
Die Bootstour an sich ist recht unspektakulär und wenig empfehlenswert und hier kommt eine ganz kleine Zusammenfassung:
Zu Beginn bin ich ziemlich getriggert von einem Asiaten, der die ganze Zeit in seiner Nase herumbohrt und seine Popel rollt während seine Freundin ihm den Nacken krault. Ich weiß, dass es respektlos ist, das auszusprechen, aber ich hätte ihm auch gern mal meine Schwimmflosse über den Kopf gezogen als er seinen Popel unauffällig weggeschnipst hat.
„Was stimmt denn nicht mit dem und warum hat er sogar eine Freundin…?“, frage ich mich als das Boot so langsam zum Halten kommt und wir unseren ersten von 4 Schnorchelspots erreicht haben.
Wir halten an einem Ort, an dem es Schildkröten zu sehen gibt. „Bitte folgt alle dem Guide“, sagt unser Bootsführer und scheucht uns vom Boot als würden wir gleich kentern.
„Go,go,go!“
Ich frage nach, was seine Intention ist und warum wir gerade so einem künstlichen Stress ausgesetzt werden (so langsam klinge ich wie so ein völlig versnobter Urlauber, der gern seine tägliche Beschwerde einreichen möchte, oder?).
Er erklärt es mir: Da an diesem Ort so viele Boote geparkt sind, könnte es passieren, dass man sich die Birne einschlägt, wenn man unkontrolliert im Wasser herumschnorchelt und dann ungebremst gegen ein Boot prallt. Daher: Unbedingt dem Guide folgen und keine eigenen Routen einschlagen.
Also schwimmen wir mit etwa 15 Leuten einem Guide hinterher, welcher wiederum einer Schildkröte hinterherschwimmt. Statt also aufzupassen, dass ich nicht gegen das nächste Boot pralle, habe ich jetzt die ehrenvolle Aufgabe, darauf zu achten, dass ich nicht jemandem einen Abdruck meiner Flosse ins Gesicht trete. Es sei denn, Mr. Popel ist im Anmarsch. Gleichzeitig ist muss ich aufpassen, dass auch ich immer rechtzeitig den Flossen oder Armen der anderen ausweiche. Klingt nach richtig entspanntem Schnorcheln, oder?
Beim zweiten Spot schauen wir uns dann eine Unterwasserskulptur an. Sie ist nicht etwa ein Überbleibsel aus einer anderen Epoche, sondern hier vor ein paar Jahren extra für die Touristen versenkt worden. Es handelt sich dabei um einen Kreis aus kleinen Männchen, die sich an den Händen halten und einen Kreis bilden.
Falls ich im nächsten Leben noch nach einer Einnahmequelle suche, habe ich schon eine bahnbrechende Idee: Ich versenke einfach ein paar Ikea-Möbel und verkaufe es als sehenswertes Unterwasser-Wohnzimmer. Und dann kommen jeden Tag solche Deppen wie ich her um sich das tolle Unterwasser-Wohnzimmer anzuschauen und sind überrascht, dass es touristisch und völlig überlaufen ist.
Man schnorchelt hier zusammen mit etwa 40 anderen Leuten um die kreisförmig aufgebaute
Skulptur herum während zehn am Rand geparkte Boote nur darauf warten, dass sich irgendein Depp den Kopf anschlägt. Und wenn die Boote schon keine Gefahr für dich sind, dann hast du auch hier mindestens einmal eine Flosse oder ein anderes Körperteil von jemand anderem im Gesicht. Juhu.
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Beim vorletzten Spot am Ufer von Gili Meno gibt es Korallen und ebenfalls Schildkröten zu sehen. Auch hier folgen wir wieder alle ganz brav unserem Guide mit der roten Badehose.
Anschließend halten wir eine Stunde, um in einem Restaurant mit sämtlichen anderen Touris unser Mittagessen zu genießen.
Den letzten der 4 Schnorchelspots spare ich mir, weil es bereits stark angefangen hat, zu regnen. Ich sitze auf dem Boot und schaue mir die Korallen einfach durch den Glasboden an während die meisten anderen Leute im Regen dieselbe Unterwasserwelt begutachten. Irgendwann kommt sogar noch Gewitter hinzu.
Als alle Leute zurück auf dem Boot sind, sagt unser Guide, dass ihm das ein bisschen Angst macht und nimmt seinen Sohn auf den Schoß während er das Boot steuert. Das ist auf jeden Fall super beruhigend, wenn man mit einem Bretterklasseboot unterwegs ist, in der Ferne die Blitze einschlagen hört und der Tour-Guide dann zugibt, dass er das auch ein bisschen beunruhigend findet. Na cool. Dann bin ich ja wenigstens nicht die Einzige!
In meinem Kopf geht da direkt die Titanicmusik los.
Ich freue mich, als wir im strömenden Regen wieder im Hafen ankommen. Mein Fazit: Die Tour kann man als netten Zeitvertreib mal machen, man kann es aber auch einfach sein lassen. Es sei denn, man hat richtig Bock auf so einen Tourikram!
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Den Abend verbringe ich im H2O Resort beim Soundhealing.
Das ist an sich mega entspannend und ich bin dabei auch fast eingeschlafen.
Wenn da nicht diese dämlichen Gebete der Moschee wären, die in regelmäßigen Abständen die Klangschalengeräusche übertönen. Aus den Lautsprechern dröhnt immer wieder minutenlang irgendein Yalla-Yalla-Gebet von einem Typen mit echt nerviger Stimme, der zwischendurch auch noch singt (falls man das Gesang nennen kann?), was mir ehrlich gesagt ziemlich auf den Sack geht.
Ihr seht: Gili Air ist bisher irgendwie nicht so meine Insel.
Und doch ist es interessant, wenigstens einmal hier zu sein um dann vielleicht rauszufinden, dass es einfach nicht so meine Insel ist und mich die ganzen Räucherstäbchen auf Bali mehr abgeholt haben als diese muslimischen Gebete, mit denen man mehrfach täglich unfreiwillig beschallt wird, wenn man nicht zufälligerweise gerade Oropax dabei hat.
P.S. Ich bin gerade unterwegs und lade nachträglich noch ein paar Fotos hoch :-)
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