„Wir haben gerade echt richtig viele Karmapunkte verloren!“, sage ich zu Josie als wir beim Coconut Garden Resort ankommen. Wir mussten leider die Pferdekutsche nehmen, weil Josies Gepäck so schwer ist und es hier ja wie auf Gili Air keine andere Möglichkeit gibt, sich auf der Insel fortzubewegen. Das Coconut Garden Resort ist ein superschönes Hotel im Zentrum der Insel und die wohl beste Unterkunft, die ich auf diesem Trip hatte und haben werde. Sie besteht aus kleinen Bambushütten, die einen wellenförmigen Pool mit einer gewölbten Holzbrücke umranden, der inmitten des satten Grüns Türkisblau leuchtet.
Auf der Veranda jeder Unterkunft befindet befindet sich eine Hängematte und am Pool stehen ein paar Hollandräder rum, die man sich ausleihen kann.
Die Unterkunft ist auf jeden Fall die beste nachträgliche Entschädigung für drei Nächte Jaga Roni House.
Ich buche mich erstmal für zwei Nächte ein. Josie hat bereits vier Nächte gebucht. „Ich schau erstmal, wie mir die Insel gefällt, denn ich hab ja nicht mehr ganz soviel Zeit.“
Nachdem wir unsere Sachen in unseren Zimmern abgestellt haben, leihen wir uns Fahrräder, um ein wenig die Insel zu erkunden. Mit dem Fahrrad sind es bis zum Strand nur etwa 10 Minuten. „Gili Trawangan ist wirklich nicht mehr das, was es einmal war“, sage ich zu Josie. Ich war ja schon 2012 hier und damals gab es nicht annähernd so viele Resorts. Jetzt ist die ganze Insel zugebaut, so dass man automatisch immer in einem Abschnitt eines Resorts sitzt, wenn man am Strand ist. Ich finde es total schade, dass der Vibe dieser Insel durch den ganzen Tourismus so zerstört wurde. Damals gab es vom Weg - der inzwischen sogar gepflastert ist - einen freien Blick aufs Wasser. In kleinen Strandcafes konnte man sich Fruchtshakes oder auch einen Magic Mushroom Shake kaufen und mit dem Hocker im Sand sitzen. Jetzt reiht sich ein Resort neben das andere. Die Kutschen, die auch hier über die Insel fahren, sind fast ein kleiner Widerspruch, denn sie wirken wie das Aufeinandertreffen zweier Zeitalter wenn man gerade kaffeeschlürfend in einem modernen Resort sitzt und eine Kutsche vorbeidüst. Josie war auch schon mal hier und stimmt mir zu.
Josie und ich setzen uns in ein Restaurant am Strand und bestellen uns etwas zu essen und einen Kaffee. Anschließend gehen wir kurz ins Wasser.
„Wir gehen doch auf jeden Fall nochmal zurück zur Unterkunft, oder?“, fragt mich Josie.
„Ich denke schon!“, antworte ich.
Als wir einige Stunden später immer noch plaudernd am Strand sitzen und völlig die Zeit aus den Augen verloren haben, beschließen wir, dass es gar keinen Sinn ergibt, nochmal zurückzufahren.
„Scheiß drauf! Wir gehen jetzt einfach wie richtige Deppen mit unseren Rucksäcken in den Club. Hier kennt uns doch eh niemand!“, beschließen wir und bestellen uns einen weiteren Cocktail.
„You must be rich“, sagt der Kellner, der uns eben verraten hat, dass er nur zum Arbeiten hier auf der Insel ist und eigentlich in Lombok wohnt. Er behauptet, dass er das, was wir eben ausgegeben haben, in einer Woche verdienen würde. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber es gibt hier auf jeden Fall richtig viele Kellner, die nur zum Arbeiten auf der Insel sind.
Josie und ich stehen von unseren Liegestühlen auf. Wir laufen Richtung Straße und duschen kurz unsere Füße im Tauchcenter des Resorts ab.
Anschließend lassen wir uns auf einem
Markt einen frischen Regenbogenfisch grillen, den wir uns ausgesucht haben. „Jetzt haben wir leider schon den Fisch und das Pferd auf unserem Gewissen“, sage ich.
Danach spazieren wir in eine Strandbar, in der Live-Musik gespielt wird und trinken mit dem Kellner ein paar richtig fiese Shots, die aus Wodka bestehen, in den wir so ein buntes Vitaminpulver kippen. Ein blubbernd-sprudelnder Shot, der maximal künstlich schmeckt (obwohl der Kellner meinte, dass das richtig lecker fruchtig sei).
Als gegen 1 die Live-Musik beendet ist und die Lichter ausgeschaltet werden, gehen wir noch mit den Mitarbeitern der Bar in einen Club namens „Sand Bar“. Dort tanzen wir bis etwa halb 3. Dann singen wir noch mit ein paar Einheimischen Lieder auf der Straße und lachen uns kaputt über ein Pferd mit einer Monstererektion, das mit seiner Maske wie Zorro aussieht. Und darüber, dass wir im Dunkeln den Weg zurück zum Resort nicht finden und mit unseren Rädern immer wieder in die falsche Richtung fahren bis wir auf wundersame Weise doch beim Coconut Garden Resort ankommen. Dort springen wir noch in Unterwäsche in den Pool und werden vom Hotelpersonal relativ schnell ermahnt, dass der Pool längst geschlossen sei.
Was für ein Abend!
Es ist faszinierend, dass man manchmal auf solchen Reisen Menschen trifft, bei denen die Verbindung einfach ab der ersten Minute passt.
Josie ist so eines dieser Perfect Matches. Ich bin extrem froh, dass uns das Schicksal uns auf dem Boot
zusammengeführt hat und sich unsere Wege gekreuzt haben!
——
Am nächsten Tag legen wir ziemlich verkatert am Pool. „Wir haben einfach zu viel Zeug durcheinander getrunken“, stellt Josie fest. Diese Shots mit dem ekelhaften Pulver haben uns den Rest gegeben.
„Lass uns heute einfach chillen“, schlage ich vor.
„Was ist denn jetzt überhaupt dein Plan?“, fragt mich Josie, denn mein Flug geht ja eigentlich am 9. Dezember zurück. „Wir müssen doch noch diese Bootstour machen!“
Wir möchten beide unbedingt noch so eine
Vier-Tage-drei-Nächte-Bootstour machen, um mit den Walhaien zu schnorcheln. Ich habe die Bootstour zwar 2017 schon gemacht, aber inzwischen haben sich die einzelnen Stops auf der Route ein bisschen verändert. Dass ich anschließend dann aber nur noch so wenige Tage bis zu meinem Rückflug habe, bringt mich zum Nachdenken.
„Ich rufe mal bei KLM an“, sage ich.
Etwa eine halbe Stunde später habe ich meinen Rückflug auf den 15. Dezember verlegt und 300 € Umbuchungsgebühr bezahlt um 6 Tage länger mit jemandem zu verbringen, den ich gerade mal 24 Stunden kenne. Erklärt mich für verrückt, aber mein Gefühl sagt mir, dass das genau richtig ist! Ich treffe 99 Prozent all meiner Entscheidungen schnell und impulsiv.
Das ist aber auch einfach das Allercoolste an meiner Selbständigkeit: Ich muss niemanden um Erlaubnis fragen, ob ich einfach eine Woche Urlaub dranhängen kann, sondern hol mir einfach eine Freigabe von meinem eigenen Chef: Mir selbst.
Ok, Julia. Genehmigt.
Auf dieser Reise ist mir sowieso bewusst geworden, dass ich es viel zu wenig nutze von unterwegs aus zu arbeiten und die Flexibilität, die mir die Selbständigkeit bietet, bisher gar nicht so sehr geschätzt habe.
Ich weiß auch nicht, ob ich mal auf einer Reise davor so gelassen war wie ich hier, denn ich lasse meinen Laptop 80% der Zeit einfach zugeklappt und lege den Fokus nur auf das, was wirklich getan werden muss. Daher kann ich es mir einfach erlauben, meinen Urlaub bis einen Tag vor Ablauf des Visums komplett auszureizen und einfach einen ganzen Monat Urlaub zu machen. Wie cool ist das?!
„Also machen wir jetzt die Tour?“, wiederholt Josie.
Ich nicke.
„Lass uns mal zu so einem Shop gehen und nachfragen wann das startet und ob wir einen Rabatt bekommen.“
Wir hüpfen nochmal auf unsere Fahrräder und radeln zum Strand. Auf dem Weg halten wir an einem kleinen Stand, der solche Touren anbietet. Leider starten die Touren immer mittwochs oder samstags und heute ist leider Samstag, so dass wir noch ziemlich lange warten und auf dieser Insel abhängen müssten, um an der Tour teilzunehmen. „Mir ist das fast ein bisschen zu lang“, sage ich zu Josie. „Das wäre super, wenn wir einfach Montag abfahren könnten.“
Als wir auf der Suche nach einer Shisha-Bar sind und an einem weiteren Shop halten, erfahren wir - Wunder oh Wunder- dass es eine weitere Tour gibt, die am Montag startet und lassen uns ein paar Informationen per WhatsApp zukommen.
Allerdings erzählen uns auch ein paar Tourenverkäufer, dass sie die Tour gerade nicht empfehlen können da unklar ist, ob man aufgrund des zurückliegenden Vulkanausbruchs überhaupt mit dem Flugzeug von Labuan Bajo zurück nach den Denpasar kommt.
Josie und ich müssen lachen. Andere Menschen versuchen möglichst, den Vulkan und alles was damit zu tun hat, zu vermeiden und wir Deppen buchen uns eine Bootstour um zu der Insel zu fahren, wo vor nur drei Wochen ein Vulkan in die Luft gegangen ist.
„Lass uns morgen nochmal den anderen Tourguide fragen“, schlage ich vor als es in Strömen zu regnen anfängt. Wir setzen uns in ein indisches Restaurant und lassen den Abend bei einer Shisha und einer Runde Kniffel ausklingen.
——
Nach dem Frühstück am nächsten Tag machen wir uns wieder mit unseren Coconut Garden Fahrrädern auf den Weg zum Strand und halten noch einmal an dem Ticketshop, wo wir gestern schon eine Weile mit dem Verkäufer geplaudert haben.
„Wir haben gehört, dass es auch eine Tour gibt, die montags startet!“, sagt Josie.
Nachdem der Ticketverkäufer uns eine Viertelstunde lang erzählt hat, dass die Touren nur am Samstag und Mittwoch starten, fällt ihm plötzlich ein, dass es doch einen Anbieter für den Montag gibt.
„Ja dann buchen wir jetzt einfach!“, sagt Josie. „Ich hab jetzt auch keinen Bock hier noch länger abzuhängen und mit dem Verkäufer zu diskutieren.“
„Yes,we want to do it!“, sagt sie zum Verkäufer, der sich schon über seinen erfolgreichen Abschluss freut.
Ich muss lachen.
„Okay, wir verhandeln aber jetzt noch ein wenig den Preis so,dass wir eine private Kabine nahezu zu dem Preis bekommen, den andere für einen Schlafplatz auf dem Deck zahlen“, sage ich zu Josie. Wobei mir eigentlich schon klar ist, dass ich sowieso auf dem Deck schlafen werde, aber so eine eigene Kabine wird für unser Gepäck zu haben, bringt sicherlich Vorteile mit sich.
Gesagt, getan, gebucht.
Mit unserem Ticket in der Tasche verlassen wir den Shop voller Vorfreude auf unseren anstehenden Komodo Island Trip. Ich bin gespannt, was mich dieses Mal wieder erwartet und hoffe, dass das Wetter mitspielt. In den letzten Tagen hat es wirklich jeden Tag geregnet und das wäre auf dem Boot echt richtig blöd.
Der Wettergott muss unbedingt auf unserer Seite sein! 2017 habe ich die Tour schon einmal gemacht und hatte zeitweise das Gefühl, dass das Boot mit der nächsten Welle untergeht. Das war zwar auch abenteuerlich, aber dieses Mal hätte ich gerne Sonne und würde die Whalesharks sehen.
Also lieber Wettergott: Bitte sorge dafür, dass es immer nur dann regnet, wenn es keine Rolle spielt!
„Und unseren Flug buchen wir dann später?“, fragt mich Josie nachdem wir am Strand gegessen und sie einen kleinen Ausritt mit einem Pferd gemacht hat. Es gibt nämlich nur die Möglichkeit, von Labuan Bajo zurück nach Denpasar zu fliegen oder die ganze Bootstour noch einmal rückwärts zu machen.
„Das wird sich schon alles ergeben“, antworte ich.
„Lass uns schauen, wenn die Tour zu Ende ist .“
—-
Am nächsten Morgen stehen wir schon um 6 Uhr auf. Ich wache voller Vorfreude, aber müde neben Josie auf. Die Unterkunft war leider ausgebucht, so dass ich mich bei ihr einquartieren musste. „Du kannst einfach zu mir ziehen!“, hat sie gestern gesagt und nach zwei getrennten Nächten haben wir uns in der dritten bereits ein Bett und eine Decke geteilt.
Das ist wirklich verrückt beim Reisen und lässt sich manchmal gar nicht so richtig erklären. Mit manchen Menschen bist du nach wenigen Tagen so verbunden wie mit anderen nach Jahren nicht. Es fühlt sich einfach so an, als würden wir uns schon wesentlich länger oder aus einem früheren Leben kennen.
Während Josie noch ihre Sachen packt, bestelle ich schon einmal unser Frühstück. Wir haben nämlich nur eine halbe Stunde Zeit bis wir von unserem Ticketverkäufer, der sich als Rucksackträger angeboten hat, abgeholt und zum Hafen gebracht werden.
Es gibt Brot, Omelette und fluffige Pancakes, die wir uns natürlich auch teilen so wie alles andere auf diesem Trip. Inzwischen haben wir auch schon eine App angelegt, in die wir wie ein Pärchen unsere gemeinsamen Ausgaben eintragen.
„Woher hat der Typ meine Nummer?“, fragt mich Josie als sie auf ihr Handy schaut und eine Nachricht aufploppt, dass unser Ticketverkäufer bereits auf uns wartet. Es ist 6:15.
„Der Typ spinnt doch! Wir haben noch 15 Minuten!“
„Die hab ich mir einfach an der Rezeption geholt!“, sagt er als wir unser Frühstück beendet und einen Rucksack auf seinem Gepäckträger abgelegt haben.
„So einen Typen hätten wir mal bei unserer Ankunft gebraucht. Dann hätten wir jetzt nicht das arme Pferd, das ich liebevoll Pferdinand getauft habe, auf dem Gewissen!“
„Los, beeilt euch! Die warten schon auf euch!“, sagt der Mann als wir den Hafen erreichen.
„Hier wartet schon das Boot auf euch!“
Und dann betreten Josie und ich das kleine Boot, das uns zunächst wieder aufs Festland nach Lombok bringen wird. Von dort aus startet unsere Tour.










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