Donnerstag, 12. Dezember 2024

Schnorcheln mit den Whalesharks

Um 5:30 höre ich Getrampel auf dem Deck. „Die Whalesharks sind da!“

Hat unser Guide namens Uno - der sich übrigens gestern mit „Hi, you know (Uno) my name“ vorgestellt und ein paar verwirrte Blicke geerntet hat - nicht gestern noch 6:30 Uhr gesagt?!

5:30 Uhr. Halleluja. Nicht meine bevorzugte Uhrzeit zum Schnorcheln, aber für die Walhaie könntest du mich selbst nachts um 3 wecken.


Falls ihr davon noch nie gehört habt (und für dich zur Beruhigung, Mama): Der Walhai ist keine Mischung aus Wal und Hai, sondern ein Hai von der Größe eines Wals. Walhaie sind die größten Fische der Welt. Die Tiere können schätzungsweise bis zu 20 Meter lang werden, mehr als 34 Tonnen wiegen und über 100 Jahre alt werden. Die Weibchen sind dabei im Schnitt größer und schwerer als die männlichen Tiere. Walhaie haben einen markant gefärbten blau-grauen Rücken, der übersät ist mit weißen Punkten und Streifen, einen hellen Bauch und ein 1,5 Meter breites, stumpfes Maul. Durch dieses große Maul, das sich über die gesamte Breite des Kopfes erstreckt, lassen die Tiere 6.000 Liter Wasser pro Stunde hindurchströmen. Die Kiemen filtern Plankton, Algen, Krill und andere Kleinstlebewesen und - Achtung, Mama - fressen keine Menschen! 


Walhaie sind besonders friedlich, überhaupt nicht gefährlich für Menschen und können eine Höchstgeschwindigkeit von maximal fünf Stundenkilometern erreichen.


Noch im Halbschlaf klettere ich durch die kleine Luke auf das offene Deck und erblicke einige Meter entfernt ein Boot. Drei Mitarbeiter schaufeln mit einem durchsichtigen Plastikkanister aus einem schwarzen Behälter sowie einer weißen Box etwas ins Wasser und blicken nach unten. Aus der Ferne kann ich nur schwer erkennen, was genau sie da machen. Vielleicht ist das Plankton, um die Whalesharks anzulocken? Ich weiß es nicht.


„Wow!“, höre ich Sam rufen, der bereits mit seinem eigenen Schnorchelset ins Wasser gesprungen ist. Er hat sich aus Malta sein eigenes Equipment mitgebracht da er zusammen mit seinem Bruder Sam Boots- und Schnorcheltouren anbietet. Josie und ich haben uns bereits für 2025 nach Malta eingeladen. 


„Whalesharks!“, ruft Sam.


Ich beuge mich über die Reling.


„Look!“


Und dann sehe ich, wie ein mindestens 4 Meter langer Walhai nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche an unserem Boot in Richtung des anderen Bootes vorbeischwimmt.


Ich ziehe meinen Bikini an und renne aufgeregt die Holztreppe nach unten. „Josephine, wenn du die Whalesharks sehen willst, musst du JETZT aufstehen!“, wecke ich Josie und schiebe die grüne Holztür ihrer Kabine zur Seite.


„Hast du mich gerade etwa Josephine genannt?“, grinst sie und steht auf.


„Los komm, Josie! Die Whalesharks sind da!“ Mein inneres Kind ist gerade ungefähr so aufgeregt wie mein 4-jähriges Ich an Weihnachten und das um halb 6 morgens.


Ich greife mir eines der Schnorchelsets und hüpfe ins Meer.


Mit meinem Kopf im Wasser schwimme ich zusammen mit den anderen, die jetzt ebenfalls wach und auf Walhai-Jagd sind, nach links zum anderen Boot. Zwischendurch schaue ich immer mal wieder nach oben und beobachte, wie sich bereits ein Whaleshark mit geöffnetem Maul etwas von einem der Männer auf dem anderen Boot in den Rachen schaufeln lässt. Ihr könnt es euch nicht vorstellen wie groß so ein Whsleshark-Maul ist!


„Ist das Plankton?“, frage ich und erhalte wenige Minuten später die Antwort, dass es Shrimps sind, mit denen die Walhaie angelockt werden.


„Sie werden also mit kleinen Shrimps gefüttert“, denke ich. Ich habe nun also Shrimps in den Haaren, aber den Whaleshark im Visier. Wer noch nie so ein Wesen unter Wasser gesehen hat, wird nicht nachvollziehen können, dass es jeden Shrimp in den Haaren wert ist. Mein Frisör Niko wird solche Haarexperimente definitiv nicht begrüßen, aber zum Glück gibt es dieses Mal eine Dusche an Board. 


Je länger wir im Wasser umherschnorcheln, desto mehr Tiere tauchen auf. Ich bin -obwohl ich schon einmal in Australien und einmal auf den Philippinen Walhaie gesehen habe- immer noch völlig fasziniert von der Größe dieser Tiere. Allein in das bis zu 1,5m breite Maul könnte ich problemlos hineinschwinmen und dann komplett im Körper des mehrere Tonnen schweren Fisches verschwinden. Wow!


Josie macht parallel vom Deck ein paar Fotos von uns. Da sie sich vor ein paar Tagen beim Reiten so sehr ihre Waden aufgeschürft hat, wäre es jetzt keine gute Idee, inmitten von Shrimps und kleinen Quallen zu schnorcheln. Sie wirft mir außerdem ein neues Schnorchelset zu weil meins ständig mit Wasser vollläuft und ich auch schon einige Schlücke Shrimp-Salzwasser gefrühstückt habe.


„Die Tour hat sich jetzt schon gelohnt!“, sagt sie als wir nach dem Frühstück oben auf den bunten Sitzsäcken sitzen und weitersegeln. 


„Das finde ich aber auch!“, stimme ich ihr zu.


Den kompletten restlichen Tag verbringen wir auf dem Boot auf dem Weg nach Komodo. Wir haben so unfassbar viel Glück mit dem Wetter und liegen bei 30 Grad und Sonnenschein den ganzen Tag faul auf dem Deck, spielen zwischendurch Kniffel und lernen die Anderen besser kennen. 


Als wir den anderen erzählen, dass wir heute unser 5-tägiges Kennenlern-Jubiläum feiern, glaubt uns keiner. „Ich dachte ihr wärt seit Jahren befreundet“, sagt Ryan. „Ihr wirkt wie beste Freunde!“


Am Nachmittag mache ich spontan mit Ryan, Sam und Conor ein Fitnessworkout und spiele den Trainer. Ich liebe es, wenn ich selbst auf einem Boot spontan ein paar Leute zum Sport motivieren kann.


Abends spielen wir sogar mit 9 Leuten Kniffel und müssen immer wieder über Sugar und Yellow Wisdom lachen, die das Spiel noch nie gespielt und ihren Spielzettel mit Google auf Chinesisch übersetzt haben. 


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Der nächste Tag startet nach dem Frühstück mit Schnorcheln am Pink Beach bevor wir gegen Mittag Komodo und die Komododrachen besuchen. Abends klettern wir auf einen Berg von dem aus man den Blick über gleich mehrere Inseln und Strände hat.


„Was für eine meeeega Tour“, fasst Josie unseren zweiten und dritten Tag zusammen als wir gerade das Thunfisch-Curry mit dem Thunfisch essen, den Uno heute für uns gefangen hat. „Wir haben soviel Glück mit dem Wetter und das hier auf dem Boot hat sich richtig gelohnt! Das ist ja fast zu billig…was wir alles gesehen haben für nur 238 €!“


Als ich nachts bei strömendem Regen wieder auf meiner dünnen Matte auf dem Deck liege und der Wind gegen die Plastikplane hinter mir peitscht, bin ich einfach nur dankbar. 


Scheiß auf Shrimps in den Haaren, dreckige Füße und eine Matratze, die keinen Komfort bietet: Du könntest mir morgen eine Million Euro überweisen und ich würde trotzdem kein Hotel der Welt gegen dieses schäbige Boot eintauschen, auf dem ich solche unvergesslichen Erfahrungen machen darf.








































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