„Hab ich vielleicht noch Zeit, zur Toilette zu gehen?“, frage ich den Mann, der soeben meinen Rucksack aufs Boot gestellt hat.
„Nee, wir fahren jetzt los“, antwortet er. Ich klettere in der Mitte über einen Holzbalken und setze mich dann an der Seite hin. Ich bin wirklich so gespannt wie die Bootstour dieses Mal wird! 2017 hat das Wetter nicht so richtig mitgespielt und es gab keine Dusche auf dem Boot. Warten wir mal ab, ob es dieses Mal auch so abenteuerlich wird.
Als wir das Ufer erreichen, laufen wir ein paar Meter im Regen zu dem Ort wo unser Reisebulli abfährt. Ich habe endlich die Möglichkeit, aufs Klo zu gehen. Die Toilette gibt mir schon mal einen guten Vorgeschmack auf das, was uns wahrscheinlich in den nächsten Tagen auf dem Boot erwartet: So eine Loch-im-Boden-Toilette und 2 Strohhalme, die als „Türschloss“ zweckentfremdet wurden (einfach die Strohhalme als Riegel vor die Tür schieben und dann kommt bestimmt keiner rein?!). Ein Eimer Wasser als Klospülung. „Bitte kein Papier ins Klo werfen“, aber es gibt eh kein Klopapier und auch nicht meine geliebte Arschdusche. So ein praktisches Ding würde ich mir sofort installieren falls ich jemals ein Haus bauen würde, aber das hier ist ein 1-Stern-Klo. Da kannst du dich wahrscheinlich besser mitten im Regen auf die Straße hocken und hast bessere Hygienebedingungen.
Ich sag’s euch: So eine Loch-im-Boden-Toilette ist auf jeden Fall wortwörtlich der Abgrund wenn man die stärkste Periode auf diesem Planeten oder vom flotten Otto Besuch hat. Ich verrate euch aber nicht, wer von uns beiden was hat. Ein bisschen geheimnisvoll muss dieser Blog schon bleiben, aber es ist schon echt mies, wenn der Zyklus dich ausgerechnet dann mit dieser Phase segnet, wenn du drei Tage auf einem Boot bist.
„Hoffen wir mal, dass das Boot ein bisschen besser ausgestattet ist“, lache ich und erzähle Josie vom Strohhalm-Schloss.
Dann steigen wir in einen Bulli, in dem bereits weitere Reisende Platz genommen haben. Hinter uns sitzen zum Beispiel Benoit aus Frankreich und seine Freundin Annabel, die aus Deutschland kommt und vor einigen Jahren nach Annecy ausgewandert ist und jetzt in der Schweiz arbeitet.
Außerdem gibt es noch Conor, Mike und Ryan aus Irland, die Brüder Sam und Josef aus Malta, Brayden aus Melbourne, Martino aus Italien und ein chinesisches Pärchen.
Wir fahren insgesamt mehr als 2 Stunden bis zum Hafen. Auf dem Weg halten wir an einem Supermarkt mit schon wieder so einer Loch-im-Boden-Toilette und dann noch beim Büro des Reiseveranstalters für unseren „Check-In.“
Zum Lunch gibt es einen giftgrünen Marmorkuchen, den uns einer der Guides in die Hand drückt. Entweder es ist Matcha oder es ist Zusatzstoff E24 bis E3000. Der Kuchen ist ultrafluffig und von der Form und Optik wie ein frisch gekaufter Küchenschwamm mit dem du deine Herdplatten sauberschrubben kannst. Die Farbkombi ist nur nicht Gelb-Grün, sondern Grashüpfergrün-Schwarz. Josie und ich verzichten beide, aber die Chinesen, die nach dem Stop beim Supermarkt auf der Rückbank rechts neben mir sitzen, haben richtig Bock darauf. Sie haben sich auch im Supermarkt ein paar Cracker und 1l ultrahocherhitzte Milch gekauft. Fragt mich nicht, was man mit einem Liter H-Milch auf einem Boot will. Wir werden es vielleicht noch herausfinden.
Chinesen sind einfach so lustige Gestalten. Die Frauen ziehen sich oft an wie Teenager, obwohl sie schon jenseits der 20 sind und haben eine Vorliebe für lustige Schirmmützchen. Die Männer wirken oft so unsicher und schreckhaft. Das trifft auch auf diese beiden zu. Leider verstehen sie kaum Englisch. Sonst würde ich sie mal selbst fragen was man mit einem Liter H-Milch auf einem Boot vorhat. Aber sie haben mir verraten, dass sie Sugar und Yellow Wisdom heißen.
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Nach zwei Stunden kommen wir bei unserem weiß-blauen Holzboot an. Wir werfen unsere Flipflops in eine schwarze Plastikkiste mit Löchern und betreten das Boot, das mich stark an unser damaliges Boot erinnert.
„Es sieht hier echt aus wie damals!“, lache ich. „Na das kann ja was werden!“
Josie und ich stellen unsere Rucksäcke in unsere winzige Privatkabine. „Ich schlafe auf jeden Fall auf dem Deck. Hier bekommt man ja Platzangst!“, sage ich. Die Privatkabine hat zwar -im Gegensatz zum Deck- eine Klimaanlage und eine echte Matratze, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen bei Wellengang ohne Blick nach draußen in einer dunklen Kiste eingesperrt zu sein.
Wir schauen uns ein wenig auf dem Boot um.
Es ist ein überwiegend hölzernes Boot. Im unteren Bereich befindet sich hinten eine „Küche“ wo ein paar Töpfe aufgebaut sind und das Personal bereits unser Abendessen zubereitet. Rechts daneben sind sich zwei Toiletten und ein Waschbecken.
Vorbei an den Privatkabinen gelangt man in unseren Essensbereich, in dem sich zwei gegenüberliegende blaue Bänke befinden. Von hier aus gelangt man nach oben auf das überdachte Schlafdeck, vor dem sich die Kabine des Kapitäns sowie ein Bereich zum Chillen mit bunten, in die Jahre gekommenen Sitzsäcken befindet.
Der Unterschied zum Boot von 2017: Es gibt gleich zwei Duschen! Zwar im selben „Raum“ wie die Toiletten, aber man kann duschen. Das ist schon mal ein Upgrade. Der Nachteil: Man steht entweder -beim Loch-im-Boden-Klo- beim Duschen gleichzeitig in der Toilette oder man muss sein Shampoo auf dem Klodeckel parken, weil es so eng ist. Das ist irgendwie ekelig und lustig zugleich und mir trotzdem wesentlich lieber als spätestens am dritten Tag wie ein Shrimp zu riechen.
Ich klettere nochmal nach oben und lege mir schon mal eine der dünnen Matten, ein Kissen und eine Decke für später zurecht. Die Schlafmatten sind lederüberzogen, abwaschbar und vll maximal 5 cm „dick“. Beim Liegen spürst du also trotzdem den Holzboden unter dir. Die Bettdecke ist ein dünnes Laken. Hier werde ich später mit mindestens 8 weiteren Personen wie auf einer Übernachtungsparty auf einem Kindergeburtstag übernachten.
Wer auf diesem Boot Komfort erwartet, sollte lieber an Land bleiben.
Ich klettere zurück nach unten und mache mir einen Kaffee indem ich Instantkaffee und ein wenig Zucker aus bunten Plastikbehältern in einem Plastikbecher mit heißem Wasser mixe. Das erinnert mich immer so an meine erste Tauchschule auf Mallorca wo es auch vor und nach jedem Tauchgang Instantkaffee aus Plastikbechern gab. Ich liebe es und fühle mich jetzt schon wieder wie ein Kind, was die nächsten 3 Tage von morgens bis abends barfuß laufen und im Dreck spielen darf.
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Zum Sonnenuntergang halten wir zusammen mit einem anderen Boot an einer kleinen Bucht und klettern auf einen Hügel.
Anschließend genießen wir von Plastiktellern unser Abendessen und plaudern ein wenig mit den anderen Leuten auf unserem Boot. Als Conor aus Irland Macarena tanzt, fragt mich Josie ob er betrunken sei.
„Es gibt immer so einen Entertainer auf dem Boot!“, stellt Josie fest als Conor Brayden zum Tanzen auffordert und eine Drehung nach der anderen macht.
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Die Stimmung war so lustig, dass wir noch Karawane gemacht haben und um einen Holzpfeiler wie Rumpelstilzchen ums Feuer rumgetanzt sind. Sam und Ryan haben mir außerdem ein paar Kartenzaubertricks gezeigt und wir haben superviel gelacht bis das Personal uns ermahnt hat, ruhig zu sein.
Dann sind wir aufs Deck geklettert und ich bin wie ein Baby in einer Wiege eingeschlafen. Ich kann es kaum abwarten, morgen die Whalesharks zu sehen!
















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