Am nächsten Morgen wachen Josie und ich völlig verkatert auf. Auf dem Weg zur Toilette muss ich mich an den Möbelstücken festhalten. Allerdings nicht, weil ich noch betrunken bin, sondern weil mir vom Boot so schwindelig ist, dass ich immer noch das Gefühl habe auf dem Meer umherzuschippern. Der Tag startet wieder einmal mit einem Lachanfall.
„Wie spät ist es?“, fragt mich Josie.
„Schon 10:30 Uhr um 12 Uhr müssen wir auschecken. Wir haben das Frühstück verpasst!“
„Oh, nee.“
Wir packen unsere Rucksäcke und lassen diese dann an der Rezeption stehen.
„Lass uns erstmal ein gutes Café suchen!“
Auf dem Weg zum Café treffen wir Brayden, der gerade auf dem Rückweg vom Tauchshop ist. Er musste seinen Tauchgang leider absagen da sein Körper von roten Pusteln und Quaddeln übersät ist. Als wir in einem Café sitzen, mache ich ein Foto von seinem Arm und versuche, über die Google Bildersuche eine Diagnose zu stellen. „Ich bin heute dein Doktor“, grinse ich. „Sie haben Nesselsucht und die Ursache ist tadadadaaa…3x dürft ihr raten…Plankton!“
„Oh das hab ich ja noch nie gehört. Aber ihr alle wart doch im selben Meer. Wie kann das sein?“, schaut mich Brayden ungläubig an.
„Das sieht ja echt genauso aus wie auf den Bildern“, fügt er hinzu und vergleicht seinen Arm mit dem Google-Suchergebnis.
Bei mir wurden zum Glück nur die Haare und nicht der restliche Körper beschädigt.
„Du musst dir Antihistaminika kaufen“, empfiehlt Krankenschwester Josie. „Vielleicht gehst du auch mal kurz zum Arzt.“
——
„Vielleicht gehst du auch mal kurz zum Arzt“, überrede ich Josie als wir am nächsten Morgen am Pool liegen und sie ihre Wunden begutachtet. Diese haben sich inzwischen so doll entzündet, dass sich unter der Kruste Eiter gebildet hat.
„Ja ok“, willigt Josie ein und wir düsen mit dem Roller zum 20 Minuten entfernten Nusa Medica Medical Center in Uluwatu.
Nach Aufnahme aller Daten bitte eine Mitarbeiterin Josie, auf einer der drei Liegen in einem großen Behandlungsraum Platz zu nehmen. Ich darf natürlich mitkommen. Als Übersetzer und Händchenhalter.
Links neben ihr auf der mittleren Liege wird gerade ein Mann behandelt. Dafür wurde der Vorhang, der einem Duschvorhang ähnelt und rund um das Bett gespannt ist, zugezogen.
„Na hier wird Privatsphäre ja sehr groß geschrieben“, sagt Josie.
„Stell dir vor, du kommst hier mit fetten Hämorrhoiden oder Scheidenpilz her und musst dann erstmal schön vor allen deine Symptome schildern“, antworte ich und wir müssen laut lachen.
Der Mann in der zweiten Kabine hat gerade den Raum durch die Schiebetür verlassen als der Mann mit den langen Haaren -wieder so ein Surfertyp- den Raum betritt und auf die dritte Liege ganz links verwiesen wird. Wir bekommen mit, dass er irgendwas am Rücken hat, aber sie ihm jetzt gerade damit nicht helfen können.
„Und was hast du, mein Darling?“, sagt er zu Josie als er von seiner Liege aufgestanden und sich vor ihre Liege gestellt hat. Sie deutet auf ihre Waden hin und erzählt von ihrem Reitunfall. Daraufhin berichtet uns der Mann, der aus Kalifornien kommt und scheinbar Kapitän ist, dass ihm beim Surfen häufiger solche Unfälle passieren und seine Antibiotika-Creme der absolute Gamechanger ist, aber dass er sie dieses Mal leider auf seinem Boot vor Griechenland vergessen hat.
„Ich habe so eine blöde Warze am Rücken“, sagt er zu Josie und massiert dabei ihren Fuß.
Ich werfe Josie einen verwirrten Blick zu. Massiert der Typ gerade ernsthaft ihren Fuß während er uns von einer Warze an seinem Rücken berichtet?!
„Gute Besserung und good luck mit deiner Wunde mein Darling!“, sagt Mr. California und verlässt grinsend das Behandlungszimmer.
„Der Kerl wollte dir doch nur mal kurz in den Schritt gucken, weil du heute so eine durchsichtige Unterwäsche anhast“, sage ich zu Josie.
„Oh echt? Hab ich das?“, fragt Josie, spreizt sitzend ihre Beine und schaut an ihrem Kleid herunter.
„Upsi.“
Dann kommt die Ärztin mit einer Nierenschale, in der sie bereits ihr Material -unter anderem auch eine Pinzette- zurechtgelegt hat.
„Oh, nein, nein. Die will die Wunde abtragen, ich wusste es doch“, sagt Josie.
Und dann darf ich zuschauen, wie die Ärztin mit einer Pinzette die Kruste Schritt für Schritt abträgt.
„Du musst die Antibiotika insgesamt 5 Tage lang nehmen“, empfiehlt die Ärztin und lässt noch ein paar Fotos von den beiden Wunden schießen.
Also hier in Asien herrscht definitiv kein Personalmangel in der Pflege. Es gibt zwei Empfangsdamen, eine Person, die nur für die Fotodokumentation der Krankheiten verantwortlich ist, zwei Ärzte und noch eine weitere Assistentin obwohl das ganze Center leer ist.
Das ist ungefähr so wie in den Restaurants. Manchmal ist es tatsächlich halb so viel Personal wie Gäste da.
„Zum Glück ist es jetzt vorbei“, seufzt Josie und steht mit frisch verbundenen Waden von ihrer Liege auf. „Jetzt reichts aber auch!“
—-
„Jetzt reichts aber auch!“, denke ich als ich am nächsten Tag wieder bei Ketut auf der Pritsche liege und mir wieder wild in die Füße pieksen lasse.
Ich befinde mich tatsächlich nochmal auf der Liege, denn ich habe Brayden so sehr mit meinem Besuch bei Ketut angefixt, dass er auch Lust auf eine Rebirthing Massage bekommen hat und ich mich bereit erklärt habe, ihn noch einmal zu begleiten. Natürlich habe ich Brayden vorab nicht in allen Einzelheiten erzählt, was ihm blüht, sondern einfach auf Google und die ganzen 5-Sterne-Bewertungen verwiesen.
Dieses Mal hat uns Ketut zusammen mit einem anderen Helfer begrüßt und zu dritt (Brayden, ein anderer Deutscher und ich) behandelt. Wir haben zu dritt abwechselnd im Chor geschrien, aber es war nicht mal ansatzweise so schlimm wie beim ersten Mal, da meinen Füßen ja nicht die volle Aufmerksamkeit galt.
Man könnte sich jetzt fragen, warum ich mir das überhaupt ein zweites Mal antue und mich dafür sogar 2 Stunden auf einem Roller hab herfahren lassen, aber ich hatte das Gefühl, die Gelegenheit noch einmal wahrnehmen zu müssen und wollte Brayden unbedingt begleiten.
Abends nach meiner Rückkehr aus Ubud sind Josie und ich dann noch auf einen kleinen Markt gegangen und haben den Abend in einem Restaurant ausklingen lassen.
Am nächsten Tag hat es leider ziemlich viel geregnet so dass wir nur ein bisschen durch die lokalen Geschäfte gezogen sind und Kaffee getrunken haben.
Außerdem haben wir unseren 4-tägigen Trip nach Nusa Penida schon ein wenig geplant und uns ein Speedboot für den nächsten Tag gebucht.
Und -das hätte ich ja fast vergessen- wir haben uns noch die schlechteste Pediküre der Welt gegönnt. Die Mitarbeiter haben einfach wild angefangen, unsere Nägel zu schneiden ohne uns vorher unsere Füße zu waschen und Josie und ich haben uns dabei immer wieder gefragt, ob sie das ernst meinen und laut gelacht.
Am Ende habe ich meine Nägel dann selbst lackiert und wir haben uns noch eine Burrata-Pizza liefern lassen, die leider ohne Burrata und kalt ankam, aber trotzdem ganz lecker war.









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