Montag, 16. Dezember 2024

Nusa Penida

 „Unser Pickup-Spot ist definitiv hier“, sagt Josie als wir am nächsten Morgen beim Uluwatu Tempel vergeblich auf unseren Fahrer warten. 

„Er ist 30 Minuten verspätet“, sagt ein Mann, der uns auf Nachfrage Hilfe angeboten und soeben unseren Fahrer kontaktiert hat. „Ich hoffe, wir schaffen es noch rechtzeitig zum Hafen“, sage ich obwohl ich mir ja schon wieder sehr sicher bin, dass es eh irgendwie klappt. Ich bin immer so überzeugt davon, dass sich alles fügt, dass tatsächlich superselten etwas nicht klappt. Und falls es dann unerwartet doch passiert, geschieht es zu meinen Gunsten.


30 Minuten später trifft unser Fahrer beim Tempel ein und wir steigen in sein Auto. „Wenn es regnet, ist immer Stau auf der Straße“ erklärt er. „Dann nehmen nämlich alle das Auto und lassen ihre Roller stehen.“


So ist mir das bisher noch gar nicht in den Sinn gekommen, aber das klingt total logisch und bewahrheitet sich auch auf unserer mehr als 2 stündigen Fahrt zum Hafen. 


Inzwischen hat es nämlich angefangen, in Strömen zu regnen. Wir kommen mit dem Auto nur im Schneckentempo voran und -anders als sonst- schlängeln sich nur wenige Rollerfahrer an den Autos vorbei. Ich schaue aus dem Fenster und beobachte, wie der Regen mit dem Wind gegen die Scheibe prasselt. 


„Na, das kann ja eine lustige Bootstour werden, Josie. Ich schmeiß mir schon mal eine Tablette ein.“


Ich bin, war und werde zwar nie seekrank, aber muss es ja bei so einem Wetter auch nicht unnötig riskieren. Außerdem macht Vomex schön müde, so dass ich damit noch ein wenig schlafen kann. „Vorm Flug kannste dir auch gern 3 Tabletten reinballern“, hat mir meine Krankenschwester-Hebamme empfohlen, aber ich muss es ja nicht wieder wie mit diesen SLEEP-Drops übertreiben.


Als hätten wir es exakt so geplant, kommen wir gerade noch rechtzeitig am Hafen an und schaffen es sogar noch , uns schnell einen Coffee-to-go zu holen. „Das war ja wieder einmal perfektes Timing ganz ohne Wartezeit“ sagt Josie als wir unser Boot betreten, das uns in nur 30 Minuten von Sanur nach Nusa Penida bringen wird.


Ich sag euch was: Die Überfahrt ist nichts für schwache Nerven! Menschen mit Seekrankheit hätten sich die Seele aus dem Leib gekotzt. Die Wellen waren teilweise so hoch, dass es sich wie eine wilde Achterbahnfahrt angefühlt hat und Josie und ich ein paar Mal „Ahhhh“ gerufen haben. Das Personal hat derweil ein paar Kotztüten und Wasser auf dem Boot verteilt, die glücklicherweise niemand gebraucht hat. Stellt euch den Aufprall vor, wenn ihr Wildwasserbahn fahrt und unten ankommt und diesen Moment dann 30 Minuten in Endlosschleife. Josie hat das Personal sogar noch gefragt, ob das alles normal sei und ein Mitarbeiter hat ganz nüchtern „Nö“ geantwortet. Na wenigstens ist er ehrlich.


Ganz im Gegensatz zu den Taxifahrern, die bei der Ankunft am Hafen von Nusa Penida auf uns warten. Hier beginnt nämlich direkt die nächste Tortur. Der Hafen von Nusa Penida ist unsere persönliche Taxifahrer-Hölle. Hier warten zig nervige Männer und ganz wenige Frauen, die einem so richtig auf den Sack gehen und

übertrieben viel Geld für eine kurze Fahrt verlangen. 


„Hello darling, taxi pleeeeease.“


„ Hello miss. Need transport? Cheap cheap Ei Gib juh discoun my darling.“


„Yes please taxi miss special price fo you ma frien!“


„Ich würd sofort ein Grab nehmen, aber leider gibt’s die App hier ja nicht“, stellt Josie fest. „Da müssen wir jetzt wohl durch!“


„How much?“, fragen wir ein paar Leute


„250, weil die Straße so kaputt ist.“ (Ist das mein Problem oder was?)


„350 (tri-fib-ti) because veby faaaar miss!“ Es sind nicht mal 20 Minuten)


„200 only for you today.“ (Und only für alle anderen, die sich das auch nicht gefallen lassen)


„150 letzte Preis.“ 


„Den nehmen wir jetzt!“, sagt Josie entschlossen. Wir folgen dem Fahrer über die Schotterpuste zu seinem Auto.


„Ganz ehrlich…kein Wunder, dass dieser Hafen auf Google nur 1 Stern hat. Ich würde auch 0 vergeben, wenn das möglich wäre.“


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Nach etwa 20 Minuten (hat er nicht 35 gesagt?) erreichen wir unsere Unterkunft, die alles entschädigt: Eine kleine Hütte am Pool, eine Dusche und ein Klo unter freiem Himmel („Ey Julia, das ist ja mega für frisch verliebte Paare, die sich noch für ihre Kacki schämen, denn ein Klo unter freiem Himmel riecht ja nicht“, hat Josie diese Konstruktion kommentiert) und ein Infinity Pool in sattgrüner Dschungel-Kulisse.


„Wow. Mega!“


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Wir verbringen den Abend am Pool, bestellen uns bei der Rezeption einen leckeren Thai Gurkensalat, Mie Goreng und Spaghetti Carbonara und planen schon mal ein wenig den nächsten Tag.


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„Hati-Hati!“, rufe ich als wir am nächsten Tag mit dem Roller über die Insel düsen. Das bedeutet soviel wie „Achtung, pass auf!“


Ich klammere mich an Josies Schultern als wir über Schlaglöcher brettern und durch Pfützen fahren, die sich vom Regen am Vortag gefüllt haben. Die Straße bekommt hier wie die Taxifahrer stellenweise auch nur einen Stern von mir.


„Du weißt schon, dass ich einen Motorradführerschein hab?!“, lacht Josie als ich sie mal wieder ermahne, langsamer zu fahren. „Ey du fährst 2 Stunden mit einem Einheimischen von Uluwatu nach Ubud und bei mir kriegst du Panik oder was?! Ich fahre 40!!!! und mit dem bist du 70 gefahren meintest du. Ich fasse das als Beleidigung auf.“


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Wir besuchen den Kelingking Beach, den Atuh Beach und den Diamond Beach und haben echt Glück, dass das Wetter zu diesem Zeitpunkt noch mitspielt. Abends regnet es nämlich wieder wie aus Eimern und der Regen prasselt uns ins Gesicht als wir wie zwei begossene Pudel im Dunkeln zurück zu unserer Unterkunft fahren und auf dem Weg noch einen Zwischenstopp bei der Apotheke für neue Pflaster einlegen. „Das mach ich nicht nochmal mit dir!“, sage ich zu Josie als ich bei unserer Unterkunft vom Roller absteige.


Ähnlich geht es mir als wir am nächsten Tag abends in das nur 550 m entfernte Amok Restaurant laufen wollen. Wir haben den ganzen Tag bei strahlendem Sonnenschein am Strand verbracht und jetzt regnet es wieder. Josie und ich stehen mit zwei Regenschirmen bewaffnet auf dem Weg vor einer großen Pfütze und ich leuchte mit meiner Taschenlampe in die Dunkelheit. „Was machen wir jetzt?“, schauen wir uns an während der Regen uns von der Nasenspitze tropft.


„Entscheide du!“, platzt es zeitgleich aus uns raus. „Jetzt macht es auch keinen Sinn, zurück zu gehen“, sagt Josie.


„Okeeee“, lenke ich ein. „Du weißt aber schon, dass das hier echt mein persönlicher Horrorfilm ist!“


Wir stapfen mit unseren Flipflops bzw. Trekkingsandalen durch die nächste Pfütze. Es ist komplett dunkel um uns herum und ich bleibe auf dem Weg ein paar Mal im Matsch stecken. „Das ist echt die Hölle!“, sage ich zu Josie und lache. „Auf was für einen Scheiß hab ich mich hier schon wieder mit dir eingelassen?!“


„Hat sich doch gelohnt,oder?“, sagt Josie als wir bei einem Cocktail im Amok Resort sitzen. 


„Ja, Mama“, sage ich und muss laut lachen.


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Wir verbringen einen schönen Abend mit Cocktails und einer Runde Skip-Bo. Ich habe zwar wieder verloren, aber es hat sich wirklich gelohnt, dass wir nicht umgedreht sind. Ich bin allerdings trotzdem froh, dass uns das Personal für den Rückweg angeboten hat, uns zu fahren und heilfroh, dass wir kein zweites Mal diesen Gruselweg laufen müssen.





















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