Freitag, 4. Juni 2021

Eine Kalorie kommt selten allein

Freitag, 29.03., 12:46 Uhr.

Was soll ich sagen? Es ist wieder da. Das Glücksgefühl, das Flughäfen in mir auslösen. Sollte ich jemals todtraurig sein, dann fahr mich einfach zum Flughafen zu Terminal 1 und sag: „Julia, dein Flug geht in 50 Minuten.“ Es ist ungefähr derselbe Effekt, den ein Schokoriegel von der Oma bei heulenden Kindern an der Supermarktkasse auslöst. Endlich wieder reisen.

Darauf erstmal ein leckeres Stück Carrot Cake und einen Kaffee zur Feier des Tages!

Schon von weitem erblicke ich die Werbung mit dem Karottenkuchen und diesem verboten leckeren Frosting, was jede Kaloriengrenze in Reiner Calmund’s aktueller Diät sprengen würde. Kein Scherz. Der Kerl hat mit rüstigen 72 tatsächlich nochmal satte 53 kg abgespeckt und daraufhin das Buch „Eine Kalorie kommt selten allein“ herausgebracht. Wenn ich es ihm jetzt also nachmachen und mich gegen diesen saftig-leckeren und unverschämt gutaussehenden Karottenkuchen entscheiden würde, hätte ich also fast erfolgreich mein Geburtsgewicht erreicht. Daher: Carrot Cake. Komm her zu mir, du heiße Möhre. Scheiß auf Calli’s Kalorienverschwörung.

Aber jetzt muss ich doch mal kurz ein wenig abschweifen wo ich den Calli und seine Diät im Kopf habe. Bitte googelt mal sein Buch und guckt euch das Buchcover an. Ich geh kaputt. Wenn sie ihm wenigstens diesen Karottenkuchen in die Hand gedrückt hätten, würde ich mir das Buch glatt kaufen, aber DAS? Welcher Fotograf kommt bitte auf so eine Idee?!

Jetzt stellt euch doch einfach mal das Briefing fürs Shooting vom Fotografen für Calli vor: „Lieber Calli, wir haben uns lange Gedanken gemacht, was wirklich zu dir passen würde. Hier ist der Plan für unser erstes gemeinsames Shooting für dein Buchcover von „Eine Kalorie kommt selten allein“: Du stellst dich hin und servierst dich als Miniaturfigur auf einem Teller mit 5 Erbsen. Du hältst eine silberne Speiseglocke mit einem leichten, aber doch herzlichen „53-kg-verloren-Grinsen“ in die Luft und dann macht es k-l-i-c-k. Ich sehe es schon vor meinem inneren Auge. Das Buch wird bei Thalia einen Verkaufstisch füllen und dann gibt es 26 x Calli mit Erbse. Vielleicht sogar 100 x Calli mit Erbse. Das Ding wird durch die Decke gehen, mein Freund. Das Cover wird den Verkauf so richtig ankurbeln. Die Leute werden dir das Buch aus der Hand reißen - so wie du mir damals den Kuchen als wir gemeinsam am Buffet standen. Calli, das wird was. Herzliche Grüße. Dein Fotograf Peter.

 

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„One piece of carrot cake and a large coffee latte, please“, grinse ich den Mitarbeiter erwartungsvoll an. In meinem Kopf immer noch das Bild von Calli und den Erbsen. Ich kann es kaum abwarten, mir dieses leckere Frosting endlich auf der Zunge zergehen zu lassen. Scheiß auf „Eine Kalorie kommt selten allein“. Ich will doch gar nicht, dass diese Kalorien allein kommen. Je mehr Frosting, desto besser.

„Wow!“, sagen meine Augen und „Bah-bah-bah“ meine Geschmacksknospen, als Karotte gepaart mit Rosinen einige Minuten später auf meiner Zunge eine Party feiern. Eine Bad-Taste-Party vom feinsten wohlgemerkt.

Julia präsentiert euch ihr neues Buch „Eine Rosine kommt selten allein“. Kapitel 1, Karottenkuchen. Wie ich es schaffte, mit Rosinen mein Geburtsgewicht zu erreichen. Auf dem Cover ich, mit einem Teller und 5 Rosinen unter einer Speiseglocke, die ich mit Würgereiz in die Kamera halte.

Ich meine: Rosinen in einem Karottenkuchen. Was machen die da? Haben die überhaupt einen PCR-Test (professional-cake-recipe-test) und die Erlaubnis, sich da aufzuhalten? Ich pack doch auch keine Karotten in einen Rosinenkuchen. Wobei Karotten dann doch eher das Upgrade für jegliche Rosinenspezialität dieser Erde wären. Rosinenbrot, Rosinenkuchen, Rosinen im Christstollen…nicht mal an Weihnachten bleibt man davon verschont, obwohl es die schönste Zeit des Jahres sein soll. Und überhaupt: Wer mag trockene Trauben? Alles andere, was trocknet (zum Beispiel Brot), verarbeitet man SINNVOLL weiter (z.B. Paniermehl für ein leckeres, saftiges Schnitzel) oder gibt es einfach den Pferden.

Ich hab grad mal Google gefragt und bei den verwandten Suchanfragen zu „Rosinen“ wird mir „Wie viele Rosinen am Tag?“ angezeigt. Ich bitte euch. Fragt einfach Julia und nicht Google. Die Antwort ist NULL!

„Kann man mit Rosinen abnehmen?“. Ich behaupte: JA!

„Rosinen am Abend“ --> Warum zum Teufel willst du den Abend mit Rosinen verbringen? War dein Tag so schlimm?

„Rosinen Nebenwirkungen“ --> Brechreiz und dein Körper ist dann ROSINIERT

„Sind Rosinen gesund? --> 5 Gründe, warum Rosinen gesund sind.“

Ich biete euch: 5 Gründe, warum Rosinen scheiße sind. 1. Sie schmecken scheiße. 2. Sie sehen aus wie der Hintern von Reiner Calmund nach seiner Diät. 3. Sie schmecken auch im Kuchen scheiße. 4. Sogar in Kombi mit einem geilen Frosting schmecken sie scheiße. 5. Selbst mit einem Cafe Latte lässt sich Rosinengeschmack nicht neutralisieren.

Und überhaupt: Wer packt Rosinen in einen Kuchen? So ganz grundsätzlich. Das würde ich maximal bei einem Abschied von Kollegen tun, denen ich an meinem letzten Arbeitstag eine versteckte Rosinenbotschaft senden möchte. Frei nach dem Motto: War mega nice mit euch, aber auch irgendwie bah.

Würde man mich in meinem zweiten Leben zu einer Zwangsehe mit Frank Rosin zwingen, würde ich spätestens am Altar "Nein" sagen. Und zwar weil ich mich dann für den Rest meines Lebens mit "Rosin" am Telefon melden müsste. Das sind 83,33 % des Wortes Rosine und 100 % zuviel bah.

So langsam verstehe ich, warum sie Calli dann doch lieber Erbsen angedreht haben. Mit Rosinen auf dem Cover hätte das Buch bestimmt noch weniger als die aktuell 13 Bewertungen bei Amazon bekommen.

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