29.06., irgendwo oben in der Luft
„Eine Rosine kommt selten allein“. Kapitel 2
Mama Mia. Die Rosinen verfolgen mich sogar bis zu mehreren tausend Metern über dem Erdboden. Bis gerade dachte ich noch, dass ich sie am Flughafen in Amsterdam endgültig für den Rest meiner Reise (oder besser gleich für den Rest meines Lebens) hinter mir lasse, aber Pustekuchen.
Ich sitze auf meinem Platz 40 J neben einem Typen, der erfolgreich noch kein einziges Wort seit dem Abflug mit mir geredet hat. KLM serviert uns gerade unser Mittagessen und Mr. Speechless klappt schon mal sein Tablett nach unten. Es gibt vegetarische Pasta mit Oliven und einen Salat mit tatatadaaa (dreimal dürft ihr raten): R-O-S-I-N-E-N. Das ist nach dem Dessert mit der Standfähigkeit von Dolly Busters Oberweite ungefähr das Kreativste, was ich auf einem Flug bekommen habe. Grüße gehen raus an den Küchenchef.
Ich bitte euch, KLM. Seit wann steht K-L-M für Keine-leckeren-Mahlzeiten? Wo sind die süßen Spekuloos (mit fünf o), die es sonst immer gibt? Und wer hat euch gesagt, dass die Zielgruppe für Salat mit Rosinen so groß ist, dass ihr genau DAS in mehreren tausend Metern Höhe 300 Leuten servieren solltet? Ich meine…wir können zwar nicht flüchten (vor allem nicht ich, wenn der Typ neben mir nicht mit mir redet), aber wir können verweigern! Auch wenn wir nur die Bretterklasse sind. Und dann dürft ihr gleich 300 Rosinensalate wieder auf euren Flugzeugtrolley laden und mit einem monströsen Rosinensalatturm zurück in die Miniaturküche fahren. Pah.
Nochmal, KLM. Wir reden von Rosinen im Salat. Erstens passt das gar nicht zusammen und zweitens sind Rosinen verschrumpelte Dinger, die im Leben als pralle Weintraube schlicht und einfach versagt haben. Und ihr wollt doch keine Versager an Bord, oder? Ich behaupte, dass der Anteil an Menschen, der Rosinen im Salat geschmackvoll findet, ungefähr dem Anteil gleicht, der dasselbe über die Frisur von Trump sagen würde.
Dazu dann die Oliven in der Pasta. Oliven, diese seltsame Frucht, die in allen Kriterien versagt, die die Kategorie Früchte ausmacht: Fruchtigkeit, Optik und süßer Geschmack. Da stimmt doch was nicht. Wer möchte eine Frucht, die nicht fruchtig schmeckt?
Wenn sich die Kategorie „Frucht“ plötzlich nicht mehr über Fruchtigkeit definiert, über was denn dann? Moment. Ich muss mal kurz googeln und Wikipedia fragen.
Also Leute, ich nehme es vorweg. Die Definition von Früchten ist verstörender als gedacht und ich weiß jetzt immer noch nicht, wie eine Olive es bis hierhin geschafft hat.
Zieht euch das rein, hier kommt ein Zitat von Wikipedia: „Die Frucht (von lateinisch fructus, in Fachwörtern karp- von altgriechisch καρπός) einer Pflanze ist die Gesamtheit der Organe, die aus einer Blüte hervorgehen, und die die Pflanzensamen bis zu deren Reife umschließen. Früchte bilden prinzipiell nur die Pflanzen, die einen geschlossenen Fruchtknoten besitzen (Bedecktsamer = Angiospermen). Bei den Nacktsamern (Gymnospermen; hierzu gehören Nadelbäume und Ginkgo-Baum) entstehen nur freie Samen.“
Organe?
Samen?
Bedecktsamer?
Nacktsamer?
Freie Samen?
Ich muss hier weg.
Zu viele Bilder in meinem Kopf.
Bis gerade wollte ich doch lediglich wissen, was eine Frucht ist und keinen so detaillierten Einblick in die pornöse Welt des Pflanzensex. Danke, Wikipedia. Mein Tag ist zerstört.
Falls das übrigens jemand von euch nochmal auf Deutsch erklären kann, nehme ich die Hilfe gerne an. Bis dahin hoffe ich einfach, dass mich meine zukünftigen Kinder einfach niemals fragen, was Früchte sind. Ich möchte sie schließlich erst kurz vor der Ehe aufklären.
Naja, zurück zu den Oliven, die offensichtlich Früchte sind und genauso wie die Rosinen zu den Versagern zählen: Ich gebe ihnen trotzdem 1 von 5 Google-Sternen! Der Einsatzbereich reicht von pur über Hauptgericht bis hin zu Salat oder auch einfach wegwerfen. Soviel Vielseitigkeit muss belohnt werden!
Ich klinge ja geradezu wie Alman-Anette persönlich mit meiner Rosinen- und Olivenkritik, aber als das Dessert haut am Ende alles wieder raus.
Es gab nämlich Spekulooooos-Dessert. Halleluja, Baby. KLM, ihr wisst ja doch, was wirklich zählt und dass man mit dem Dessert meist alles, was man davor serviert hat, wieder gut macht. Ich liebe Spekuloos schon allein wegen der Bezeichnung. Wenn ich irgendwann mal in einer holländischen Wörter-Quizshow lande, dann kaufe ich auf jeden Fall direkt 2 Vokale und löse auf.
Bis dahin genieße ich meinen zuckersüßen Spekulatius-Fluff und die Zeit über den Wolken und hoffe, dass es keine weiteren Rosinen gibt.
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