Als ich nach dem Tauchgang das Boot verlasse und die Straße betrete, ist mir ein Grinsen ins Gesicht geschrieben. Das war auf jeden Fall einer der besten Tauchgänge, den ich je hatte.
Den Rest des Tages verbringe ich damit, den Zustand meiner Haare durch eine Haarkur wiederherzustellen und abends gönne ich mir noch eine Massage im gegenüberliegenden Massagesalon. Dort komme ich bei einer Pedi- und Maniküre mit der Massage-Lady ins Gespräch und frage sie ein wenig über ihr Leben in Thailand aus.
Sie erklärt mir, dass sie etwa drei Monate am Stück, sieben Tage die Woche, jeden Tag von 10 Uhr morgens bis 11 Uhr abends im Massagesalon arbeitet, 53 Jahre alt ist, dies schon seit 20 Jahren macht und ihr Sohn auch hier arbeitet. Sie verrät mir, dass sie sogar im Massagesalon übernachtet und ihr von der Besitzerin ein Bett zur Verfügung gestellt wird. Ihre Familie, die 2,5 Stunden entfernt lebt, sieht sie nur alle zwei bis drei Monate, wenn sie sich nach der Arbeitsphase eine kleine Auszeit gönnt.
Nach eigenen Angaben erhält sie 50 % aller Einnahmen, die sie mit den Massagen generiert und das bedeutet, dass sie an einem guten Tag mit fünf bis sechs Massagen bei 400 Baht pro Massage ein maximales Einkommen von 1200 Baht hat. Das entspricht ungefähr 32 Euro für 13 Stunden Arbeit und einem Stundenlohn von 2,50 €.
„Wir haben es nicht so angenehm wie ihr“, sagt die Frau und lächelt mich an. Ich muss noch eine Weile darüber nachdenken, wie privilegiert wir tatsächlich sind, als ich den Massagesalon wieder verlassen habe und noch kurz zum 7-Eleven schlendere, um mir ein Toastie zu kaufen.
——
Ziemlich privilegiert fühle ich mich ebenfalls am nächsten Tag. Ich sitze bei strömendem Regen in einem Café und überlege, wie ich meine letzten Tage verbringen möchte. Eins steht fest: Auf keinen Fall bei Regen, denn davon werde ich noch genug in Hamburg haben.
Ich scrolle ein wenig durch die Wettervorhersagen der Inseln und komme am Ende zu dem Entschluss, dass ich lieber früher als später zurück in den Norden fliegen sollte, wenn ich noch die Sonne genießen möchte. Dann buche ich mir kurzerhand einen Flug für den übernächsten Tag nach Chiang Mai, um dann von dort aus an meinem Abflugtag, dem 17. Dezember, zurück nach Bangkok zu fliegen. So kann ich wettertechnisch noch das Beste aus meiner Reise rausholen, denn für Chiang Mai ist – im Gegensatz zu Koh Tao und den angrenzenden Inseln – Sonne angesagt.
Nach einem weiteren Tag mit einer wirklich langweiligen Schnorcheltour, stehe ich am Freitag in meiner Regenjacke vor der Tür meiner Unterkunft und beobachte, wie der Regen auf das Dach prasselt. In Hamburg wäre ich jetzt deutlich weniger verwundert über die Wassermassen, die gerade vom Himmel kommen. „Soll ich die Abkürzung nehmen oder an der Hauptstraße laufen, um mich zwischendurch unterstellen zu können?“, frage ich mich. Fakt ist: Nass werde ich so oder so. Die Frage ist nur, WIE nass.
Ich stapfe durch den Regen zur Rezeption. Schon nach wenigen Metern sehe ich aus wie ein begossener Pudel und muss ein bisschen lachen. Mir graut es gerade mehr vor den nassen Klamotten als dem Nasswerden selbst. Nasse Schuhe, die anschließend nicht mehr trocken werden, möchte man nicht einmal im Keller als Raumduft aufstellen.
„Hast du vielleicht eine Plastiktüte?“, frage ich die Frau an der Rezeption. „In meinem Rucksack ist mein Laptop und der darf nicht nass werden“, erkläre ich. Glücklicherweise ist die Frau so nett und überlässt mir ihre eigene, grüne Plastik-Einwegregenjacke. Ich hülle meinen kleinen Rucksack in die Regenjacke ein und schnalle mir den großen Rucksack mit der roten Regenhülle auf den Rücken. Dann laufe ich los.
Schon nach 2 Minuten steht das Wasser in meinen Schuhen. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, warum ich so blöd bin und Sneaker anziehe, wenn das Wasser auf dem Gehweg 5 Zentimeter hoch ist und wasserfallähnlich den kleinen Weg hinunterrauscht, der eine Abkürzung zum Hafen ist. Jetzt hätte ich doch endlich mal meine sexy Wasserschuhe zum Einsatz bringen können.
Aber nun gut. Nass ist nass und glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Vielleicht darf mein Föhn später bis zur Belastungsgrenze arbeiten.
Nach etwa 7 Minuten erreiche ich den Hafen.
Hier stehe ich jetzt zusammen mit zahlreichen anderen Backpackern, die ebenfalls auf der Jagd nach gutem Wetter sind. Ich bin wirklich froh, dass die Mitarbeiterin meiner Unterkunft (die ich übrigens gestern noch einmal gewechselt habe, weil die Kakerlakenbude ausgebucht war) mir ihren Einweg-Regenmantel spendiert hat. Sonst hätte ich mich spätestens jetzt von meinem Laptop verabschieden können.
Am Hafen drängen sich die Backpacker mit ihren nassen Rucksäcken dicht aneinander. In meiner Hand halte ich den gelben Surat Thani Sticker, den ich gerade am Check-in vom Lompraya-Schalter erhalten habe. Der Sticker ist mir nach dem Aufkleben auf mein nasses Shirt direkt abhanden gekommen, so dass ich ihn wenige Minuten später – unter den verwirrten Blicken der anderen Wartenden – erstmal vom Fußboden der Wartehalle abziehen und halb auf mein Handy kleben musste damit ich ihn nicht erneut verliere.
Mein Ticket für die Fähre ist beim Betreten des Bootes so durchnässt, dass die Mitarbeiterin es kurzerhand neu zusammenpuzzeln muss damit ich es überhaupt vorzeigen kann. Aber anders als erwartet, ist diese Fahrt mit der Fähre extrem friedlich, obwohl draußen der Regen gegen die Scheiben peitscht. Ich höre tatsächlich nur ein paar Leute würgen und bin ganz froh, dass die Leute in meiner Reihe die Gratis-Kotztüte abgelehnt haben, die ein Mitarbeiter nach etwa 10 Minuten verteilt hat.
Eine Bullifahrt später, sitze ich gegen 15 Uhr am Flughafen von Surat Thani.
Noch 4 Stunden bis zum Abflug und genügend Zeit, mir eine Unterkunft für heute Nacht und die nächsten Tage zu suchen.
Als ich nach einem kompletten Reisetag abends in Chiang Mai ankomme und mir wieder die warme Luft ins Gesicht weht, bin ich wirklich froh, SO privilegiert zu sein, dass ich von einer Sekunde auf die andere einen Flug buchen und mich für eine neue Umgebung entscheiden kann. Dafür spielt es mir jetzt wieder super in die Karten, dass ich keine Unterkünfte gebucht und meine volle Flexibilität zurück habe. Hier in Chiang Mai möchte ich meine letzten Tage verbringen!
——
Meine Unterkunft „To The Moon“, für die ich mich spontan entschieden habe, ist von außen wirklich superschön. Man hat allerdings wortwörtlich das Gefühl, auf dem Mond zu schlafen, denn mein Zimmer hat zwei separate Betten mit dem Härtegrad „Betonplatte“. Vielleicht ist es Teil des Konzeptes, dass die Betten wie auch der Mond für ein authentisches Erlebnis aus Silikatgestein bestehen.
Ich habe mich am Flughafen schon köstlich amüsiert, als ich Rezensionen anderer Unterkünfte gelesen habe. Es scheint ein generelles Problem zu sein, dass die Betten hier in Thailand recht hart sind. Da ich auch auf dem Fußboden eine völlig erholsame Nacht haben könnte und meine geheime Superpower ist, dass ich überall schlafen kann, stört mich das nicht so sehr. Ich möchte euch dennoch eine Rezension nicht vorenthalten.
Rubén schreibt: „Es ist wahrscheinlich bequemer, auf einem ägyptischen Sarkophag zu schlafen als auf der Granitplatte, die in diesem Hotel als „Bett“ bezeichnet wird. Das Badezimmer ist eine Art Abstellkammer mit Toilette in der Mitte und Dusche in der Ecke, die mit feuchten Flecken an Decke und Wänden übersät ist. Immerhin kann man gleich duschen… Der Zimmerservice besteht aus zwei Flaschen Wasser und einer Rolle Toilettenpapier, die vor die Tür gestellt werden. Ich hätte lieber auf der Straße oder im Gefängnis geschlafen.“
Pablo schreibt: „Ich habe Fotos eines Superior-Zimmers beigefügt, dass insofern „gehoben“ ist als dass man eine zwei Meter hohe Treppe zum Zimmer hinaufsteigen muss. Die Betten sind härter als Fred Feuersteins Bett“
——-
Nach dem Frühstück in meiner Unterkunft, verbringe ich den nächsten Tag damit, ein wenig durch Chiang Mai zu laufen und mir ein paar Tempel anzuschauen. Zumindest von außen, da ich wieder einmal die falsche Kleidung dabei habe und den Tempel in Shorts und Top leider nicht betreten darf.
Notiz an mich selbst: Beim nächsten Mal klüger packen und statt Croptops ein paar Shirts mitnehmen, die nicht bauchfrei sind. Dann steht dem Tempelbesuch auch nichts im Weg.
——
Nichts im Weg steht auch meiner wundervollen Massage, die ich mir am Abend gönne und die ich euch an dieser Stelle auf keinen Fall vorenthalten möchte.
„Gönn dir halt nochmal eine Massage“, denke ich, als ich fast wieder bei meiner Unterkunft angekommen bin. Ich erblicke auf der linken Seite einen Massagesalon direkt gegenüber einem der zahlreichen Weed-Shops, die wortwörtlich in den letzten Jahren in Thailand aus dem Boden gesprießt sind. Vor einigen Jahren war es noch verboten und wurde hart bestraft, Gras zu rauchen. Inzwischen ist es eine ziemlich beliebte Einnahmequelle der Thailänder.
Als ich meine Sandalen ausziehe und vorsichtig die Eingangstür zur Seite schiebe, kommt mir bereits eine Massagelady freudig entgegen. Die Mitarbeiterinnen sind immer ähnlich aufgeregt wie ein Selbstständiger, der gerade seinen allerersten Auftrag von einem Kunden erhält.
„Here our menu“, sagt die Dame und bittet mich, mich hinzusetzen.
Sie drückt mir eine etwa DIN-A3-große, feste Infotafel mit den Massageoptionen und Preisen in die Hand. „Ich nehme eine Thai-Massage“, sage ich, denn die Thai-Massage ist für mich immer eine sichere Wahl. Nur um mich dann ein paar Minuten später umzuentscheiden: „Nee, eine Thai-Massage mit Öl hätte ich gerne.“
„Okayyyy miss. Please sit!“
Die Massagelady bittet mich, auf einer Bank links vom Eingang des Salons platz zu nehmen damit sie meine Füße waschen kann. Dann sagt sie, dass ich ihr bitte folgen soll. Ich bin sichtlich verwirrt, da auf keiner der etwa acht nebeneinander stehenden Massageliegen gerade andere Kunden bedient werden.
„Take juh tu pleivitt luuum“, sagt sie und läuft voran. Wenn sie jetzt ein Mann wäre, hätte ich ein deutlich komischeres Gefühl – aber schauen wir uns doch mal an, was das wird.
Ich betrete den auberginefarbenen, kleinen Raum, in dem zwei Massageliegen aufgebaut sind. An der Wand hängt ein blauer, überdimensionaler Fächer, der mit Neonfarben bemalt ist. Neben der Eingangstür befindet sich die Toilette, an deren Tür ein Zettel mit der Aufschrift „No Sex“ hängt. Offensichtlich scheint es hier in der Vergangenheit einige Missverständnisse diesbezüglich gegeben zu haben, so dass es erforderlich wurde, ganz explizit zu verkünden, dass es in diesem Raum – oder vielleicht auch auf der Toilette – keinen Sex geben wird.
Na, das beruhigt mich schon mal.
Die Mitarbeiterin zieht ein Duftspray vom Regal und nebelt den Raum ein, um den leicht muffigen Geruch vom angrenzenden Badezimmer zu überdecken. Ich muss ja sagen, dass 99,9 Prozent aller Duftsprays ihr Versprechen, Gerüche zu eliminieren, nicht halten und alles nach dem Sprühen nicht nach „frischer Blumenwiese“, sondern „Kacke mit künstlichem Blumenduft“ riecht.
So riecht auch jetzt der Raum wie ein Mix aus Abfluss und Anti-Mücken-Spray. Aber hey. Immerhin ein pleiiiivitt luuuum.
Zieh dich aus“, demonstriert mir die Frau und drückt mir ein Weidekörbchen in die Hand, in das ich meine Sachen legen soll. Dann fragt sie mich, ob sie mir eine Einwegunterhose geben soll. Ich lehne erst ab, stelle dann aber fest, dass es vielleicht gar keine so schlechte Idee ist, meine eigene Unterwäsche nicht mit Öl beschmieren zu lassen.
Kurze Zeit später halte ich ein kleines Plastik-Päckchen mit einer schwarzen Unterhose in der Hand, die aus einem ähnlichen Material besteht wie diese typischen Haarnetze, die man in Fabriken trägt. Zwar nicht Weiß, sondern Schwarz, aber gleichermaßen nahezu durchsichtig und durch die Gummibänder und das Material alles andere als bequem, hautanschmiegend und komfortabel.
Ich ziehe mich aus und lege meine Kleidung in das Körbchen. Dann schlüpfe ich in die sexy Haarhauben-Unterhose und schlage mir das bunte Tuch um den Körper, das mir die Frau gegeben hat. Bereit für eine tiefenentspannende Thai-Massage mit Öl, setze ich mich auf die Liege.
Kurze Zeit später betritt allerdings zu meiner Verwirrrung eine andere Frau den Raum. Sie trägt ein ein sportliches, weißes Shirt und sieht aus, als hätte sie gerade eher die Absicht, eine Tour mit einem Rennrad zu machen als mich zu massieren, aber okay.
Man nimmt, was man kriegen kann. Vielleicht wird das am Ende die beste Massage, die ich je hatte. Physiotherapeuten sehen schließlich auch immer aus, als würden sie gleich zum Sport gehen.
„Leg dich auf den Bauch, Kopf nach unten“, fordert mich die Frau auf. Bevor ich das tue, erkläre ich ihr noch, dass sie bitte auf gar keinen Fall meinen Kopf massieren soll. Es soll ja Menschen geben, für die das äußerst entspannend ist, aber bei mir löst eine Kopfmassage die gleiche Reaktion aus, wie wenn man einer Schildkröte auf den Kopf tippt.
„Okay, no hääääääd massaaaaaas!“ wiederholt die Frau und fragt mich lachend, ob es denn okay sei, wenn sie meine Schultern massiert.
„Ja. Die Schultern sind okay.“
Und so liege ich jetzt mit dem Kopf nach unten in meinem Private Room auf dieser Massageliege. Die Frau in ihrem Rennrad-Shirt dosiert aus einem Pumpspender fleißig Öl auf ihre Hand und balsamiert mich ein wie eine Mumie kurz vor der Leichenstarre. Das Öl hätte problemlos für mehrere Wochen Konservierung gereicht. Da bin ich mir sicher.
Dann beginnt sie, meinen kompletten Rücken einzuölen.
Ich spüre, dass die Frau Hände wie ein Bauarbeiter hat. Eigentlich bin ich es von den anderen Massageladies gewohnt (und denke auch, dass es nahezu logisch ist), dass die Hände butterweich sind, wenn man den ganzen Tag mit eingeölten Händen über nackte Körper gleitet. Bei dieser Massagelady fühlt es sich allerdings so an als würde jemand, der an den Händen mehr Hornhaut hat als ich an meinen Füßen – und das soll schon was heißen!– mich gerade massiert. Und während sie so mit ihren Händen über meinen Körper streicht, hört es sich an, als würde man mit einem dieser Edelstahlschwämme einen Topf reinigen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie schon nach kurzer Zeit noch mehr Öl auf meinem Körper verteilt damit das Geräusch nicht dem einer Katzenzunge an einem Leckstein ähnelt.
Sie widmet sich zunächst ganz ausgiebig meinem oberen Rücken und Nacken. Obwohl ich ja darauf bestehe, dass sie meinen Kopf nicht berühren soll, sind meine Haare schon nach kurzer Zeit ölgetränkt. „Massaaaaas is good for you“, sagt die Lady. „Dschass relägsss!“ und bearbeitet mit ihren Bauarbeiterhänden meinen Nacken. „Sa-meeeeiel“, lacht die Frau. Ihr muss aufgefallen sein, dass ich nicht ganz so begeistert schaue.
Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, ob ich gerade lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall bekomme ich ein gutes Gefühl dafür, wie sich so eine Ölsardine in einer Dose fühlen muss und bin mir sicher, dass – obwohl sie meinen Kopf gar nicht berührt – meine Haare später aussehen werden als hätte ich drei Wochen in einer Pommesbude gearbeitet ohne mir die Haare zu waschen.
Nachdem sie fertig mit meinem Rücken ist, gleitet sie die Rückseite meiner Beine herunter. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der sexy Haarhauben-Schlüppi ihr freie Sicht auf so ziemlich alles gewährt und bin ein wenig verwirrt, weil normalerweise immer ein Tuch über intime Stellen gelegt wird. Aber nun gut, vielleicht ist das bei so einer Ölmassage einfach anders.
Während sie die Innenseite meines Oberschenkels hoch- und runterrutscht, habe ich trotzdem zeitweise Angst, dass sie aus Versehen abrutscht. „Massaaaaaas is good for you, dschass reläääägs“, sagt sie immer wieder.
Das ist eine dieser Situationen, in denen ich gar nicht weiß, ob ich den Moment genießen oder lieber schreiend wegrennen soll.
Das Ganze ist vergleichbar mit meiner Erfahrung in der Sauna in Scharbeutz. Ich bin nämlich letztens auf die glorreiche Idee gekommen, einen ganzen Tag alleine in der Ostseetherme zu verbringen und habe mich blöderweise entschieden, die menschenleere Klönschnacksauna zu betreten – nur um wenige Minuten später von einem Nerd, der mich von draußen beobachtet hat, vollgelabert zu werden.
Und so saß ich dann in der Sauna rechts von der Tür auf der untersten Ebene und der Typ hat sich mir gegenüber bewusst zwei Etagen höher mit gespreizten Beinen hingesetzt, sodass ich jedes Mal, wenn wir geredet haben, freie Sicht auf ungefähr fünf Meter Vorhaut hatte und mich gefragt habe – ähnlich wie hier –, ob ich jetzt den Moment genießen oder einfach schreiend wegrennen soll.
Am Ende hat mich der Typ tatsächlich noch gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal mit ihm nach Kaltenkirchen zu fahren, um dort gemeinsam in die Sauna zu gehen. „Ähhhh…Nein.“
Manchmal frage ich mich ja wirklich, wie es sein kann, dass ich immer in solche Situationen gerade.
Genau das denke ich auch bei der Prozedur, die gerade meinem Rücken widerfährt. Ich blicke immer wieder skeptisch durch das Loch in der Massageliege auf die Füße meiner Masseurin, die gerade am Kopfende steht und meine Schultern massiert. Wer weiß, ob das nicht doch ein Ladyboy ist. Und obwohl ich ihr (oder ihm?) erklärt habe, dass ich bitte keine Kopfmassage möchte, ist in meinen Nackenhaaren allein vom Hochstreichen mehr Öl als in Papas Knorr-Kräuter-Salatdressing. Und das will was heißen!
Dann soll ich mich umdrehen. Sie schiebt ein Kissen unter meinen Kopf und lacht. „No head massaaaaaaas Ei knoooow.“
„Ja, genau, keine Kopfmassage“, sage ich.
Jetzt beginnt die Frau, sich meinem Oberkörper zu widmen.
Normalerweise werden die Brüste bei einer Thai-Massage ausgespart. Ich hingegen liege hier und werde so stark mit Öl beträufelt, dass ich problemlos zurück zum Hotel rutschen könnte, wenn man vor dem Massagesalon eine Plane für mich ausbreiten würde. Mit ihren Bauarbeiterhänden massiert sie jetzt meine Brüste. Ich frage mich immer wieder, ob das wirklich der normale Teil des Programms ist oder ich schon wieder im falschen Film gelandet bin. Dass an der Tür „No Sex“ steht, trägt auf jeden Fall zu meiner Beruhigung bei. Dennoch finde ich es etwas komisch, was hier gerade abgeht und frage mich, ob eine Achselmassage bei regulären Ölmassagen ebenfalls inkludiert ist.
Dann bittet sie mich, meinen Fuß aufzustellen und mein Bein nach außen kippen zu lassen. Während sie die Innenseite meines Oberschenkels hoch- und heruntergleitet, hoffe ich erneut, dass sie nicht aus Versehen abrutscht. Mit ihren Händen fühlt es sich trotz Öl auch eher wie eine Massage mit einer Nagelbürste an.
„Djasssss rilääääääägs!“, wiederholt sie. Ich muss wohl etwas schreckhaft geschaut haben.
Das ist hier ungefähr so als würde man beim Frauenarztbesuch aufgefordert werden, sich völlig zu entspannen und gannzzzzzz einfach den Moment zu genießen.
Das fällt mir in letzter Zeit nämlich besonders schwer, denn in meiner Praxis hat das Ärzteteam gewechselt und mein Frauenarzt ist seit neuestem ein gut aussehender Typ mit Drei-Tage-Bart und Brille in meinem Alter, bei dem ich jedes Mal fast ein bisschen lachen muss, wenn er mich mit „Frau Bonk“ anspricht und meine Brüste abtastet. Da kann ich auf jeden Fall genauso wenig entspannen wie hier.
Ich liege da wie ein Kämpfer mit nach oben angewinkelten Armen nach einem Sieg und sie sagt mir immer wieder mit fiepsiger Stimme: „Djasssss relääääääggggs. Gud for juuuuuh.“
Jaja. Gut für mich.
Wenn sie ein Mann wäre, wäre ich spätestens jetzt schreiend weggelaufen, aber was tut man nicht alles, um euch für diesen Blogbeitrag ein paar spektakuläre Stories zu liefern. Nein, Spaß beiseite.
Ich habe auch keine Ahnung, was das ist, aber höchstwahrscheinlich meine erste und letzte Ölmassage in Thailand und tatatadaaaaa: Ihr habt die Ehre, einen Bericht aus erster Hand zu erhalten als wärt ihr live dabei gewesen.
—-
Trotzdem bin ich ganz froh, als ich den Massagesalon verlassen kann.
Wieder bei meiner Unterkunft angekommen, muss ich mich gleich dreimal mit Duschgel abduschen, weil eine Runde nicht reicht, um den Fettfilm zu lösen. Wäre ich eine Küchenzeile, hätte es mindestens Cilit Bang gebraucht, um die Fettreste zu entfernen.
Aber zum Glück bin ich keine Küchenzeile und zum Glück muss ich diese tolle Massage-Erfahrung nicht wiederholen.









Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen