Da der letzte Tag auf Koh Phangan mit Kartoffelsalat gestartet ist, kann auch unsere heutige Überfahrt mit der Fähre zur Nachbarinsel Koh Samui nur gut werden! Koh Samui ist der letzte Stop unserer gemeinsamen Reise. Von dort wird Marieke über Singapur wieder zurück nach Deutschland fliegen. Ich werde wahrscheinlich nach Koh Tao fahren, wo ich 2014 meinen erweiterten Tauchschein gemacht habe. Falls ihr das nachlesen möchtet, klickt euch mal hier rein: Angekommen auf Koh Tao
Zuerst dachte ich, dass ich mit nach Singapur fliege und dort meine letzten 10 Tage verbringe, aber da ich absolut kein Städtetrip-Fan bin, sorge ich lieber dafür, dass mein Inselfeeling noch ein wenig erhalten bleibt.
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Nachdem wir den Tag beim Phangan Bayshore Resort ein wenig in der Sonne genossen haben, fahren wir gegen 15 Uhr zum Hafen. Hier wird um 17 Uhr unsere Fähre nach Koh Samui starten.
Ich bin relativ entspannt, aber Marieke hat etwas Angst, dass die Überfahrt ruckelig wird, weil sie sich auf Instagram zu viele Videos reingezogen hat, bei denen Koffer von Reisenden über Bord gehen und das Personal munter Kotztüten verteilt.
Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich so eine ähnliche Fahrt 2014 auch mitgemacht habe und sich locker 50 Prozent der Passagiere übergeben mussten. Daran erinnere ich mich nämlich noch ganz genau, weil ich damals den Song "Lego House" von Ed Sheeran gehört habe und bei der Textstelle "I’m gonna pick up the pieces and build a lego house" auf die Kotztüte – genau genommen den Zipperbeutel – gestarrt habe, den meine Sitznachbarin zu diesem Zeitpunkt auf dem Boden vor mir abgelegt hatte.
Genau aus diesem Grund – und auch, weil Marieke sich zu viele Videos reingezogen hat – haben wir zunächst sogar überlegt, die Fähre neu zu buchen und ein stabileres Modell zu wählen. Da aber die Fahrt von Koh Phangan nach Koh Samui nur etwa 30 bis 45 Minuten dauert und man selbst mit drei gebrochenen Rippen bei Erschütterung nicht in zwei Teile zerbricht, konnte ich Marieke (vor allem nach ihrer superpositiven Tarotkartenlegung) erfolgreich davon überzeugen, dass ihre Zukunftsaussichten Bombe sind und diese Interpretation sicherlich auch die Überfahrt mit der Fähre umfasst.
Tatsächlich war die Fahrt dann doch unerwartet sanft und angenehm. Nur das Personal war recht unangenehm, weil sie keinen Bock hatten, mir beim Tragen der zwei Backpacks und Rucksäcke zu helfen.
„Ich sage dir... wenn dein kompletter Kopf mit einem Verband eingewickelt wäre, hätten sie uns geholfen!“ Marieke nickt.
„Aber da dein Rippenbruch nicht sichtbar ist, denken die einfach nur, du bist ein faules Stück oder eine von diesen Prinzessinnen-Backpackern, die keinen Bock haben, ihr Gepäck selbst zu tragen und das als Ausrede benutzen damit man ihnen die Tasche hinterherträgt.“
„Ja, das ist echt ätzend“, sagt Marieke. „Ich fühle mich auch ein bisschen schlecht, dass du immer alles tragen musst.“
„Ist ja zum Glück das letzte Mal gewesen“, antworte ich. "Hab ich gern gemacht", kann ich nicht über meine Lippen bringen, weil es teilweise wirklich anstrengend war, mit etwa 40 Kilogramm Gepäck in der heißen Sonne herumzuspazieren. Aber den Umständen entsprechend wusste ich natürlich, dass Marieke keine faule Backpacker-Prinzessin ist, sondern sich das auch nicht selbst ausgesucht und auch für mich getan hätte.
„Wir nehmen aber auf jeden Fall ein Taxi“, sagt Marieke, als wir am Hafen von Koh Samui ankommen.
Ich stelle unsere Rucksäcke an einem weißen Zaun auf dem Boden ab. Marieke läuft zu der Frau, die an einem Schalter (oder besser gesagt Pult) dafür wirbt, die Leute für 150 Baht pro Person zu ihren Unterkünften zu fahren.
"Twaaaaanspooooort! One hundwed fibtyyyy baaaaaht onlyyyyyy!", ruft die kleine Frau mit dem Klemmbrett.
"Die wollen uns irgendwie kein Taxi geben“, sagt Marieke und schaut mich mit einem Ich-weiß-nicht-was-das-soll-Blick an.
„Kann ja wohl nicht sein!“, sage ich. „Die bekommen doch Geld dafür.“
„Na, die haben zu mir gesagt, wir sollen einfach nach rechts laufen“, sagt Marieke und fügt „Und dann hat sie zur Seite gezeigt", hinzu.
"Aber eigentlich sind das 600 Meter laut Google", fährt sie fort. "Die laufen wir jetzt auf keinen Fall. Ist mir SCHEIßEGAL!"“
„Ja, dann frag doch nochmal bitte, ob die uns nicht bringen können“, schlage ich vor.
Marieke läuft zurück zu Frau Klemmbrett und kommt dann zurück zu mir.
"Ok. Die machen das jetzt. Ich hab ihr meine Situation erklärt. Wir sollen jetzt zu Bus 18 laufen."
Wir wissen nicht, warum, aber wir werden ein wenig ausgelacht als wir in den schwarzen Bulli am Taxistand 18 steigen. "Lachen die jetzt, weil wir zu faul sind, 600 Meter zu laufen oder weil sie sich darüber lustig machen, dass der nächste blöde Backpacker einen Rollerunfall hatte?", frage ich.
„Egal. Ist jetzt so. Ist mir jetzt wirklich scheißegal“, sagt Marieke und setzt sich hin.
Dann werden wir zu unserer Unterkunft gefahren.
"Also das war ja jetzt schon ein bisschen weit. Ich verstehe nicht, was deren Problem war", sagt Marieke als wir unsere Unterkunft "Coco Palm Beach Resort" erreichen.
"Lass uns mal die Rucksäcke ablegen und dann direkt was essen gehen", schlage ich vor.
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Als wir bei gelbem Curry im Restaurant unserer Unterkunft sitzen, schaue ich mich um. Links von uns ein von Palmen eingerahmter Pool. Vor uns der Strand und rechts von uns...
"Oh man", seufze ich. "WIR SIND ECHT DUMM!."
"Wieso...warum?", fragt Marieke und schaut mich verwirrt an.
"Na guck dich doch mal um. Direkt neben uns ist dieser weiße Zaun, an dem vorhin unsere Rucksäcke standen. Wir hätten einfach nur 10 Meter laufen müssen."
"Oh", lacht Marieke.
"10 Meter und wir wären da gewesen. Stattdessen sind wir jetzt für fast 10 €! einmal im Quadrat gefahren! Kein Wunder, dass die uns Deppen ausgelacht haben."
„Konnte ja echt keiner wissen“, sagt Marieke.
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Am selben Abend möchte ich mir noch eine Massage bei einem der wohl besten Massagesalons gönnen, wenn man den zahlreichen Bewertungen der Google-User glauben mag.
"Best massage ever", "Noch nie SO eine gute Massage gehabt", lese ich bei Google.
Vor dem Eingang warten bereits die süßen Massage-Ladies auf frisches Massagematerial.
„Juh bant massaaaaas? Massaaaas?“
Seitdem wir hier in Thailand sind, kann ich das Wort Massage echt nicht mehr lesen, ohne es auch in meinem Kopf selbst als "Massaaas" auszusprechen.
„Ich bin dann eine Stunde hier und in einer Stunde sehen wir uns wieder...ok?“, frage ich meine Schwester. Marieke drückt mir 500 Baht in die Hand: "Bis später."
Ich entscheide mich für eine Thai-Massage und lege mich auf die mit buntem Tuch überzogene Massageliege. Die süße Massage-Lady sagt mir, dass ich mich komplett ausziehen und auf den Bauch legen soll. Dann fragt sie mich, welchen Härtegrad ich mir für die Massage wünsche. Ich erkläre ihr, dass die Massage gern etwas härter sein darf.
„Ahhhhh, saa-drong!“, wiederholt die Massage-Lady mit der festen Absicht, dies in den nächsten 60 Minuten sogar "extra sa-drong" umzusetzen.
Sie massiert oder besser gesagt malträtiert mich mit ihrem Ellenbogen, drückt mit ihren Knien gegen meinen unteren Rücken und spaziert über mich rüber.
Dabei sagt sie immer wieder "Ahahaha saaa-droooooong lehdiiiii!"
Bei einigen Stellen meines Körpers bin ich mir nicht sicher, ob sie diese massiert oder bestraft. Es ist eine Mischung aus Physiotherapie, Exorzismus und sanfter Körperverletzung mit reichlich Tiger Balm und Lach-Yoga. Teilweise sind die Bewegungen so skurril, dass ich zwischendurch Lachanfälle bekomme. Einmal versucht die Thai-Lady, an meinen Zehen zu ziehen bis diese knacken. Sie zieht so fest an einem Zeh ohne dass dieser knacken will und hört nach kurzer Zeit mit einem „Ohhh, notttt work!“ lachend auf.
Als die Massage beendet ist, wartet schon Marieke draußen auf mich, die gerade ein wenig mit der anderen Massagelady plaudert.
"Siii sa-droooooong", lacht meine Massagelady und ich muss laut lachen.
Ich habe übrigens inzwischen ziemlich gut durchschaut, wie Thai-Englisch funktioniert, beziehungsweise wie man die englische Aussprache perfektionieren muss, um wie ein Thailänder zu klingen. Man erkennt Thai-Englisch nicht etwa daran, WAS gesagt wird, sondern wie viele zusätzliche Vokale plötzlich auftauchen. Wenn zwei Buchstaben aufeinander folgen (wie zum Beispiel ein S und ein T oder ein S und ein N), dann dürft ihr diese Buchstaben als echter Thailänder auf keinen Fall zusammenhängend aussprechen. Also nicht strong, sondern sa-drong. Nicht snake, sondern sa-näke. Nicht please, sondern pa-lease. Nicht stop, sondern sa-dop. Baut einfach einen Vokal zwischen die beiden Buchstaben und ihr klingt wie ein Thailänder oder entfernt den Vokal. um zu verstehen, was gerade gemeint ist.
"Sa-droooong", wiederholt meine Massage-Lady und muss lachen.
"Also war's gut?", fragt Marieke.
"Die hat mich gerade richtig hart rangenommen", antworte ich und wir müssen alle laut lachen.
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Lachen müssen wir auch, als wir an unserem letzten gemeinsamen Tag – beziehungsweise am letzten, an dem wir zusammen etwas unternehmen können – bei unserem ersten Schnorchelspot ankommen.
Marieke und ich haben eine Tagestour mit dem Speedboot nach "Pig Island" gebucht. Auf dem Weg zur Schweineinsel halten wir noch an einem anderen Schnorchel-Spot. Das Boot hält relativ nah am Ufer und doch zu weit entfernt, als dass Marieke durch das Wasser spazieren könnte ohne dass ihre Wunde nass wird. „Can carry you!“, sagt einer der Guides und bietet uns an, meine Schwester huckepack zu nehmen.
„DAS machst du auf gar keinen Fall“, sage ich und gucke sie streng an.
„Ja-ha, Mama“, antwortet Marieke. „Mache ich nicht.“
„Hoffen wir mal, dass du dann beim nächsten Spot aussteigen kannst", sage ich. "Und wenn das nicht funktioniert, hole ich dich im Zweifel mit einem Kajak ab“, schlage ich vor.
Dann springe ich einmal kurz ins Wasser, kühle mich ab und klettere zurück auf das Boot, wo wir bei einer Runde Skip-Bo darauf warten, dass wieder alle zurück aufs Boot kommen damit wir zu den Schweinchen fahren können.
Glücklicherweise müssen wir diese Runde, die ich definitiv wieder nicht als Sieg hätte verbuchen können, abbrechen. Es geht nämlich weiter zu unserem Highlight-Spot des Trips: Nach Koh Madsum.
Koh Madsum ist eine kleine, flache Insel, die wirkt, als hätte jemand einen Bilderbuchstrand genommen und dann völlig selbstverständlich ein paar Schweine dort ausgesetzt. Weißer, feiner Sand, flaches türkisfarbenes Wasser, ein paar einfache Holzliegen und -Stühle und dazwischen zahlreiche Schweine, die zielstrebig grunzend und quiekend auf alles zulaufen, was nach Essen aussieht.
"Und Mama hat noch gesagt, ich soll nicht so dumm sein und mich von einem Schwein attackieren lassen, sagt Marieke. „Nicht, dass dir noch ein Schwein ins Bein beißt“, hat Mama zu mir gesagt.
Wir müssen wieder einmal lachen.
Als wäre Mama irgendwo in der Produktentwicklung tätig, geht sie bei Marieke scheinbar immer vom Worst-Case-User aus. Also vom dümmstmöglichen, unaufmerksamsten, kreativ-falsch handelnden Nutzer. Nicht, weil sie sie verachtet, sondern weil sie Haftungsschäden und Unfälle minimieren will. So geht sie dann auch beim Besuch der Schweincheninsel davon aus, dass Marieke sich von einem Schwein in die Waden beißen lassen wird.
Damit mir das nicht passiert, renne ich immer sofort weg, wenn sich uns eines der größeren Schweine nähert. „Aber Muli, wenn du so schreckhaft bist, dann können die dich ja auch nur aggressiv machen“, sagt Marieke und versucht mir zu erklären, wie ich mich auf dieser Insel verhalten soll.
„Von DIR nehme ich keine Tipps mehr an“, erwidere ich grinsend.
Die Schweincheninsel ist wirklich eins meiner Highlights dieser Reise – dicht gefolgt von den Affen, die ich auch noch stundenlang hätte beobachten können.
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Unseren letzten gemeinsamen Abend lassen wir im Restaurant unseres Hotels bei Mango Sticky Rice und einer Runde Skip-Bo ausklingen. Kaum zu glauben, aber wahr, dass ich tatsächlich mal gewinne.
Am nächsten Tag machen wir uns dann gemeinsam auf den Weg zum Flughafen, wo sich unsere Wege trennen werden. Marieke fliegt über Singapur zurück nach Deutschland und ich fahre mit der Fähre nach Koh Tao, um dort tauchen zu gehen.
Wir lassen die Reise noch einmal Revue passieren und stellen fest, dass wir trotz des Crashs extrem viel unternommen und kaum Pausen gemacht haben. „Also erholsam war das hier nicht so richtig, aber ich mag das auch lieber, wenn man viel unternimmt“, fasst Marieke die letzten zwei Wochen zusammen.
Wir nehmen uns noch einmal in den Arm und verabschieden uns.
"Komm gut an", sage ich.
Und dann sitze ich wenige Minuten später mit Tränen in den Augen an der Bushaltestelle, wo mich gleich der Bus abholen wird, der mich zur Fähre nach Koh Tao bringen soll. Irgendwie ist das immer völlig paradox: Auf der einen Seite reise ich extrem gerne alleine und auf der anderen Seite bekomme ich jedes Mal einen halben Nervenzusammenbruch an dem Tag, an dem mich eine andere Person verlässt, an die ich mich als Reisepartner gewöhnt habe.
Und jetzt sogar, obwohl wir uns doch bereits an Weihnachten wiedersehen.
Ich bin schon ganz gespannt, wie ich meine letzten neun Tage in Thailand alleine verbringen werde.


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