Wir holen uns noch einen Cappuccino in der Bäckerei an der Bushaltestelle und einen Snack aus dem 7-Eleven.
Dann geht’s los: fünf Stunden mit dem Bus nach Trat.
Als die Sonne aufgegangen ist, erreichen wir den Fähranleger und steigen um auf die Fähre nach Koh Kut. Dort angekommen, wartet schon unser Pickup-Service auf uns, um uns in unsere Unterkunft zu bringen.
Unsere Unterkunft, das À la Koh Kood Resort, ist wahrscheinlich die beste, die wir uns auf dieser Reise gönnen werden.
Das Resort liegt ungefähr fünf Autominuten von der Hauptstraße entfernt und man wird von dort aus mit dem Hotelshuttle durch den Dschungel über einen holprigen Sandweg, der von Palmen eingerahmt ist, zur Unterkunft gefahren.
Das À la Koh Kood besteht aus Überwasser-Häusern, die auf dem türkisblauen Wasser einer Mangrovenlagune gebaut sind. Eingerahmt werden die Häuser von der sattgrünen Natur der Insel, die auch - so haben wir es online gelesen - aufgrund ihrer Strände als „Malediven von Thailand“ bekannt ist. Spaziert man ein paar Meter durch das knietiefe Wasser, gelangt man von der Unterkunft direkt an den wunderschönen Strand Klong Hin und hat gleichzeitig an der linken Seite den Blick auf den Dschungel.
„Das können wir uns nicht entgehen lassen“, haben wir vor zwei Wochen gedacht und uns 3 Nächte in das letzte verfügbare Zimmer eingebucht.
Als wir - ein wenig erschöpft von der Fahrt - die Unterkunft erreichen, werden wir an der Rezeption von einer dunkelhaarigen, kleinen Rezeptionistin mit Hochsteckfrisur begrüßt. Die Frau in beigem Outfit ist sichtlich verwundert, dass wir zu zweit ein Dreierzimmer gebucht haben (es war kein anderes Zimmer mehr verfügbar) und nicht etwa wie die High Society aus Hamburg Blankenese mit Montblanc-Hartschalenkoffern, sondern wie zwei dreckige Penner mit Rucksäcken angereist sind.
"Oh I bas confused. Only ju tu? Belcomm! Here is your belcomm drink!", sagt sie und drückt uns freudig ein Tablett mit einem Blue Pea Flower Willkommenscocktail und 2 kleinen Waschlappen in einer mit Bananenblatt ausgekleideten Holzschale in die Hand.
Dann werden unsere Rücksäcke von einem Mitarbeiter - ebenfalls in beigem Outfit - ins Zimmer getragen (was für ein Service), die Frau informiert und über die Gegebenheiten vor Ort und wir fühlen uns direkt wie zwei Rich Kids, deren Eltern ihren Kindern eine Glamping-Unterkunft gebucht haben.
"So müssen sich die Reichen und Schönen fühlen", sage ich zu meiner Schwester als ich den Schlüssel von Zimmer A2 umdrehe. "Aber man erlebt halt auch nichts Spektakuläres, wenn man nur in solchen Buden absteigt", fahre ich fort.
"Das stimmt", nickt Marieke und wir betreten unser Zimmer und legen unsere Rucksäcke, die einen spannenden Kontrast zum Ambiente des Raumes bieten, ab.
"Wollen wir erstmal einen Kaffee trinken?", frage ich. Meine Schwester nickt und wir verlassen den Raum.
Vor unserem Zimmer befindet sich ein offene Fläche mit maritimem Ambiente und gemütlichen Sitzgelegenheiten, von der man direkt auf das türkisblaue Wasser schauen kann, in welchem ein paar bunte Kajaks herumtreiben.
„Ist das schön hier!“, spricht Marieke das aus, was ich denke.
Wir laufen über eine Brücke zum hoteleigenen Restaurant und verbringen dort den Nachmittag bei einem Cappuccino und lassen den Tag dann am Strand mit einer Runde Skip-Bo ausklingen. Obwohl Josie und ich in Bali nahezu täglich gegeneinander angetreten sind und ich somit gut im Training sein müsste, verliere ich -wie damals in 9 von 10 Fällen - auch dieses Spiel.
————-
„Das ist doch ganz schön weit“, sage ich am nächsten Tag zu meiner Schwester nachdem wir schon eine Weile gelaufen sind. Wir sind gerade auf dem Weg zum Bootsverleih und möchten dort ein Stand-Up-Paddle oder Kajak leihen, um durch die Mangroven zu paddeln. Scheinbar gibt es hier auf der Insel weit und breit aber kein Taxi. Nicht einmal in der Bolt-App werden uns Optionen angezeigt.
Zu blöd, dass wir mit unseren Flip-Flops und Adiletten heute völlig ungeeignetes Schuhwerk für längere Wanderungen angezogen haben.
„Und die bilden sich echt immer einiges ein“, sagt Chris. „Die meisten von denen sind so hässlich, dass sie in Deutschland überhaupt gar keine Frau finden würden und dann sind die hier so arrogant und fühlen sich wie die Geilsten.“
Wir müssen herzhaft lachen.
Ich muss zugeben, dass ich das Thema wirklich faszinierend finde und mir schon häufiger die Frage gestellt habe, ob Geld bei den jungen Thailänderinnen, die sich auf so eine Konstellation einlassen, wirklich die einzige Begründung ist. Anders kann ich es mir auf jeden Fall nicht vorstellen, dass man sich freiwillig jeden Abend mit seinen Kuscheltieren (die Thailänderinnen haben oft welche dabei) kuschelnd zu jemandem ins Bett legt, der auch der eigene Großvater sein könnte.
„Lass uns mal ein paar Leute fragen, ob es ein Taxi gibt oder sie uns fahren können“, schlage ich vor.
Meine Devise: Wer viel fragt, kriegt viele Antworten. Meistens löst sich ein Problem dann von selbst und die Menschen sind entweder super hilfsbereit oder alternativ für Geld bereit, spontan den Taxiservice zu übernehmen, obwohl das gar nicht ihr Business ist.
Wir halten bei ein paar Cafés und erkundigen uns, ob es nicht doch irgendeine Möglichkeit gibt, den Weg zur Mangrove, der zu Fuß über eine Stunde und mit unserem Schuhwerk wahrscheinlich noch länger dauert, schneller zurückzulegen.
An einem kleinen Street-Food-Stand erblicke ich einen Mann, der gerade neben dem Stand mit einem Roller geparkt hat. Ich frage: "Kennst du rein zufälligerweise irgendjemanden, der uns zur Paddelstation fahren kann?" und hoffe dabei insgeheim, dass er selbst sich angesprochen fühlt und spontan ein Auto aus dem Hut zaubert.
Dass er „ich kann das machen“ antwortet, habe ich mir also eigentlich schon ausgemalt, aber dass er tatsächlich uns beide auf EINEM Roller mitnehmen möchte, hätte ich dann doch nicht gedacht.
Und so sitzen wir wenige Minuten später zu dritt auf seinem roten Roller auf dem Weg in Richtung Paddelstation. Ich klammere mich wie ein Äffchen an seinen Schultern fest und Marieke an meinen. Es fühlt sich ein wenig so an, als könnte der Roller wegen der ungleichmäßigen Gewichtsverteilung jeden Moment vorne abheben. Allerdings zum Glück nur in unserer Fantasie, weil der Mann so schmächtig wie die meisten Thailänder ist und gerade zwei Personen gleichzeitig transportiert, die zusammen insgesamt mehr als das doppelte von ihm wiegen.
„Ich bin schon in meiner Kindheit gefahren“, erklärt uns der Mann als Antwort auf meine Frage, ob das für ihn normal sei, zu dritt auf einem Roller zu sitzen. Hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Ich weiß, Mama…dir stehen beim Lesen schon wieder die Nackenaare zu Berge, aber die Leute sind hier wirklich super nett und hilfsbereit.
Am Ende wollte er nicht einmal Geld von uns annehmen, weil er gesagt hat, er müsse an seiner Entscheidung festhalten, uns gratis zu fahren und würde es nicht fürs Geld machen.
Wie nett ist das bitteschön?
——
Bei der Paddelstation angekommen, erkundigen wir uns kurz nach den Preisen und finden heraus, dass es sinnvoller ist, mit einem Kajak als mit einem Stand-Up-Paddleboard zum Wasserfall zu fahren.
Der Besitzer führt uns zum Ufer, wo bereits ein pinkes und ein gelbes Kajak auf uns warten.
„Welche Farbe möchtet ihr?“, fragt er uns.
„Das ist mir ziemlich egal“, antworte ich und zeige auf das pinke Boot, das bereits im Wasser liegt.
„Möchtest du auch zum Wasserfall?“, frage ich die braungebrannte kleine Frau mit den kurzen wasserstoffblonden Haaren, die soeben in sportlichem Outfit an der Kajakstation angekommen ist. "Ja!", antwortet sie auf Deutsch und wir plaudern ein wenig.
„Du kannst gern mit uns mitkommen", schlage ich vor. "Sollen wir auf dich warten?"
„Das wäre klasse.“
Chris ist 56 Jahre alt und eine richtig coole Socke. Sie kommt aus München, hat zwei Kinder und ist alleine nach Thailand gereist, weil keins ihrer Kinder Bock hatte, mitzukommen und auch ihrem Freund gerade nicht nach Urlaub zumute ist.
„Wenn keiner will, mache ich mir eben allein eine tolle Zeit.“
Während wir durch die Mangroven paddeln, haben wir wirklich interessante Gesprächsthemen. Wir reden über Prostitution, Escort und darüber, dass man in Thailand sehr viele alte, weiße Männer sieht, die mit jungen Mädels absteigen.
Auch in unserem Resort ist ein recht alter Amerikaner mit Safari-Outfit und grauem Bart, der morgens zum Frühstück ziemlich gebrechlich humpelt als hätte er seine junge, thailändische Freundin die ganze Nacht durchgeknattert.
Wir halten bei ein paar Cafés und erkundigen uns, ob es nicht doch irgendeine Möglichkeit gibt, den Weg zur Mangrove, der zu Fuß über eine Stunde und mit unserem Schuhwerk wahrscheinlich noch länger dauert, schneller zurückzulegen.
An einem kleinen Street-Food-Stand erblicke ich einen Mann, der gerade neben dem Stand mit einem Roller geparkt hat. Ich frage: "Kennst du rein zufälligerweise irgendjemanden, der uns zur Paddelstation fahren kann?" und hoffe dabei insgeheim, dass er selbst sich angesprochen fühlt und spontan ein Auto aus dem Hut zaubert.
Dass er „ich kann das machen“ antwortet, habe ich mir also eigentlich schon ausgemalt, aber dass er tatsächlich uns beide auf EINEM Roller mitnehmen möchte, hätte ich dann doch nicht gedacht.
Und so sitzen wir wenige Minuten später zu dritt auf seinem roten Roller auf dem Weg in Richtung Paddelstation. Ich klammere mich wie ein Äffchen an seinen Schultern fest und Marieke an meinen. Es fühlt sich ein wenig so an, als könnte der Roller wegen der ungleichmäßigen Gewichtsverteilung jeden Moment vorne abheben. Allerdings zum Glück nur in unserer Fantasie, weil der Mann so schmächtig wie die meisten Thailänder ist und gerade zwei Personen gleichzeitig transportiert, die zusammen insgesamt mehr als das doppelte von ihm wiegen.
„Ich bin schon in meiner Kindheit gefahren“, erklärt uns der Mann als Antwort auf meine Frage, ob das für ihn normal sei, zu dritt auf einem Roller zu sitzen. Hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Ich weiß, Mama…dir stehen beim Lesen schon wieder die Nackenaare zu Berge, aber die Leute sind hier wirklich super nett und hilfsbereit.
Am Ende wollte er nicht einmal Geld von uns annehmen, weil er gesagt hat, er müsse an seiner Entscheidung festhalten, uns gratis zu fahren und würde es nicht fürs Geld machen.
Wie nett ist das bitteschön?
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Bei der Paddelstation angekommen, erkundigen wir uns kurz nach den Preisen und finden heraus, dass es sinnvoller ist, mit einem Kajak als mit einem Stand-Up-Paddleboard zum Wasserfall zu fahren.
Der Besitzer führt uns zum Ufer, wo bereits ein pinkes und ein gelbes Kajak auf uns warten.
„Welche Farbe möchtet ihr?“, fragt er uns.
„Das ist mir ziemlich egal“, antworte ich und zeige auf das pinke Boot, das bereits im Wasser liegt.
„Möchtest du auch zum Wasserfall?“, frage ich die braungebrannte kleine Frau mit den kurzen wasserstoffblonden Haaren, die soeben in sportlichem Outfit an der Kajakstation angekommen ist. "Ja!", antwortet sie auf Deutsch und wir plaudern ein wenig.
„Du kannst gern mit uns mitkommen", schlage ich vor. "Sollen wir auf dich warten?"
„Das wäre klasse.“
Chris ist 56 Jahre alt und eine richtig coole Socke. Sie kommt aus München, hat zwei Kinder und ist alleine nach Thailand gereist, weil keins ihrer Kinder Bock hatte, mitzukommen und auch ihrem Freund gerade nicht nach Urlaub zumute ist.
„Wenn keiner will, mache ich mir eben allein eine tolle Zeit.“
Während wir durch die Mangroven paddeln, haben wir wirklich interessante Gesprächsthemen. Wir reden über Prostitution, Escort und darüber, dass man in Thailand sehr viele alte, weiße Männer sieht, die mit jungen Mädels absteigen.
Auch in unserem Resort ist ein recht alter Amerikaner mit Safari-Outfit und grauem Bart, der morgens zum Frühstück ziemlich gebrechlich humpelt als hätte er seine junge, thailändische Freundin die ganze Nacht durchgeknattert.
„Und die bilden sich echt immer einiges ein“, sagt Chris. „Die meisten von denen sind so hässlich, dass sie in Deutschland überhaupt gar keine Frau finden würden und dann sind die hier so arrogant und fühlen sich wie die Geilsten.“
Wir müssen herzhaft lachen.
Ich muss zugeben, dass ich das Thema wirklich faszinierend finde und mir schon häufiger die Frage gestellt habe, ob Geld bei den jungen Thailänderinnen, die sich auf so eine Konstellation einlassen, wirklich die einzige Begründung ist. Anders kann ich es mir auf jeden Fall nicht vorstellen, dass man sich freiwillig jeden Abend mit seinen Kuscheltieren (die Thailänderinnen haben oft welche dabei) kuschelnd zu jemandem ins Bett legt, der auch der eigene Großvater sein könnte.
Die Altersdifferenz ist jedenfalls so, als würde ich mir an der nächsten Grundschule mit einem Snickers einen Toyboy anlocken.
Beim Wasserfall, den wir erst nach mehreren Anläufen gefunden haben, macht auch gerade ein grauhaariger Mann mit Schnurrbart eine Fotosession mit seiner Freundin. Leider ist es wie ein Verkehrsunfall, bei dem ich einfach nicht wegschauen kann. In hautenger, schwarzer Radlerhose bekleidet, die bis über den Bauchnabel seines Bierbauchs reicht, steht er auf dünnen Stöckerbeinchen wie ein Pirat mit Kopftuch im Wasser und fotografiert abwechselnd sie und lässt dann wieder ein paar Bilder von sich schießen.
"Auf seinem Handy sind definitiv die besseren Bilder", stelle ich lachend fest.
"Uargh! Jetzt hör mal auf, mir Kopfkino zu machen!", sagt Marieke.
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Den Rest des Tages verbringen wir am Wasserfall, gehen mit Chris essen und laufen dann zum Khlong Chao Beach. Als die Sonne so langsam untergeht, schlägt Chris vor, dass wir uns noch eine Massage gönnen und wir laufen Richtung Straße.
"Soll ich euch zu eurer Unterkunft fahren?", fragt mich plötzlich ein Mann, der eine Katze auf dem Arm hat. Ich bin zunächst verwirrt und sage instinktiv "No!" Dann lasse mich von ihm aufklären, dass er der Besitzer der Paddelstation ist, bei der wir vorhin ein Kajak gemietet haben.
"Was für ein Zufall schon wieder!", sagt Marieke als wir ins sein Auto einsteigen. Auf der Ladefläche seines Pickups wartet schon sein Hund und seine Katze nimmt auf dem Beifahrersitz Platz als hätte sie nie etwas anderes in ihrem Leben gemacht. Während der Fahrt streckt sie ab und zu ihren Kopf aus dem leicht geöffneten Fenster.
Der Mann fährt uns zurück zum Eingang unseres Resort, wo uns der Shuttleservice des Hotels einsammelt.
"Morgen müssen wir uns aber was anderes überlegen, um von A nach B zu kommen", sagt Marieke.












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