Dienstag, 24. Oktober 2023

Auf der Flucht vor Happy Hippo

 Wir sind im Nakuru Lake Nationalpark und fahren mal wieder mit dem dunkelgrünen Jeep in der Gegend herum. Dieses Mal etwas weniger kreuz und quer, weil sich in der Mitte des Parks ein großer See befindet, an dessen Ufer Pelikane und Flamingos zu beobachten sind. 

"Jeff, please stop", sagt Joana als wir an einer Affenherde vorbeifahren. Ich halte meinen Kopf aus dem Fenster. Auf dem Weg entdecke ich einen Babyaffen, der seine Mutter ganz fest umklammert, auf die Straße hüpft und direkt wieder zurückgeholt wird. Ein paar Meter weiter sitzt ein Affenpärchen, das sich gegenseitig das Fell untersucht und in den Bäumen schwingt sich währenddessen ein anderer Affe von Ast zu Ast.

"Ok, ready", sagen wir und fahren weiter. Da die Finnländer uns verlassen haben, sind unsere Fotostopps jetzt deutlich kürzer. Außerdem sind alle die Tiere, die wir schon im anderen Nationalpark gesehen haben, plötzlich keine Sensation mehr. Es ist verrückt, wie schnell so ein Gewöhnungseffekt eintritt. Erst "Wooooow ein Zebra! Bitte Vollbremsung und 10 minütiger Fotostopp!" und jetzt halten wir nicht einmal mehr für Zebras an.

Dafür aber für das Nashorn, das Simi gerade hinter einem Busch entdeckt hat. "Wooooow ein Nashorn. Bitte Vollbremsung und 10 minütiger Fotostopp! Ist schließlich das erste Mal, Jeff. Also pleeeease Stop!"

Das Nashorn nähert sich langsam dem sandigen Weg. Jeff ist auch heute gesprächig und hat uns erklärt, dass Nashörner nur schwer zu finden sind, weil es wohl eine Art gibt, die Gras frisst (weißes Nashorn) und eine andere, die sich von Blättern ernährt und dementsprechend im Busch unterwegs ist (schwarzes Nashorn). Das hier ist ein weißes Nashorn, das mit 3,40 bis 3,80 m Länge als größte Nashornart gilt und sogar bis zu 3,5 Tonnen wiegen kann.

Ich leihe mir das Fernglas von Magnus aus drehe ein bisschen an der Einstellung bis das Bild scharf ist.

"Das ist ja echt riesig!", sage ich und freue mich,dass das Nashorn noch ein bisschen näher kommt. Ohne Jeep möchte ich allerdings weder tagsüber, noch nachts einem 3,5 Tonnen Tier gegenüberstehen. 

Nach etwa 10 Minuten fahren wir weiter und halten am Parkausgang.

"Wie Jeff? Wir fahren gar nicht mehr zum See?", sagt Joana. "Wir wollen die Vögel sehen!'"

"Je-eff" ergänze ich. Unser 5-Sterne-Tourguide, der nun endlich mit uns redet, hat soeben einen Stern verloren! Das darf nicht passieren."

Jeff diskutiert eine Weile mit der Park-Security und wir nutzen die Zeit für eine kurze Pipi-Pause.

"Es scheint ein Problem mit der Bezahlung zu geben. Mein Kumpel aus dem anderen Jeep hat für alle bezahlt und irgendwas scheint bei der Transaktion schiefgelaufen zu sein", erklärt Jeff.

Dann klettern wir zurück in den Jeep und drehen um. Nach einem kurzen Stop am See stehen wir nach etwa 10 Minuten vor dem anderen Parkausgang. Uns wird erneut Ausfahrt verweigert.

Jeff steigt aus.

Offensichtlich scheint es immer noch ein Problem mit der Bezahlung und jetzt auch mit der Parksecurity zu geben. Wir klettern aus dem Jeep und lauschen , wie Jeff eine Weile mit der Frau diskutiert, die wie eine afrikanische Version von Lara Croft aussieht. Nach einigen Minuten beschließen wir, die Wartezeit mit einem Kaffee zu überbrücken und uns in den kleinen Shop hinter dem Ausgang zu setzen.

"Weiß einer, was hier jetzt los ist?", fragt Simi als wir gerade unseren Automatenkaffee trinken und Schokoladenkekse essen. 

Eine Packung Schokoladenkekse, Pfeffernüsse und Cracker später, warten wir immer noch.

Simi verlässt den Shop und pflückt aus Langeweile Blumen und ich schaue mich im Souvenir-Shop um.

Nach fast einer Stunde holt uns Jeff zurück und sagt, dass das Problem immer noch nicht gelöst sei, aber er nun sein Handy als Pfand da lässt und auch der Tourguide bleiben muss, der den Parkeintritt gezahlt hat.

Somit bekommt unsere Reisetruppe spontanen Zuwachs durch Alex aus Singapur und eine Frau,deren Namen ich vergessen habe.

Wir verlassen den Park und fahren zu unserem Lunch-Spot.

Zur Abwechslung gibt es mal wieder Reis, Spinat mit Zwiebeln, Gemüse und Hähnchen.

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Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg zum "Lake Naivasha", wo wir eine einstündige Bootstour machen. Dazu gibt es eigentlich auch nicht viel Spektakuläres zu sagen außer dass wir einmal kurz an ein paar Nilpferden vorbeigefahren sind.

Außerdem haben wir darüber philosophiert, wie die Zebras und Giraffen auf die angrenzende, kleine Insel (Crescent Island) gekommen sind. Ob sie wie in der Bibel mit einer Arche rübergefahren wurden oder nach der Trennung der Insel vom Festland zufälligerweise auf der Inselseite waren.

Ich persönlich tippe auf Variante 1. Ich meine...reeeeein zufälligerweise leben auf der Insel nur Tiere, die für Menschen ungefährlich sind, weil sie Vegetarier sind und reeeeein zufälligerweise haben die Afrikaner so mit der Besichtigung der Insel eine weitere Einnahmequelle erschaffen. 

Das erinnert mich ein wenig an Komodo Island in Indonesien, wo in freier Natur Komodowarane vorkommen und reeeein zufälligerweise immer ein Komodo direkt am Parkeingang - allzeit bereit für Besucherfotos - chillt. Oder an die Tersiers auf den Philippinen, die in einem Park reeeeein zufälligerweise immer genau dort sitzen, wo ein Foto-Schild aufgebaut ist als ob sie es selbst lesen und für die Parkbesucher mit ihren großen Glubschaugen für ein Foto posen würden. Oder an die Flamingos vom Flamingo-Beach in Aruba, die einfach keinen Bock hatten, wegzufliegen und wahrscheinlich reeeeein zufälligerweise mit einem abgeschnittenen Flügel auf die Welt gekommen sind.

Aber wer weiß das schon, ob das nicht alles doch nur ein Zufall ist.

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Die Frage mit den Tieren auf der Insel ist jedenfalls immer noch ungeklärt, als wir den Nachmittag bei einem kenianischen Tee im Restaurant am See ausklingen lassen. Simi hatte die Idee, nochmal herzukommen nachdem wir unser Gepäck in unserer Unterkunft abgeladen haben. Also sitzen wir jetzt hier zu viert unter den Bäumen mit unserem Tee und beobachten, wie die Affen über uns auf den Ästen sitzen.

Als es langsam dunkel wird, beschließen wir, zurück zu unserer etwa 15 Minuten entfernten Unterkunft zu laufen. Angekommen beim Parkausgang (wir sind ja wieder beim Naivasha-See), fragt uns die Security, wo wir hinwollen.

"Nur zurück zu unserem Hotel", erkläre ich. Der Securitymann nickt, öffnet das Tor und wir laufen weiter. Inzwischen ist es dunkel und wir verwenden unsere Handys, um den Weg auszuleuchten. Neben uns läuft eine Restaurant-Mitarbeiterin, die gerade Feierabend hat.

"Diese Uhrzeit ist noch ok, aber später nicht", sagt sie. 

Wir schauen sie verwirrt an: "Und warum nicht?"

"Na weil die Hippos nachts aus dem Wasser auf die Wiese hier neben dem Weg kommen und euch attackieren können!"

"Und wann kommen die so?", frage ich leicht irritiert und muss gleichzeitig lachen, weil das schon wieder alles zu absurd klingt.

"So um 9. Wir haben also noch ein bisschen Zeit", antwortet die Mitarbeiterin.

"Und woher wissen wir, ob die Hippos heute nicht schon um halb 7 richtig viel Bock auf Gras haben? Oder vll. auch Bock auf uns?", frage ich.

"Mach dir keine Sorgen. Vor neun kommen die nicht."

Google sagt: "Das Nilpferd ist das zweit gefährlichste Tier der Welt. Nilpferde sind extrem aggressiv und verteidigen gewaltsam ihr Revier."

"Scheiß auf 9 Uhr, ich muss hier weg", sage ich und bewege mich mit Powerwalking-Geschwindigkeit Richtung Straße.

"Lass uns mal bitte schnell wegrennen bevor Happy Hippo nicht mehr happy ist!"

Simi lacht. "Es ist noch gar nicht dunkel genug" erklärt er. "Die kommen erst, wenn's richtig dunkel ist."

"Erst um 9 Uhr", fügt die Mitarbeiterin hinzu. "Ich laufe hier jeden Tag um 7 Uhr lang."

Na wenn Mr. Wildlife das sagt.

Ich bin jedenfalls trotzdem ganz froh, als wir nach 5 Minuten die Straße und nach weiteren 10 Minuten unsere Unterkunft erreichen.

Jetzt ist erstmal Zeit für Reis, Gemüse und Hähnchen. Bitte kein Spinat heute.

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