Ich sitze nach dem Frühstück auf der Terrasse und zoome bei Google Maps ein bisschen rein und wieder raus. Dann muss ich grinsen. Es ist ja irgendwie zu witzig,dass ich vom Serengetipark geredet habe ohne überhaupt zu wissen,dass der gar nicht allzu weit von Nairobi entfernt ist. Nunja, jetzt weiß ich es.
Auf Empfehlung von Suzan treffe ich mich gleich mit einem Tourguide namens Henry, um herauszufinden,was ich hier machen und ob er mir vielleicht eine Tour zusammenstellen kann. "Dit ist bestimmt ne jute Idee, den ma zu frajen", hat Suzan gesagt. "Der war ja auch letze Woche mit eener von Luf-Hansa unterweks."
Jetzt wo ich weiß,dass der Serengetipark nicht fern ist,muss ich unbedingt eine Safari machen!
Henry und ich plaudern bei einem Cappuccino ein wenig und er erstellt mir eine grobe Route. Da der Serengetipark in Tansania ist, entscheide ich mich für den angrenzenden Massai Mara Park, um kein weiteres Visum zu brauchen. "Naivasha Lake lohnt sich auch und dann noch nach Nakuru", schlägt Henry vor und kritzelt die Namen der Orte auf ein Blatt Papier. Zwischendurch greift er zu seinem Handy und ruft offenbar jemanden an,der ihm die Konditionen für Parkeintritte etc. durchgeben kann.
"Klingt fantastisch", sage ich und frage Henry nach den Konditionen. Als er mir verrät,dass er allein für den Tagestrip nach Naivasha gern 150 Dollar hätte obwohl die gleiche Tour bei GetYourGuide für 70 drin steht, bin ich raus. "I am sorry." Man muss hier echt ein bisschen aufpassen,dass man nicht komplett übers Ohr gehauen wird und sich als Referenz in den Kopf hämmern, dass eine 20 minütige Busfahrt bei den Einheimischen vielleicht 30 Cent kostet. Für 150 Dollar kann er selbst wahrscheinlich mit einer R44 inklusive Champagner-Empfang und Videograf nach Naivasha fliegen.
Getrippel. Die Mitarbeiterin mit ihrem bordeauxroten Shirt, dem dunkelgelbem Saum und der "Khweza Bed & Breakfast"-Aufschrift kommt die Treppe nach oben und lächelt mich an.
"It's too expensive", wiederhole ich und schaue Henry an. Eigentlich warte ich nur darauf,dass er den Preis halbiert so wie das die Asiaten jetzt tun würden, aber er bleibt bei seinem völlig überteuerten Angebot.
"Na vielleicht gibt es hier ja noch Andere, die auch eine Safari machen", lächelt mich die Mitarbeiterin an und sagt dann: "Geh doch mal nach unten und frag nach!"
Kurze Zeit später habe ich Henry und seine Abzocker-Touren abgeschrieben und sitze im "Trips & Tours"-Raum neben der Rezeption. "Bist DU Peris?" frage ich die Mitarbeiterin und versuche, einen Blick auf ihr goldenes Namensschild zu erhaschen, das auf dem dunkelgelben Poloshirt aufgebracht ist, das sich über ihrer Brust leicht in Falten legt.
"Oh yes!", lache ich und kann die schwarze Aufschrift lesen nachdem sie sich ein bisschen nach links gedreht hat.
"Ich kenne jemanden,der Bart heißt. Er war zufälligerweise vor ein paar Jahren im selben Hotel und hat mir gestern noch empfohlen, mit dir zu quatschen."
Peris lacht. "Yes, the Dutch guy. I remember him."
"Peris hat mir einen coolen Massai Mara Trip gebucht, als ich nur eine Woche mit DHL hier war", hat Bart gesagt. Na dann let's go. Bastel mir mal einen richtig guten und gleichzeitig fairen Trip, Peris! Ich grinse die Frau mit der Brille und den kurzen, gekräuselten Haaren an.
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Nur 10 Minuten später steht meine Route: Ich reise am Montag zunächst zum Massai Mara Nationalpark, fahre dann weiter nach Nakuru, anschließend nach Naivasha und wieder zurück nach Nairobi. Am nächsten Tag nehme ich den Expresszug nach Mombasa, um meine Safari mit einem Strandurlaub ausklingen zu lassen. Und dann? Mal schauen. Auch bei diesem Urlaub hat es sich für mich wieder als richtig erwiesen, keine Pläne zu machen. Denn wer keine Pläne hat, hat keine Erwartungen und wer keine Erwartungen hat, kann nicht enttäuscht,sondern nur überrascht werden. Ich lasse mich überraschen und freue mich auf meine spontane Safari!
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Am Nachmittag treffe ich mich mit Rose bei meinem Hotel und wir fahren zusammen zum Giraffe Center. Wenn ihr mich fragt, kann man sich das auch sparen. Es geht nämlich nur darum, sich eingezäunte Giraffen anzuschauen,die den ganzen Tag mit grünen und hellen Pellets von Touris gefüttert werden. Am Eingang steht zwar "bitte nur eine Portion nehmen, die Giraffen sind auf Diät", aber eigentlich interessiert das keinen. Sie würden eher fette Giraffen tolerieren als dass die Einnahmen ausbleiben. Nebenan ist sogar ein Hotel mitten im Gehege, das man jetzt für ca. Ende 2024 buchen kann, um dann nicht vom hölzernen Steg, sondern direkt aus seinem Hotelzimmerfenster für über 600 € pro Nacht die Giraffen füttern zu können. Wow.
Rose und ich amüsieren uns mehr über die wildgewordenen Touristen auf der Pirsch nach dem perfekten Instagram-Profilbild und haben trotzdem einen coolen Tag. Wir gehen noch in einer Shopping Mall essen und sie erzählt mir ein bisschen mehr über das Leben in Afrika. Und über ihre Perücke von vorgestern, die sie heute zum Waschsalon gebracht und gegen eine glatte Variante eingetauscht hat.
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Am nächsten Tag lasse ich mich von einem der Hotelmitarbeiter zum Karuna Forest fahren. Es gibt in dem Wald zwar nicht so viel zu sehen, aber für einen Spaziergang lohnt es sich auf jeden Fall. Ich entscheide mich für den 15 km Rundweg und folge den grünen Pfeilen.
Zwischendurch höre ich "Life is a flower" und hüpfe durch den Wald. Ich habe das Gefühl, endlich wieder mehr bei mir angekommen zu sein und Urlaub wieder richtig genießen zu können statt den Drang zu verspüren, jeden Tag arbeiten zu wollen. Vor allem in den ersten Jahren meiner Selbständigkeit hatte ich das Gefühl, immer verfügbar sein und selbst im Ausland ganz normal arbeiten zu müssen. Ich arbeite nämlich auch echt gern und gerate dann manchmal in so einen Tunnel, in dem ich die Zeit und alles um mich herum völlig vergesse statt den Urlaub wirklich als Auszeit zu nutzen.
Als ich am Abend meine Sachen für die Safari packe, beschließe ich deshalb, nochmal eine kleine Produktivitätsphase einzulegen und meinen Laptop die nächsten 5 Tage im Hotel zu lassen.
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