Wie der Zufall es wollte, gab es direkt neben dem Restaurant, an dem ich mich absetzen lassen habe, auch eine Unterkunft. Ich müsste also nicht einmal eine weitere Roller- oder Tuktuk-Fahrt machen. Allerdings werde ich heute trotzdem die Unterkunft wechseln, weil es hier wie in so vielen Unterkünften keine Fensterscheiben, sondern nur Fliegengitter gibt. Dadurch war es superwarm und superlaut. 26 Grad und Straßenlärm. Ich konnte heute Nacht nicht nur den brummenden Tuktuks, sondern auch den Gesprächen meiner afrikanischen Zimmernachbarn lauschen, die nachts um zwei auf die Idee gekommen sind, zu kochen. Das kenne ich sonst eigentlich nur von meiner Mitbewohnerin Dominique, die allerdings auch spätestens um 0 Uhr den Kochlöffel fallen lässt.
Da unsere Zimmer nur durch eine abgeschlossene Zwischentür getrennt war, hätte ich beinahe sogar auch erraten können, WAS sie kochen. Ein absolutes Träumchen. Um zwei Uhr nachts von Gesprächen in Swahili und Frittiergeruch geweckt zu werden, ist schon ein Urlaubs-Highlight der etwas anderen Art. Aber allemal besser als eine freiwillige Nacht im Diani Home Stays.
Außerdem fand ich heute Nacht irgendwie die Vorstellung gruselig, dass die Zwischentür aufgehen könnte und meine Zimmernachbarn dann mit ihren Kochtopf vor meinem Bett stehen. Das ist zwar nicht passiert, aber allein die Vorstellung hat mir schon gereicht da sich abends einmal die Klinke nach unten bewegt hat, weil sie nicht gecheckt haben, dass die Tür kein Geheimgang zu einem weiteren Zimmer, sondern lediglich eine überflüssige Tür ist. Vermutlich wurde das hier so für Familien konzipiert damit man aus den zwei Räumen ohne Aufwand einen Großen machen kann. Was ja gar nicht so unklug, aber trotzdem irgendwie komisch ist.
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Ich packe meine Sachen und ziehe mich an. Dann lasse ich mich zum 4 Minuten entfernten Kokkos-Café fahren. Ich könnte auch laufen, aber da ich dafür an der Hauptstraße entlanglaufen müsste, fahre ich lieber. An der Straße sind nämlich schätzungsweise 20 Shops aufgebaut.
Das bedeutet mindestens 20 Mal "Hello-jambo-hi-sister". Kauf dies, kauf das. Guck mal. Hier sind unsere von der Sonne ausgeblichenen Holzfiguren. Oder darf es lieber ein Bikini sein, bei dem Ober- und Unterteil gar nicht zusammenpassen? Oder vielleicht ein buntes Tuch? Oder etwa ein Perlenarmband? Wie wäre es mit einer handgeflochtenen Palmenblatt-Handtasche? Die brauchst du doch bestimmt auf jeden Fall, sister. Oder vielleicht dies oder das? Oder, oder, oder. Please sister jambo jambo komm doch mal gucken. Gucken kostet nix! Alles total günstig und heute ausnahmsweise special price. Nur für dich! Eins muss man den Afrikanern aber lassen: Sie sind Vertriebsgenies. Wenn der deutsche Verkäufer meist nach einem "Nein" schon aufgibt, dann ist das hier hingehen die Einladung, erstmal richtig Gas zu geben.
Ich weiß ehrlich gesagt trotzdem nicht, ob ein Spaziergang am Ballermann und Gespräche mit dem Sonnenbrillenrillen-Helmut oder das hier nerviger sind.
Also tu ich, was ich tun kann und das Tuktuk ist immer eine gute Wahl, um den morgendlichen Gesprächen zu entkommen. An dieser Stelle eine kleine Randnotiz für alle, die wie meine Schwester am liebsten morgens schon jeden mit der Bazooka vernichten würden, der mehr als "Guten Morgen" sagt: Das hier ist euer Endgegner.
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Als ich bei Kokkos die Speisekarte in meinen Händen halte, bin ich direkt im Frühstückshimmel. 1. Es gibt ECHTEN Kaffee. Also so richtigen Kaffee wo man die Bohnen erst so RRRRRRrrrrrr schreddert und dann ganz frisch gebrühten Kaffee bekommt. Nicht wie dieser eklige, gefriergetrocknete Instantkaffee in den kleinen Tütchen. 2. Es gibt für mein Toast nicht nur Käse, sondern auch Avocado und viele weitere Veredelungsoptionen als Null-Frucht-Marmelade. Das ist der Hammer!
Ich werde meine neue Unterkunft definitiv an der Distanz zu diesem heiligen Frühstücksort ausrichten damit ich meine wohlverdiente Pause von Ei, Instantkaffee und Marmeladentoast weiterhin zelebrieren kann.
Das ist definitiv ein Frühstücksupgrade der anderen Art. Bisher 1 Stern-Instantkaffee und Toast und jetzt sozusagen von der Kaffeebohne extrahiertes Flüssiggold an Avocado-Käse Liaison auf Knusperbaguette...oder so ähnlich!
Auf jeden Fall: Mhhhh. Köstlich!
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Am Nachmittag nimmt mich dann Karen, eine hübsche Kenianerin in marineblauem Kleid, entgegen. Sie vermietet ihr ganzes Apartment auf Booking.com aufgrund der Kurzfristigkeit heute für 12 € die Nacht zum Super-Special-Sonderpreis. Ich kann es kaum glauben als sie sagt, dass ich mir das supersüß eingerichtete Wohnzimmer mit Küche, an das das Schlafzimmer angrenzt, mit niemandem teilen muss. "Alles deins, Julia. Enjoy!"
Ich räume meine Sachen ein und verlasse dann das Apartment, um ein bisschen Diani zu erkunden. Bei einen weiteren Kaffee unter Palmen genieße ich den Ausblick auf das türkisblaue Wasser und schlendere ein bisschen am Strand entlang. Dabei achte ich darauf, einen großen Bogen um potenzielle Brillenverkäufer zu machen und höre über meine Kopfhörer Musik.
Es tut echt gut, wieder alles zu sein.
Ich hätte ja ehrlich gesagt nicht gedacht,dass ICH das jemals sagen würde. Inzwischen verbringe ich supergern Zeit allein. Das heißt ja nicht, dass ich nicht auch gern wie bei der Safari in einer Gruppe unterwegs bin, aber ich freue mich ebenso, wenn ich anschließend wieder komplett für mich bin. Und genau das genieße ich so sehr am Alleinreisen: Man kann jederzeit frei entscheiden, ob man allein oder umgeben von anderen Menschen sein möchte, muss keine Pläne schmieden und kann den ganzen Tag genau das tun, worauf man Bock hat. Und oft ist man sogar - je nachdem für welche Art von Unterkunft man sich entscheidet - bei einer Solo-Reise immer umgeben von anderen Menschen und kaum für sich. Das kann auch irgendwann zuviel sein. Seit meiner Selbständigkeit wird mir ohnehin nie langweilig und so kann ich auch mal im Urlaub einen produktiven Tag einlegen.
Genau das mache ich am nächsten Tag und verbringe von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr mit meinem Laptop im Kokkos. An meinem Produktivtag arbeite ich nicht nur wie Speedy Gonzales Aufgaben und Mails ab, sondern gönne mir auch so ziemlich alles, was die Kokkos-Speisekarte so hergibt: Von einem geilen Frühstück mit Kaffee über einen Mango Lassi bis hin zu einem Stück Carrot Cake (und das sogar ohne Rosinen. Juhu).
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Für den kommenden Tag buche ich mir über einen Kontakt von Peris eine Schnorcheltour zu Wasini Island und lasse mir die Gelegenheit nicht entgehen, einen Tauchgang zu buchen. Es ist bestimmt 6 Jahre her, dass ich das letzte Mal getaucht bin (oder vielleicht sogar noch länger?) und ich kann es kaum abwarten, mal wieder die Unterwasserwelt zu erkunden.
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