Der Flug war wieder einmal königlich und ich konnte die Zeit vlom Land der Träume voll ausschöpfen. Es ist echt ein Segen, dass Fliegen für mich denselben Effekt hat,den diese Federwiegen oder Baby Björns auf Neugeborene haben. Sobald ich den Flieger betrete, kann ich schlafen. Dieses Mal habe ich auf dem Anschlussflug von Äthiopien nach Nairobi sogar schon den Start verpasst, so dass ich erst wachgeworden bin als mir die Stewardess Hähnchen in einer wabbeligen Sauce und Reis unter die Nase gehalten hat.
Mein persönlicher Schlafrekord liegt übrigens bei 15 von 17 Stunden auf dem Direktflug von Dubai nach Seattle.
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"Shall I help you?", frage ich die Afrikanerin mit der relativ schlecht festgeklebten Perücke und den geflochtenen, dunklen Zöpfen. Mit schlecht geklebt meine ich, dass Perücken ja meist so ein zuschneidbares Netz haben, das bei ihr ungewollt sehr gut sichtbar mit Makeup an der Stirn klebt. Es sieht ein bisschen so aus, als hätte sie ein hellbraunes Fliegengitter mit schwarzen Haaren auf dem Kopf.
"Yes, you can take my bag", antwortet sie freundlich und wir verlassen gemeinsam den Flieger. Sie heißt Rose, ist 28 Jahre alt, hat sieben Monate in Thailand als Englischlehrerin gearbeitet und kehrt heute zu ihrer Familie zurück. Beim Anblick ihres Gepäcks könnte man allerdings meinen, sie sei locker fünf Jahre oder mit vier weiteren Personen unterwegs gewesen. "Wie hast du DAS alles getragen?", lache ich.
Rose wohnt in Nairobi und hilft mir, ein Taxi zu finden. Wir tauschen Nummern aus und verabreden uns für die nächsten Tage.
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Angekommen im "Hotel", setze ich mich auf die Dachterrasse mit den hölzernen, achteckigen Tischen und freue mich, endlich angekommen zu sein.
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Am nächsten Tag buche ich mir auf Empfehlung von Suzan (eine supersüße Kenianerin, die nach Berlin ausgewandert ist), morgens über booking.com eine Citytour durch Nairobi. "Dit kannste hier janz jut machen", hat sie gesagt.
Gegen 13 Uhr mache ich mich also auf den Weg ins Stadtzentrum. Ich laufe - mit meinem Rucksack vor dem Bauch - entlang der superstaubigen Straße, an der kleine Stände aufgebaut sind. Wenn man will, kann man sich hier auf dem Weg mal eben schnell ein schönes, verstaubtes Sofa, einen verstaubten Schreibtischstuhl oder auch staubige Klamotten kaufen, die so aussehen wie das, was ich vor meinem Umzug im Altkleidercontainer gelassen habe. In der Luft hängen jede Menge Abgas-Geruch, noch mehr roter Sandstaub und auch ein paar Diebstahl-Vibes. Gefühlt sind auf den Straßen nämlich nur Männer, die mich anschauen, als wäre ich die Queen höchstpersönlich und gelegentlich mit einem "Hey sister" versuchen, mich auf ihren Ramsch aufmerksam zu machen. Nein,sorry. Ich brauche gerade bei 27 Grad leider keinen Winterparka oder Schal.
Mir wurde mehrfach gesagt, es sei sicher, sich hier als Msungu (so werden die Weißen hier genannt) tagsüber frei zu bewegen solange man nicht sein Handy wie ein Depp vor der Nase in der Hand hält und damit schon aus 50 m Entfernung "bitte nimm es mir weg" ausstrahlt. Ich fühle mich -auch angesichts der Tatsache, dass hier an der Hauptstraße zig Polizisten sind - sicher, aber bin ohne Google Maps ein wenig auf meinen nicht vorhandenen Orientierungssinn angewiesen. Zwischendurch gehe ich in Schuhläden oder Cafés, um doch einen Blick auf mein Handy zu erhaschen ohne dass es mir aus der Hand geklaut wird.
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"Hey, my name is Nicolas and I will guide you around the City", sagt der mit türkisgrünem Shirt bekleidete Mann und schaut durch seine dunklen Sonnenbrillengläser in die Runde. Wir sind 3 Holländer, 2 Deutsche, 2 Briten und eine Italienerin.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde laufen wir los.
Wir halten zunächst an einer Bushaltestelle, an der zig mit Graffiti besprühte Busse warten. Nicolas beginnt bei wundervoller Untermalung durch Nairobi-Straßenlärm und Gehupe, ein bisschen was von der Hauptstadt Kenias zu erzählen und dann laufen wir weiter.
Da ich mir für euch nur die spektakulären Sachen gemerkt habe (die geschichtlichen Fakten zur Stadt könnt ihr bestimmt alle online nachlesen), kommt hier eine kleine Zusammenfassung meiner Top 3 aus der Kategorie "unnützes Nairobi-Wissen", das ihr gern direkt wieder vergessen könnt.
1. Busse in Nairobi
Die Busse in Nairobi haben keine festen Abfahrtzeiten, sondern fahren einfach immer dann los, wenn sie voll sind. Das würde die meisten Deutschen definitiv in den Wahnsinn treiben, denn zusätzlich fehlt ein Hinweis darauf, wohin der Bus überhaupt fährt. Um das herauszufinden, sollte man genau darauf achten, was der Busfahrer ruft. Damit die Busse möglichst viele Fahrgäste akquirieren, sind viele von ihnen bunt angemalt und versuchen, mit einer bestimmten Musikrichtung die Leute anzulocken. So gibt es zum Beispiel einen HipHop Bus oder eine RnB-Variante. "Das ist Bus-Marketing", erklärt mir Nicolas.
2. Ugly 5:
Neben den Big 5, die hier in Afrika jeder Touri sehen will (Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel), gibt es wohl auch die "Ugly 5". Ganz ehrlich: Nein allgemeinwussen ist so schlecht,dass ich nicht mal die Big 5 hätte aufzählen können, aber dass auch die fünf hässlichsten Tiere Afrikas explizit definiert sind, habe ich während der Citytour zum ersten Mal gehört. Also jetzt gut aufpassen damit ihr bei der nächsten "Wer wird Millionär"-Folge eventuell bei der 1 Mio.-Euro-Frage punkten könnt.
Tier Nummer 1: Das Warzenschwein. Ein Schwein, das sich beim Fressen hinknien muss, weil sein Hals irgendwie leider als kleine Fehlkonstruktion der Natur zu kurz geraten ist. Es verdankt seinen Namen den Gesichtswarzen, die aber eher wie zwei wabbelige Monsterpickel aussehen und keine bahnbrechende Funktion haben, außer einfach scheiße auszusehen. Ok...und vll. helfen sie,andere Schweine abzuwehren.
Tier Nummer 2: Der Aasgeier, der nicht nur eine Glatze, sondern auch einen Hals hat, der ein bisschen aussieht wie eine zerknitterte Vorhaut. Nicht schön, sage ich euch. Also weder der Vorhauthals, noch die Essgewohnheiten. Der Gammelfleischskandal von 2006 war für ihn wahrscheinlich das, was für uns Weihnachten ist: Ein Fest und der Beginn einer neuen Aasgeier-Ära.
Tier Nummer 3: Das Gnu, das ein bisschen aussieht wie ein gescheitertes Genexperiment an einem Pferd. Gar nicht mal SO hässlich finde ich. Da sieht der Nacktmull definitiv beschissener aus.
Tier Nummer 4: Die Hyäne, die wir alle aus "König der Löwen" kennen. Sie ist meiner Meinung nach zu unrecht in den Top 5 und würde definitiv einen Schönheitspreis gegen Sweepee Rambo gewinnen, der 2016 zum hässlichsten Hund der Welt gewählt wurde (bitte googelt mal Sweepee Rambo, der ist nämlich weder bei seinem Namen, noch optisch mit viel Schönheit gesegnet). Wunder oh Wunder, kommt der Hund aus Amerika, denn wer sonst würde ein Tier Sweepee Rambo nennen?
Und zu guter Letzt Tier Nummer 5: Marabu.
Also nicht diese köstliche Schokolade, die man bei Ikea kaufen kann, sondern dieser Vogel, bei dem so ein hodenähnliches Gebaumel unter dem Schnabel hängt. Wortwörtlich die Verkörperung eines waschechten "Sackgesichtes". Das Marabu-Männchen benutzt seinen Single-Gesichtshoden sogar aufgeblasen zur Balz, weil er glaubt,dass das schön ist.
Nunja. Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Bei Nummer 5 gehe ich mit,aber wenn ich ein eigenes Ranking aufstellen müsste, würden auf jeden Fall auch der Blobfisch und Sweepee Rambo darin vorkommen.
3. Heiraten in Kenia
Wenn Man(n) in Kenia heiraten möchte, dann muss die Familie des Mannes dem Vater der zukünftigen Ehefrau des Sohnes seine Tochter bezahlen. Hab ich voll kompliziert beschrieben,oder? Ich hätte auch einfach sagen können: Billige Schwiegertochter gesucht.
Bezahlen bedeutet in Kenia, dass Geld, aber auch zum Beispiel Schafe als Zahlungsmittel angebracht sind. Wie viele Schafe oder Schillings eine Frau wert ist, hängt von folgenden Faktoren ab:
Hübsch = teuer
Gebildet = teuer
Aus einer reichen Familie = teuer
Hübsch + gebildet = sehr teuer
Hübsch, gebildet und reich = unbezahlbar
Man kann sich als Typ also entweder für eine hässliche Schabracke mit Marabu-Optik und einem IQ wie Toastbrot entscheiden, um günstig davonzukommen oder schon mal in weiser Voraussicht seinen Insolvenzverwalter kontaktieren. Da bekommt die Aussage "die Alte da drüben ist richtig billig" direkt eine völlig neue Bedeutung.
"Heiratet ihr vielleicht auch mal aus Liebe?", frage ich Nicolas und drücke währenddessen einem bettelnden Jungen ein paar Cashews in die Hand.
"Ja,aber meist erst die dritte Frau", antwortet er.
Ich muss lachen.
"Ja, wirklich wahr. Wir haben bis zu 3 Frauen, um zu versuchen, möglichst viele Töchter zu zeugen." Denn Frau = Geld oder halt Schafe, Gold oder sonst etwas, das in Kenia seinen Wert hat.
"Die dritte Frau ist sozusagen unsere echte Frau. Wenn man reich ist, kann man sich aber auch einfach eine teure Frau gönnen und ihr regelmäßig erzählen, dass man auf Geschäftsreise ist und dann ein "Side Chick" haben."
Oh wow.
Das erklärt auf jeden Fall,warum Afrikaner so heiß auf ausländische Frauen sind. Sie sehen ja nicht nur gut aus, sondern sind meist intelligent und dann sogar noch kostenfrei zu haben ohne dass der deutschen Familie vorab ein paar Schafe per Luftfracht geschickt werden müssen.
Übrigens kann es sogar auch passieren,dass der Vater den potenziellen Ehemann ablehnt und sich die Frau einen neuen Partner suchen muss. Um dem entgegen zu wirken, kann die Tochter sich am besten vor der Ehe schwängern lassen damit der Vater nichts mehr gegen ihren Traumprinzen einzuwenden hat. Der hat nämlich keinen Bock, für seine Tochter und das Kind finanziell aufzukommen und überlässt das dann im Zweifelsfall lieber doch dem potenziellen und nicht ganz so sympathischen Ehemann.
Ich bin dankbar, dass ich heiraten darf,wen ich will und gar nicht erst solche Tricks anwenden muss. Abgesehen davon bin ich mir auch nicht sicher, ob sich meine Eltern über Schafe freuen würden.
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